Geschichte Familie Kleinknecht in Libanon von 1890 bis heute ……

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1890 reisten unsere Grosseltern, stammend aus Baden-Württemberg, Deutschland, nach Libanon, mit dem Zug nach Genoa, Italien, und dann mit Schiff von Genoa nach Beirut. Sie kamen nach Libanon wegen zwei Gründe: erstens; sie hatten einen Traum die heiligen Länder, Libanon, Syrien, Palästina und Ägypten zu besuchen. zweitens; mein Grossvater hat ein Angebot von der evangelischen Kirche seiner Heimatstadt, Wisslensdorf, in Beirut zu arbeiten und somit wurde der Traum meiner Grosseltern erfüllt.

Stammbaum Großeltern

Stammbaum Familie Kleinknecht.

 

Es gibt zwei Theorien über den exakten Beruf meines Grossvaters. Gemäss meine älteren Geschwister, war mein Grossvater Theologe, so dass die evangelische Kirche seiner Heimatstadt ihn nach Beirut schickte, um Theologie in der Amerikanischen Universität zu Beirut zu unterrichten. Aber gemäss ein offizielles Dokument welches wir noch haben (siehe Anlage) war mein Grossvater beruflich Buchbindermeister und arbeitete in Beirut in der Druckerei der National Evangelical Church of Beirut, welche Kirche sich im historischem Stadtzentrum befindet. Diese Kirche wurde während des Bürgerkrieges 1975-1900 ziemlich beschädigt und geplündert. Nach dem Bürgerkrieg, wurde diese Kirche restauriert und sieht heute prächtiger aus als vorher. In dieser Kirche wurde meine Schwester Bertha Herrig am 12 März 1955 mit Johann Herrig getraut.

Meine Grossmutter war Lehrerin für die Sprachen, deutsch und französisch.

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National Evangelical Church of Beirut nach der Restauration.

 

Grossvater   : Wilhelm Friedrich Kleinknecht geb. 12.02.1847 in Wisslensdorf.
Grossmutter: Bertha Katarine Kleinknecht geb. Unkel 27.11.1862 in Schwäbisch/Hall.

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Grossmutter Bertha. Fotografiert in London vor der Heirat in 1887.

 

Ottoman Post Office in Beirut 1900

Osmanisches Postamt in der Nähe des Beiruter Hafen im Jahr 1900. Von hier schickten meine Großeltern ihre Briefe nach Deutschland.

 

Geboren sind in Beirut eine Tochter und drei Söhne:


Theodor Immanuel Kleinknecht   (am 06.02.1892)
Klara Stefanie Kleinknecht          (unbekannt)
Albert Ludwig Kleinknecht           (am 17.05.1897)
Adolf Kleinknecht                       (am 21.08.1901)

Grosseltern mit den drei ältesten Kinder. Die Kinder von links nach rechts: Tante Klara, Albert (Unser Vater) und Onkel Theodor.

Grosseltern mit den drei ältesten Kinder. Die Kinder von links nach rechts: Tante Klara, Albert, (unser Vater) Onkel Theodor, in Beirut c. 1900.

 

Kaiser Wilhelm II. in Libanon, in Palästina und Syrien – 1898:


Am 06. November 1898 ist Kaiser Wilhelm II. mit der kaiserlichen Jacht Hohenzollern, eskortiert von den Begleitschiffen, Hertha, Hela und Loreley, von Jaffa kommend in den Beiruter Hafen angekommen. Der Höhepunkt der Palästinareise war die Einweihung der deutsch evangelisch-lutherische Erlöserkirche in Jerusalem am 31. Oktober 1898, die über die Resten einer von Karl dem Grossen gegründeten Basilika errichtet wurde. Als Text dienten dem Kaiser die Verse aus 1 Timotheus 5 und 6 die vom Kaiser selbst als Widmung in die Kanzelbibel geschrieben wurden:

“Es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung”.

 

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Königliche Yacht HOHENZOLLERN von Kaiser Wilhelm II im Hafen von Beirut, Libanon, in November 1898, zeigt eine Ansicht von Ost Beirut.

In Palästina besuchte der Kaiser mit der Kaiserin vier Templerkolonien:  Haifa, Jaffa, Sarona und Jerusalem.

Als der Kaiser am 6. November an Land ging, wurde er vom libanesischem Volk im Beiruter Hafen sehr stürmisch, lebhaft und mit Jubel empfangen. Die Abadays  die Starken oder Helden vom bekannten islamischen Stadtviertel Basta und von den bekannten christlichen Stadtvierteln, Aschrafié und Jemmaisé, in bunten Volkstrachten von damals, mit Tarbuschen, Turbanen bis Babuschen, – mit Hüte bis Pantoffeln – bekleidet, wie man es hier sagt, haben folgendes Lied gesungen, mit Trommel und Blasmusik begleitet:

Loy, loy, loy, ischa Malek Olmania,
Loy, loy, loy, rah ila al Saraya,
Loy, loy, loy, rah ila Baabda,
Loy, loy, loy, rah ila Aley,
Loy, loy, loy, rah ila Zahlé,
Loy, loy, loy ………….

und haben fröhliche Jodler erschallen.

(Übersetzung): Ein deutscher König ist gekommen, besuchte das Rathaus, die Städte Baabda, Aley, Zahlé.

Dieses Lied haben unsere Grossmutter und unsere Mutter öfters gesungen und ist in meinem Gedächtnis wach geblieben. Deutsche Familien die in Beirut lebten waren am Empfang des Kaisers im Hafen. Unsere Grosseltern mit Kinder waren auch am Empfang. Als Grossmutter den Kaiser sah, drängte sie sich durch die Menschenmenge mit ihrem Ehemann und Kinder. Sie trug Baby Albert in ihre Arme und stellte sich dem Kaiser vor:

Ich bin Württembergerin aus Schwäbisch-Hall, lebe in Beirut mit meiner Familie seit 8 Jahre”. Der Kaiser streichelte Alberts blonde Haare und sagte: Die Deutsche Kolonie in Libanon soll gedeihen! Dieses Ereignis hatte sie uns öfters erzählt, weil es ihr schönstes Erlebenis war.

Trauerkranz für Sultan Saladin:


Der Kaiser und sein Gefolge besuchten auch Damaskus am Abend des 7. November. In Damaskus legte Kaiser Wilhelm Wert darauf, das Grab des Sultan Saladins zu besuchen. Im Mausoleum bei der Umayyaden Moschee legte er am 08.11.1898 einen goldenen Trauerkranz nieder und beschwor vor einer gewaltigen Menschenmenge die Freundschaft zwischen Harun Al-Rashid und Karl dem Grossen und erklärte:

“Möge der Sultan und mögen die 300 Millionen Mohammedaner, die, auf der Erde zerstreut lebend, in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der deutsche Kaiser ihr Freund sein wird”.

Der Kaiser hielt den hölzernen Sarg des Sultans für unwürdig und beauftragte umgehend deutsche Steinmetze einen Steinsarkophag als Ersatz zu fertigen. Dieser Sarkophag wurde angeliefert und steht heute leer neben dem hölzernen Sarg im Mausoleum. Die Araber wollten ihren grossen Sultan nicht umbetten, aber das Geschenk auch nicht zurückweisen. Der goldene Kranz ist nicht mehr da. Als Lawrence von Arabien in Damaskus einmarschierte, schickte er den Kranz nach London. Lawrence schrieb in seinem Begleitschreiben an das Imperial War Museum, er hätte ihn weggenommen da, “Saladin ihn nicht mehr braucht”!

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Trauerkranz für Sultan Saladin.

 

Die Tafeln von Baalbek:


Am 10. November brach der Kaiser von Damaskus zum letzten Reiseziel auf: die Tempelruinen von Baalbek, wo er am frühen Abend eintraf. Der letzte Zielpunkt auf der weiten Orientreise war hier, im alten Heliopolis, erreicht: Hier hielt das Kaiserpaar die letzte Nachtruhe, inmitten der Trümmer der grössten Tempelbauten, die die Römer uns hinterlassen haben.

Tempelanlage Baalbek 200AD

Tempelanlage Baalbek, Libanon, 200AD.

Früh am nächsten Morgen des 11. November 1898 erhob sich der Kaiser, besichtigte die Ruinen und weihte ein Geschenk des Sultans ein: der Kaiser wählte eine Stelle an der nördlichen Innenwand des Bacchus-Tempels, eine grosse, zweiteilige Marmor Erinnerungstafel, eine in Deutsch und eine in Osmanisch die an den Besuch des Kaisers und seiner Gattin, Kaiserin Augusta Victoria in Baalbek erinnerte. Nachdem Geröll, Matsch, Schlamm und Sand weggeschafft wurden, hingen die Tafeln in zirka zehn Metern Höhe. In Osmanisch und Deutsch stand dort:

Bacchus Tempel

Bacchus Tempel in Baalbek, Libanon.

Sultan Abdul Hamid II. Kaiser der Osmanen, Seinem erlauchten Freunde Wilhelm II. Deutscher Kaiser, König von Preussen und Kaiserin Augusta Victoria, zur Erinnerung an die gegenseitige unwandelbare Freundschaft und den Besuch der kaiserlichen Majestät in Baalbek 15 November 1898.

Die Reiseführer in Baalbek erzählen noch heute den Touristen, dass die türkische Behörde damals von den Bewohnern der Stadt Baalbek 1000 Öllampen sammelte, um abends zu Ehren des romantischen Kaiserpaares die Tempelanlagen mit diesen Öllampen zu beleuchten, in Erinnerung an das 1000jährige Heiliges Römisches Reich (Deutscher Nation) – (Sacrum Imperium Romanum Nationis Germanicae) und an ihrer Wiederkehr zu erinnern. Am Morgen des 12. November 1898, um 6.00 Uhr, lichtete die Hohenzollern die Anker. Am 26. November 1898, war der Kaiser wieder in Potsdam.

Der Herausgeber der Beiruter Zeitung Lisan al-Hal, Khalil Sarkis, schrieb in ein Erinnerungsbuch aus Berichten seiner Zeitung die er zusammengestellt hatte, wurde dem Kaiser am 24. Dezember 1898 nach Berlin nachgesandt. Bei den Beiruter Hafenarbeiter blieb die Erinnerung an den Kaiser noch Jahrzehnte später in einem kleinen Lied wach: 

Tray, tray, tray – malik almani – tray, tray, tray – nizil al-mina – tray, tray, tray – zammarit zummeira”.  

(Übersetzung): Ein deutscher König fuhr zum Hafen hinab liess die Schiffssirene blasen.

1918, 20 Jahre nach dem Besuch des Kaisers, besichtigte der englische General Allenby, nach der englischen Besetzung des Nahen Ostens die Ruinen. Als er die zwei unübersehbaren Tafeln sah, befahl er sie zu entfernen und völlig zu zerstören, sagte, die Zeiten hätten sich geändert! Auf Bitten seines libanesischen Reiseführers, Michel Alouf, verzichtete er auf eine völlige Zerstörung und begnügte sich dann damit, die Namen von Kaiser und Kaiserin herauszumeiseln.

Seit 1975 auf Veranlassung von Hans-Christian Lankes, deutscher Archäologe, dass die Namen des Kaisers und seiner Frau wieder eingraviert werden, hängen die restaurierten Tafeln wieder am selben Platz im Bacchus Tempel, ohne den als Rahmen gedachte Spitze Giebel mit einem nach oben offenem Lorbeerkranz. Den wollte der Hotelbesitzer des Palmyra Hotel im Restaurant als Kundenfang behalten.

Kaiser Wilhelms linker Arm ist 15 Centimeter kürzer als der rechte Arm, daher wurde er generell, rechter Arm über den linken Arm fotografiert. Das hat mit der Geburt zu tun. (Siehe ERB’S PALSY oder ERB-DUCHENNE PALSY)

Kaiser Wilhelm II

Kaiser Wilhelm II. Bild in der Lobby des Palmyra Hotel in Baalbek, Libanon, fotografiert am 24.10.2010. Paul Kleinknecht (ich stehend) neben dem Kaiser.

william ii in palestine

Besuch von Kaiser Wilhelm II. In Jerusalem, 1898.

william grandson visit Jerusalem

Kaiser Wilhelms Urenkel besucht in 2008 Jersualem.

 

Weltkrieg I – 1914 – 1918:


Grossvater Wilhelm ist am 16.02.1908 in Beirut gestorben und wurde im evangelischem Friedhof in Beirut begraben.

Wegen der allierten Seeblockade und Lebensmittelversorgung der im Libanon operierenden deutschen, österreichischen und osmanischen Heeresverbände, führten zu Hungersnöten und Seuchen; es gab keine Arbeit für die drei Söhne, konnten die Schule nicht mehr finanzieren. Sie meldeten sich als Freiwillige bei der Deutschen Militärkommandantur in Beirut. Wurden kurz in dem Städtchen Rayak, in der Bekaa Ebene, zirka 55 Km östlich von Beirut ausgebildet. Unser Vater wurde nach Aleppo, Syrien geschickt, um mit deutschen, österreichischen und türkischen Armeetruppen im Asienkorps, gegen englische Armeetruppen zu kämpfen.

Libanons grösster Dichter, Schriftsteller, der mystische Gibran Khalil Gibran, als eine halbe Million Libanesen wegen Hungersnot in 1916 starben, die meisten waren Bewohner von Beirut, schrieb damals:

“Mein Volk starb vor Hunger, und
wer nicht verhungert war, wurde
mit dem Schwert geschlachtet; sie
kamen aus Hunger in einem Land,
das reich an Honig war. Sie starben,
weil die Vipern und Söhne der Vipern
Gift in den Raum ausspukten wo die
heiligen Zedern und die Rosen und
der Jasmin ihren Duft atmen”.

(Gibran Khalil Gibran)

atini al nay song

Schönes libanesisches Lied geschrieben von: Gibran Khalil Gibran. Musik: Najib Hankash.

Übersetzung:
Gib mir die Flöte und singe / Unsterblichkeit
liegt in einem Lied / und auch nachdem wir
zugrunde gegangen sind / die Flöte klagt weiter /
hast du Zuflucht in die Wälder gemacht / weg
von Orten wie ich / Bäche auf ihren Kurs gefolgt /
und die Felsen hoch geklettert. Hast du jemals in
Parfüm gebadet / und dich mit Licht getrocknet /
die Morgendämmerung als Wein getrunken / in
Weingläsern des Äthers verdünnt / gib mir dann
die Flöte und singe / das beste vom Gebet ist das
Lied / und selbst wenn das Leben zugrunde geht /
die Flöte klagt weiter / hast du eine Nacht verbracht /
wie ich es getan habe / zwischen Weinreben wo die
goldenen Leuchten hängen / hast du nachts im Gras
geschlafen / und den Weltraum als deine Decke sein
lassen / Enthaltung von allem was kommen wird /
vergesslich von allem was passiert ist / gib dann die
Flöte und singe / im Singen ist Gerechtigkeit für das
Herz / und auch nach jede Schuld ist umgekommen /
die Flöte jammert weiter / gib die Flöte und singe /
vergiss die Krankheit und ihre Heilung / Menschen
sind nichts als Linien / die auf Wasser gekritzelt sind.

Lyrik: Gibran Khalil Gibran
Musik: Najib Hankash

Ich möchte Gibrans berühmtes Gedicht zufügen: Pity The Nation: 

Khalil Gebran – The Garden of The Prophet

 

Übersetzung: Mitleid Mit Der Nation:



Mitleid mit der Nation die voller Glauben
und ohne Religion ist.

Mitleid mit der Nation, die Textilien trägt,
die sie nicht webt, Brot isst, das sie nicht
erntet, und Wein trinkt, der nicht aus der
eigenen Weinpresse fliesst.

Mitleid mit der Nation, die den Tyrann als
Held anerkennt, die den glitzernden Eroberer
für freigiebig hält.

Mitleid mit der Nation, die in ihrem Traum
eine Leidenschaft verachtet, sich aber in
ihrem Erwachen unterwirft.

Mitleid mit der Nation, die nicht ihre Stimme
erhebt, wenn sie in einer Beerdigung schlendert,
sich nicht nur unter ihren Ruinen rühmt und
nicht rebelliert, wenn ihr Hals zwischen dem
Schwert und dem Block liegt.

Mitleid mit der Nation, dessen Staatsmann ein
Fuchs ist, dessen Philosoph ein Jongleur ist und
dessen Kunst die Kunst zu flicken und nachzuahmen
ist.

Mitleid mit der Nation, die ihren neuen Herrscher
mit Trompeten begrüsst, und verabschiedet ihn
mit Pfeifen, nur um einen anderen mit Trompeten
wieder zu begrüssen.

Mitleid mit der Nation, deren Weisen mit der Zeit
dumm sind und deren starke Männer noch in der
Wiege sind.

Mitleid mit der Nation die in Fragmente zerlegt ist,
wobei jedes Fragment sich selbst für eine Nation hält.

(Dieses Gedicht wurde im Jahr 1934 veröffentlicht, was für uns in der heutigen Zeit sehr aktuell ist. Was für eine Prophezeiung!!)

(Gibran Khalil Gibran)

Gibran drückte den Wunsch aus, im Libanon begraben zu werden. Dieser Wunsch wurde 1932 erfüllt, als Mary Haskell und seine Schwester Mariana das Kloster Mar Sarkis im Libanon kauften, das später zum Gibran Museum wurde. Die Worte, die neben Gibrans Grab geschrieben wurden, lauten wie folgt:

Ein Wort, das ich auf meinem Grab sehen möchte: ich lebe wie Sie und ich stehe neben Ihnen. Schliessen Sie Ihre Augen und sehen Sie um, Sie werden mich vor Ihnen sehen”.

Geboren 6. Januar 1883 in Bsharre , Nord Libanon – gestorben am 10. April 1931 (im Alter von 48) New York City, USA.
Nationalität: Libanese
Beruf: Dichter, Maler, Bildhauer, Philosoph, Theologe, bildender Künstler.

Das bekannteste Werk Gibrans ist das Buch: Der Prophet. Es wurde 1923 veröffentlicht und seitdem millionfach verkauft. Gibran hat 25 Jahre an dem Buch gearbeitet.

 

Vater Albert als Soldat in Militäruniform im ersten Weltkrieg in Syrien

Albert, mein Vater, als Soldat in Militäruniform im ersten Weltkrieg in Aleppo, Syrien, 1915.

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Zertifikat für Albert Kleinknecht von der türkischen Regierung, während des Ersten Weltkrieges.

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Zertifikat für Albert Kleinknecht von der türkischen Regierung, während des Ersten Weltkrieges.

Urkunde des Eisernen Kreuzes 2. Klasse. 30.10.1918

Urkunde des Eisernen Kreuzes 2. Klasse, datiert 30.10.1918 für mein Onkel Theodor Kleinknecht, unterschrieben von Generalleutnant Liman von Sanders.

 

Sein erster Dienst war in Aleppo am “Baghdad-Bahnhof”einer der schönsten und grössten Bahnhöfe auf der Strecke “BBB (Berlin-Baghdad-Bombay) – Linie”, die so genannt wurde. Das Osmanische Reich hatte damals sehr gute Beziehungen zum kaiserlichen Deutschland gehabt. Somit bekam Deutschland den Auftrag eine Eisenbahnlinie von Istanbul nach Baghdad zu bauen und erreichte Aleppo 1908. Ende des Krieges war unser Vater in Süd Irak, geriet dort in Gefangenschaft. Man schickte ihn, deutsche, österreichische und türkische gefangene Soldaten nach Türkei, in ein Lager in der Nähe der Hafenstadt Izmir. Dort traf er seine zwei Brüder, Theodor und Adolf wieder.

Unser Vater konnte es im Lager nicht aushalten. Er versuchte seine zwei Brüder zu überreden, mit ihm mit einem auslaufendem Schiff nach Beirut zu flüchten. Sie haben seinen Vorschlag abgelehnt, um Risiken zu vermeiden.

Bagdad Bahn-Station in Aleppo während des Ersten Weltkrieges, wo Albert seinen ersten Militärdienst leistete

Baghdad Bahnhof in Aleppo, Syrien, während des ersten Weltkrieges, wo Albert (mein Vater) seinen Militärdienst leistete.

 

Immer, wenn mein Vater damals während seines Aufenthaltes in Aleppo frei haben konnte, ging er ins Hotel Baron, das älteste Hotel in der nordsyrischen Stadt Aleppo, um ein gutes Essen und einen Drink zu geniessen und Unterhaltung zu haben, welches in der Nähe vom Baghdader Bahnhof ist. Das Hotel Baron wurde 1909 vom Urgrossvater Krikor Mazloumian gebaut.

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Deutsche Soldaten während des Ersten Weltkrieges in Aleppo, Syrien. Hotel Baron im Hintergrund.

Deutsche Truppen im Orient Leben und Treiben vor der

Deutsche Militärmission in Aleppo. Syrien. Sommer 1917.

 

Alberts Flucht vom Türkischen Internierungslager – zirka 1919:


Unser Vater liebte Tiere. In Beirut hatte er einen Schäferhund, Kanarienvögel, Distelfinke, Haustauben und Hühner gehabt und züchtete Bienen. Vom Lager sah er einen Hund hinter dem Stacheldrahtzaun. Er lockte ihn mit etwas Lebensmittel ins Lager rein. Der Hund fand eine Lücke durch den Stacheldrahtzaun und konnte ins Lager rein. Albert war damals sehr schlank und dünn. Durch diese Lücke konnte er nachts unverletzt flüchten. Er ging zu Fuss zum Hafen heimlich rein, erkundigte sich welches Schiff nach Beirut auslaufen wird, ist abends heimlich in den auslaufenden Frachter eingestiegen und meldete sich beim libanesischem Kapitän, erzählte ihm seine Geschichte. Der Kapitän sagte ihm: “Du bist ein deutscher Held, Du bist bei mir willkommen und ich werde Dir helfen”. Nach paar Stunden Seefahrt in Richtung Beirut, wurde das Meer sehr stürmisch. Albert und der libanesische Schiffskapitän glaubten, dass das Schiff sinken wird. Albert fragte ihn, ob er leere Flaschen hat, um in die Flaschen Notsignale senden kann. Albert bekam paar Flaschen, schrieb auf einige Zettel folgende Zeilen in arabisch, französisch und englisch:

“Wer diese Flasche findet, möchte meine Mutter Bertha Kleinknecht, wohnhaft im Stadviertel Zeitune, Beirut, neben dem Friedhof, informieren, dass ihr Sohn Albert mit dem Frachter …………… auslaufend von Türkei am ………….. nach Beirut ertrunken ist”. 

Schiebte in jeder Flasche einen Zettel rein, drückte die Korkstöpsel in die Flaschen rein und schleuderte sie in Intervallen ins Meer. Der Schiffskapitän hat das auch gemacht.

Flucht vom Beiruter Hafen:


Als der Frachter in Beirut angekommen ist, musste Albert noch einmal flüchten, weil er wahrscheinlich keine Ausweispapiere hatte. Ist ausgestiegen, langsam zum Hafentor gegangen, wartete bis das Tor geöffnet wurde und rannte so schnell er konnte raus aus dem Hafen. Paar Hafenwächter haben ihn gesehen, rannten ihm nach, aber Albert war schneller. Rannte in Richtung Stadtzentrum, um mit der Strassenbahn zu seiner Mutter zu fahren. Die halbe Strecke musste er mühevoll bergauf rennen; sah ein Haus mit hoher Gartenmauer, das eiserne Gartentor war geöffnet, ging in den Garten rein, sah eine Frau im Garten arabisches Fladenbrot backen, sagte ihr auf arabisch:

“Ich war deutscher Soldat, interniert in der Türkei, bin von dort mit einem Schiff nach Beirut geflüchtet und will zurück zu meiner Mutter. Die Hafenwächter wollen mich fangen. Wo kann ich mich hier kurz verstecken”!

Das leere Fass als Tisch und Versteck:


Neben der Frau war ein Metallfass. Sie stand auf, entfernte vom Fassdeckel den Wassertonkrug und das gebackene Fladenbort, sagte ihm, verstecke dich unter dem Fass, stellte wieder den Wasserkrug und das gebackene Fladenbrot auf dem Fassdeckel. Das Fass hatte am anderen Ende keinen Deckel gehabt. Nach einer kurzen Zeit hörte die Frau das Geschrei der Hafenwächter. Sie fragten sie, ob sie einen geflüchteten Mörder rennen sah? Ihre Antwort war, dass er in nördlicher Richtung rannte. Als die Verfolger nicht mehr sicht- und hörbar waren, sagte sie ihm, jetzt kannst du von deinem Versteck raus. Wenn du Hunger hast, kannst du Brot und Käse essen und Wasser vom Tonkrug trinken. Albert hatte Durst und Hunger gehabt, nahm ein Laib arabisches Fladenbrot, trank Wasser vom Krug, sagte der Frau: “Ich werde dich nicht vergessen, werde bald mit meiner Mutter zu dir mit Geschenke kommen und mich nochmals bedanken”.

Fahrt mit der Strassenbahn entlang, Rue François Georges-Picot:


Albert musste in westlicher Richtung gehen, um die Strassenbahn im Stadtzentrum, Märtyrerplatz, zu erreichen, an einer Stelle, wo die Bahnlinie einen grossen Bogen macht und die Strassenbahnen langsamer fahren, um während der Fahrt einsteigen kann. Albert stieg vom vorderem rechten Eingang ein, sagte dem Strassenbahnfahrer, ich habe kein Geld. Der Fahrer schaute ihn komisch an, sagte ihm: “warum trägst Du so schäbige Kleidung an, Albert, kennst Du mich nicht mehr? Ich bin doch Euer Nachbar, Jreidini! Deine Mutter und Deine Schwester beten und weinen den ganzen Tag, weil sie seit Monate keine Nachrichten von Euch erhalten haben, Wo sind Deine zwei Brüder”? – “Sie sind noch in der Türkei, sie wollten nicht mit mir flüchten, sagte Albert”. Als sie an der Strasssenstelle angekommen sind, wo Albert aussteigen möchte, ist der Fahrer bewusst langsam gefahren, damit Albert während der Fahrt aussteigen kann und nicht an der nächsten Haltestation zu stoppen, die noch etwas weiter ist.

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Strassenbahn entlang, Rue Georges-Picot, Beirut, Libanon, c. 1925.

 

Alberts Ankunft bei seiner Mutter:


Endlich war er bei seiner Mutter. Klopfte an das eiserne Gartentor. Wer ist das, sagte seine Mutter auf arabisch (miin)? Er bettelte spasseshalber: ich habe Hunger, gib mir etwas zum essen und Geld. Seine Mutter hat seine Stimmer nicht erkannt: “Ich kann Dir nichts geben. Meine drei Söhne sind nicht hier, ich selbst habe nichts und arbeite nicht”. Er wiederholte das noch einmal, dann sagte er ihr: Mutter, hast du meine Stimme nicht erkannt? Ich bin dein Sohn Albert, öffne mir die Tür, bin sehr müde, will mich duschen und dann schlafen. Seine Mutter öffnete die Tür, küsste ihren Sohn den sie seit zirka 5 Jahre nicht gesehen hatte.

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Malerisches Stadtviertel Zeitune, Beirut, Libanon, wo Alberts Eltern wohnten. Bild c. 1925.

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Stadtviertel Zeitune, Beirut, Libanon, heute 2015. Jetzt genannt “Zeitouna Bay”.

 

Heirat unserer Eltern – 1926:


Am 13.02.1926 heiratete unser Vater in Beirut: Jamilé Melhem Mansour, Libanesin, von dem Städtchen Damour, zirka 20 Km südlich von Beirut, in der Maronite Church of Saint Elias.

Hochzeit von unseren Eltern. Albert Kleinknecht und Jamileh Mansour

Hochzeitsbild unserer Eltern. Albert Kleinknecht und Jamileh Mansour, 1926. Beirut, Libanon.

Maronitische Kirche des Heiligen Elias

Maronitische Kirche des Heiligen Elias. Beirut, Libanon.

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Meine Mutter Jamileh 1926. Beirut, Libanon.

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Foto im Sommer 1926 im Garten des Hauses im Zeitune Stadtviertel von Beirut, Libanon, wo unsere Großeltern wohnten. Links nach rechts: Meine Tante Klara, mein Onkel Theodor, mein Vater Albert, meine Mutter Jamileh und sitzend meine Großmutter Bertha.

 

Geboren sind in Beirut vier Töchter und vier Söhne:


  • Bertha Irmgard Kleinknecht       (am  21.11.1926)
  • Charlotte Irene Kleinknecht        (am  18.01.1928)
  • Roland Kleinknecht                    (unbekannt 1928) ist nach paar Monate gestorben, wurde im Evangelischem Friedhof, Beirut, neben Grossvater Wilhelm begraben.
  • Rudolf Walter Kleinknecht           (am  22.09.1930)
  • Anita Paula Kleinknecht               (am  08.11.1932)
  • Paul Heinz Kleinknecht                (am  10.02.1935)
  • Wolfgang Siegfried Kleinknecht    (am  10.12.1939)
  • Hilde Lore Kleinknecht                 (am  17.04.1941) Vater war damals schon in Deutschland.
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Familienbild Familie Kleinknecht, Sommer 1940. Beirut, Libanon. L –> R erste Reihe: Rudolf, Charlotte, Grossmutter Bertha, Paul (ich), Anita. Zweite Reihe: Albert, Mutter Jamile mit Wolfgang, Bertha. Fotograf: Alfred Daqqouni.

 

Zwischen Welkrieg I und Weltkrieg II arbeitete unser Vater in Beirut in der amerikanischen Petroliumfirma Socony Vacuum.

 

Vater Alberts Auto. Broumana 1926

Alberts Auto Fabrikat, CASE. Broummana, Libanon, 1926.

 

Vater Albers Auto Kaufvertrag

Alberts Auto Kaufvertrag vom 12.11.1926. Beirut, Libanon. Es gehörte dem deutschen Staatsbürger Herrn Kämpf.

 

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Zertifikat für Albert als Kfz-Mechaniker in 1922 für die Autos des ROYAL HOTEL, Beirut, vom 12. Mai 1927. Dieses Hotel gehörte vor dem I. Weltkrieg dem deutschen Staatsbürger, Herrn Ernst Gassmann, und hiess HOTEL GASSMANN.

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Links: Onkel Adolfs Frau Emeli Salloum. Rechts: seine Schwester Klara und sein Auto. Broummana, Libanon, 1928.

Einkauf unserer Wohnung – 1929:


Als unser Vater die Eigentumswohnung im Stadtviertel Mouseitbé am 20.03.1929  kaufte und die Möbel und die persönliche Sachen in die Wohnung transportiert hatte, inklusive ein grosses Radio, welches per Batterie operierte und umgezogen ist, bevorzugte er die Radiodrahtantenne an einem höheren Platz als das Dach unserer Wohnung zu installieren. Er fragte unseren Nachbar, Herr Yammout, dessen Haus höher ist als unser Haus, ob das möglich ist, um einen besseren Empfang zu bekommen. Der Nachbar akzeptierte und sagte auf arabisch wie es hier bis heute üblich ist: الجار قبل الدار  d.h. der Nachbar wird bevorzugt behandelt. Einige Nachbarn kamen zu uns, um Albert für den Einkauf der Eigentumswohnung zu gratulieren. Offensichtlich hatte damals niemand dort ein Radio gehabt so kamen sie, um zu sehen wie dieses Radio funktioniert. Mein Vater schaltete das Radio ein und die Nachbarn hörten Nachrichten, Musik und Unterhaltungen vom Radio. Als unser Nachbar Yammout das hörte, sagte er meinem Vater er möchte die Radioantenne vom Dach seines Hauses entfernen, weil er nicht möchte, dass Albert hört wie und was er mit seiner Frau im Haus und im Schlafzimmer sich unterhalten! Mein Vater musste die Antenne entfernen.

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Ein ähnliches Radio wie Alberts Radio.

 

Familienfoto – 1931:


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Von l –> nach R: Tante Klara, meine Schwester Bertha, meine Mutter, meine Schwester Charlotte. Bild in Beirut, Libanon, 1931.

 

Familienfoto – 1934:


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L –> R: Mein Vater Albert, Meine Mutter Jamileh, meine Schwester Bertha (Kind auf dem Trittbrett des Autos), meine Großmutter Bertha, meine Tante Klara, unser Dienstmädchen Hanne. Bild in Broummana, Libanon, im Herbst 1928.

 

Familienfotos – 1938:


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Firmenauto in der syrischen Wüste in 1938. Kind links: Paul (ich). Hinter mir unser Dienstmädchen Mhabbe. Erwachsene rechts: Tante Klara. An ihrer rechten Seite: unser Vater Albert mit Tropenhelm und unsere Mutter Jamile. Im Auto sitzt unser Gärtner Thomas, sein Sohn stehend zwischen meine Mutter und meine Tante.

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Bild in Zahle, Libanon, in 1938. Tante Klara. Der Mann mit Regenschirm, Familienfreund  Remy, der Mann rechts mit weisser Jacke, Onkel Adolf.

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Familienbild im Garten vor dem Hauseingang, Beirut, Libanon, in 1938. L –> R erste Reihe: Paul (ich), meine Schwester Anita. Zweite Reihe: Meine Schwester Charlotte, mein Bruder Rudolf, meine Schwester Bertha. Dritte Reihe: Grossmutter Bertha, unsere Mutter Jamileh, unser Vater Albert.

 

Unser Dienstmädchen Mhabbe mit Baby Paul auf ihre Schultern und Hund in den Garten

Unser Dienstmädchen Mhabbe mit Baby Paul (ich) auf ihre Schultern und Vaters Hund, Tiger, im Garten unseres Hauses in Beirut, Libanon, 1938.

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Zusammengehen zur deutschen Schule. Links nach rechts: Mein Bruder Rudolf, meine Schwester Charlotte, Paul (ich), meine Schwester Anita, meine Schwester Bertha, hinter uns meine Mutter Jamile und im Hintergrund unsere Magd, Mhabbe. Photo vor der Gartentür unseres Hauses in Beirut, Libanon, 1938.

 

Weltkrieg II und die Abreise der 3 ältesten Geschwister – 1939 – 1945:


Berta (auf dem Boden sitzend) in der deutschen Schule in Beirut.1938

Berta (auf dem Boden sitzend) in der deutschen Schule in Beirut, Libanon, hinter dem Sanaya-Stadtgarten im Sommer 1939 mit Klassenkameradinnin.

Mit dem ersten Convoy am 6. November 1940 schickte die deutsche Botschaft zirka 15 deutsche Staatsbürger per Lastkraftwagen nach Ankara, Türkei, zur deutschen Botschaft, einschliesslich meine drei älteren Geschwister, Bertha, Charlotte, Rudolf, und von dort per Zug nach Stuttgart.

Mein Vater schickte sie nach Deutschland, weil er wünschte, dass seine Kinder deutsch erzogen werden und in Deutschland eine bessere Schulausbildung haben können als in Beirut. Mutter war mit dieser Reise nicht einverstanden. Sie wollte nicht, dass ihre Kinder von ihr entfernt werden, besonders Rudolf, da er noch sehr jung war (9 Jahre) und benötigt besondere Sorgfalt und Liebe von einer Mutter. Aber Mutter konnte Vater nicht hindern sie nicht zu schicken, da er sehr streng und authoritär war. Das war der Beginn des Risses zwischen meiner Mutter und mein Vater.

  • Bertha wurde bei Familie Mathilde und Hugo Bofinger, Rosenbergstrasse 60, Stuttgart – W., aufgenommen.
  • Charlotte bei Familie Gertrude Kälble, Löchgauersteige 21, Besigheim A/N.
  • Rudolf bei Familie W. Braun, Dischingerweg 13, Stuttgart, Weilimdorf

Sie lebten mit ihren jeweiligen Familien bis sie erwachsen waren, fanden Arbeit und fingen an selbständig zu sein. Die drei Geschwister waren von Zeit zu Zeit mehrere Jahre in Kontakt miteinander, da sie in der Region Stuttgart wohnten.

Gelernt haben wir in Beirut in der deutschen Schule, die in der Nähe unserer Eigentumswohnung war, gegenüber dem Sanaya-Stadtgarten.  

Meine Schwester Charlotte, als Pflegetochter bei der Familie Kälble von 1940 – 1945:


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Auszug aus dem Buch des Bürgermeisters der Stadt Besigheim, Herr Karl Fuchs, im Jahre 1945 über die Eroberung Besigheims, durch Franzosen, Marokkaner und Tunesier, während des Zweiten Weltkrieges.

Charlotte letter 1

Charlottes Hausaufgabe für die Schule, in der Stadt Besigheim, um ihre deutsche Sprachkenntnisse zu prüfen. Die französische Mandatsregierung in Libanon hat den deutschen Unterricht in der deutschen Schule verboten.

Charlotte letter 2

Charlottes Hausaufgabe für die Schule, in der Stadt Besigheim, um ihre deutsche Sprachkentnisse zu prüfen.

 

Alberts Internierung in Libanon – 1940:


Als der deutsche Frankreichfeldzug am 10.05.1940 anfing, wurde unser Vater und alle wehrfähige deutsche Männer in Libanon von den Franzosen in der italienischen Mädchenschule Scuola Italiana Femminile, in Beirut interniert, die in der Nähe unserer Eigentumswohnung war. Als die Vichy-Franzosen, Libanon und Syrien regierten, wurde die Internierung der deutschen und italienischen Staatsangehörigen aufgehoben. Als 1941 die Vichy-Regierung in Libanon, durch freifranzösische und englische Truppen, die von Palästina ins Land einmarschierten besetzt haben, wurde die Vichy-Verwaltung abgesetzt. Die Deutschen verliessen entweder das Land oder wurden erneut interniert. Unser Vater wurde im Internierungslager Mieh ou Mieh, in Süd Libanon interniert, welches seit 1948 ein Lager für palästinensische Flüchtlinge geworden ist. Als unsere Mutter unseren Vater das erste Mal im Mieh ou Mieh Lager besuchte, fragte er sie, ob sie sich um seine Singvögel, Tauben und seinen Hund kümmert. Er bat sie beim nächsten Besuch zwei Käfige mit Kanarienvögel und Distelfinke und Futter für die Vögel mitzubringen, was sie beim nächsten Besuch gemacht hat.

 

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Die italienische Mädchenschule (Scuola Italiana Femminile) in welcher unser Vater und alle lebende wehrfähige deutsche, österreichische und italienische Männer in Beirut, Libanon, im Jahre 1940 interniert wurden. Diese Schule wurde von der italienischen Regierung 1927 gebaut. Diese schöne Schule existiert nicht mehr.

 

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Gemälde des Lagers Mieh ou Mieh, wo mein Vater und alle lebende wehrfähige deutsche, österreichische und italienische Männer nach der Internierung in der italienischen Mädchenschule während der Jahre 1940/1941 interniert wurden. Gemälde des deutschen Malers Erich Lehr, der auch in diesem Lager im Osten der Stadt Saida interniert war. Dieses Bild ist eine Kopie vom original Bild von Herrn Erich Lehr von 1942, welches ein Erinnerungsgeschenk von Herrn Lehr an seinem libanesischen Gefährte im Lager war, dem Vater unseres Optikers, Herr Antoine Bechir, OPTICA Beirut, weil er bei Ankunft im Beiruter Flughafen während eines Besuches in Nazi Deutschland in 1941, der libanesische Sicherheitsdienst, den Ausreisestempel mit dem Hakenkreuz in seinem libanesischem Reisepass vom deutschen Abflughafen, festgestellt hat.

 

Zweite Evakuierung der deutschen Staatsbürger und Albert’s Abreise nach Deutschland – 1941:


Anfang 1941 organisierte die Deutsche Botschaft Beirut die Evakuierung der lebenden Deutschen in Libanon nach Deutschland, die das Land verlassen wollten. Mit dem zweiten organisierten Convoy der deutschen Botschaft nach Deutschland reisten: Albert, seine zwei Brüder Theodor und Adolf, die blinde Frau von Onkel Adolf, Emeli Salloum, Libanesin, nach Stuttgart. Grossmutter, Tante Klara und die Frau meines Onkles Theodor, Linda Hilana Zeidan, Libanesin, und ihre Söhne Manfred und Helmut, sind in Beirut geblieben. Weil sie nicht mitgereist sind, war unsere Mutter vielleicht ermutigt auch nicht mitzureisen, – oder Vater wollte uns nicht mitnehmen – unsere Mutter mit drei Kinder; Anita, Paul (ich) und Wolfgang, weil sie mit meiner Schwester Hilde schwanger war, wollte nicht nach Deutschland mitreisen, wo der Krieg ausgebrochen ist. Als Vater sich verabschiedete sagte er unserer Mutter, dieses Mal gewinnt Deutschland diesen Krieg in kurzer Zeit und komme dann nach Beirut mit unseren drei Kindern zurück. Albert kehrte nach Beirut nur einmal in 1973 zurück, nach 33 Jahren. Albert konnte Bertha, Charlotte und Rudolf ab und zu besuchen, da sie alle in der Nähe von Stuttgart wohnten. Jedoch lebte Albert ganz alleine in Wannweil. Unten zwei Bilder von ihnen in Deutschland, c. 1944 und 1952.

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L –> R: Meine Schwester Charlotte, Vater Albert, meine Schwester Bertha, mein Bruder Rudolf. Familienbild in Deutschland zirka 1944.

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L –> r: Meine Schwester Bertha, mein Vater Albert, meine Schwester Charlotte, mein Bruder Rudolf. Familienbild in Deutschland, c. 1952.

 

Bombardierung der Joseph Joffre Kaserne, in Rue Verdun, Beirut – 1941:


Vor unserer Internierung in Palästina, waren wir im Wohnzimmer, es war warm und schwül. Wir hörten ein Flugzeug mit anderem Motorgeräusch als Passagierflugzeuge über unser Haus fliegen, hörten nach 1 oder 2 Sekunden zwei gewaltige Explosionen. Die Militärkaserne, die zirka 400 Meter östlich von unserem Haus entfernt ist, wurde von ein italienisches oder deutsches Kriegsflugzeug bombardiert. Ich bin eine gewisse Zeit ohnmächtig geworden. Als ich aufwachte hörte ich meine Mutter sagen: “Warum hat mein Sohn ein blaues Gesicht und blaue Füsse? Jetzt verliere ich auch meinen zweiten Sohn”.  Onkel Tanios, Mutters Bruder war bei uns. Er ging schnell in die Küche, füllte eine Schüssel mit kaltes Wasser, schüttete das Wasser auf mein Gesicht und meinen Körper. Das hat vielleicht geholfen. Als ich aufwachte merkte ich, dass meine Mutter mein Hemd und meine Hose ausgezogen hatte und trocknete mit einem Handtuch meinen Körper. Seit unserer Kindheit hören wir Kanonendonner!  

Internierung in Palästina – 1941:


Im Mai 1941 wurden wir fünf; meine Mutter, (ich) Paul und meine drei Geschwister vom libanesischem Sicherheitsdienst in unserer Eigentumswohnung in West Beirut, mit grober Gewalt festgenommen, unsere deutsche Personalausweise sichergestellt und in die Beiruter Hafenquarantäne transportiert. Man sagte meiner Mutter, ihr seid Deutsche, Feinde von Frankreich und Libanon, ihr seid ab sofort interniert. Wir durften nur Kleidung, Handtücher, Bettdecken und Lebensmittel mitnehmen. Wir fünf sassen in einem Militärfahrzeug vor unserer Eigentumswohnung in Beirut und die libanesischen Sicherheitsbeamten fingen an wie Indianer zu plündern. Alles was leicht, klein und wertvoll war haben sie in Leintücher verpackt und mitgenommen! Sie sprachen laut: besorgt uns noch Bett-Tücher! (اعطونا شراشف, اعطونا شراشف) – Es fehlte das Indianer Beutegeschrei der weissen Indianer, in amtlichen Uniformen!  “Die Beschützer der Nation sind Diebe geworden”!  Auf arabisch: حاميها حراميها).  Der libanesische Kommissar sagte: “der Löwe bekommt die Beute und nicht die Hyäne”! (Das ist ein altes arabisches Sprichwort). Nach der Internierung besuchte meine Mutter den Kommissar in Beiruts Vorort Hadath, wo er wohnte. Seine Frau teilte meiner Mutter mit, dass er gestorben ist. Im Wohnzimmer sah meine Mutter ein Teppich der uns gehörte. Mutter sagte ihr das ist ein schöner und wertvoller Teppich. Seine Frau antwortete: “den hat mein Mann geschenkt bekommen und viele andere Geschenke bekommen, weil er treu und ehrlich im Dienst war und viele Leute geholfen hat”. Das hört man noch heute so vom faulen, korrupten, dummen, bestechlichen, autoritären Beamtentum!

Hafenquarantäne – Beirut:


In der Hafenquarantäne hat man uns in einer grossen Halle mit deutsche, italienische und österreichische Familien, die auch interniert wurden untergebracht. Als die französische Behörde alle Deutsche, Italiener und Österreicher, die in Libanon, Syrien, Zypern, Malta, lebten gefangen hatte, transportierte man uns per Bus nach Palästina. Meine Grossmutter wurde nicht interniert, vielleicht wegen fortgeschrittenes Alter, die damals bei ihrem Sohn Theodor und seiner Frau Linda Zeidan in ihrer Wohnung wohnte, in der Nähe der Patriarchal Schule im Stadtviertel Mouseitbeh, und dort geblieben ist, nachdem ihr Sohn Theodor, nach Deutschland reiste und nachdem Linda Zeidan Kleinknecht, im Mai mit ihre Söne Manfred und Helmut, in Palästina interniert wurden, um mit der Schwester von Linda Zeidan, Alice Ayoub Zeidan, in ihrer Wohnung zu wohnen.

Templerkolonie Sarona von Mai 1941 bis 1944:


Wir sind abends ins Internierungslager Sarona – “Camp 4” – inmitten einer Wildnis, umgeben von zirka 4 Metern hohem Stacheldrahtzaun und Wachtürme angekommen. Die Tor- und Turmwächter waren jüdische Polizisten. Man lieferte uns dem englischen Lagerkommandant aus. Er sass im Erdgeschoss einer Templerwohnung, die eine lange Veranda hatte. Er trug kurze Khaki Short Hose an: Khaki Hemd mit kurze Ärmel, gross, rote Haare und rotem Schnurrbart, wie eine Zahnbürste. Er sass hinter einem kleinen, wackeligen Holztisch. Als er uns sah, stand er auf, blickte auf uns zu, klopfte mit seine Finger auf seine grosse weisse Zähne, war sehr schockiert und sagte:  “Auch Kinder werden von libanesischer Behörde interniert”?  Die libanesischen Polizisten gaben dem englischen Offizier den Lieferschein der gebrachten Internierten, damit er den Empfang unterzeichen und stempeln möchte. Er unterschrieb und stempelte den Lieferschein. Mutter sagte dem englischen Offizier, dass sie keine Milch und Lebensmittel für ihre Kinder hat. Er sagte ihr, wir schicken Ihnen gleich Milch und Lebensmittel zu, und das wird so täglich mit Lebensmittel sein.

 

(1 von 2): Britische Lagerkommandantur in Sarona, Palästina,  1941. Dieses Haus gehörte Herrn Immanuel Steller.

2 von 2): so sieht heute die damalige britische Lagerkommandantur aus. Sarona, Palästina.

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Luftaufnahme von Sarona, Palästina, 1937.

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Sarona Landkarte. Der Stacheldrahtzaun um Sarona, Palästina, ist ersichtlich.

 

Die Palästina Deutschen in den Sieben Templer Kolonien nach dem zweiten Weltkrieg:


Als 1939 der zweite Weltkrieg ausbrach, war es für die Briten endlich klar, was mit den internierten Deutschen in den Templer Kolonien in Palästina geschehen sollte. Die für den Militärdienst wehrfähigen Männer wurden in einem Gefängnis in Akko, in der Nähe von Haifa, interniert. Die britische Mandatsregierung deportierte viele Templer von Sarona und Wilhelma in das Lager “Tatura”, in Australien, und legte Stacheldrahtzäune um Sarona und Wilhelma, enteignete ihre Kolonien, verkaufte ihr Land. Die Deutschen blieben bis 1947 in Australien im Internierungslager “Tatura”, in Victoria interniert. Trotz ihrer Internierung feierten sie am 20. April 1945, Hitlers Geburtstag, da sie noch glaubten, Deutschland würde den Krieg mit neuen Vergeltungswaffen gewinnen. 1948 verliessen die letzten schwäbischen Häusle-Erbauer ihre Häuser an Bord des Dampfers “Empire Comfort” nach Zypern. Australien war grosszügig, bot den Deutschen an, im Land zu bleiben und sich nach ihrer Freilassung zu integrieren. Die Australier sagten den Deutschen: “Sie haben Euren Kaiser Wilhelm vergessen, vergesst jetzt Euren Führer Adolf Hitler und seine Hakenkreuzfahnenschwenker und seine Bibel, “Mein Kampf”, vergesst Antisemitismus und kehrt zur wahren Christi Bibel zurück. Es war falsch von Euch mit diesem Nazialbtraum, bleibt hier bei uns, wenn es Euch hier gefällt, schenken wir Euch die australische Nationalität. Wir haben hier genug Bier, Wein, Sekt, Schinken, Wurst, Kalb- und Schweineschnitzel in unseren Kühlschränken, Schwarzwälder Kirchtorte und viele Arbeitsmöglichkeiten für Euch, denn Ihr seid ausgezeichnete Facharbeiter im industriellen Bereich”. Die meisten der hochmütigen Palästina Deutschen mit ihre Slogans: Blut, Boden, Rasse, als gottgegebene Wirklichkeiten, deutsche überlegene Rasse, Antisemitismus, Arier über alles, nahmen das Angebot gerne an, anstatt in die jetzt in Trümmer und Asche liegende Heimat zu gehen, bevorzugten sie Strände, Schwimmbäder, Sonne und angenehmes Wetter alle Jahreszeiten, in Australien, das gastfreundliche und traditionsreiche Land, im Land der Parität zu bleiben.

Die Regierungen Australiens und West Deutschlands arbeiteten zehn Jahre lang zusammen, bevor der Staat Israel 1952 einwilligte, die deutschen Flüchtlinge für ihre vier ländlichen Dörfer und ihre drei städtischen Besitzungen der Templer in Palästina zu entschädigen. Ein führender Agrarökonom von der Stanford Universität bewertete die Templer Bestände, einschliesslich aller Immobilien, ihre Häuser und landwirtschaftliche Gebäude, Obstgärten, Wälder und Weinberge, bis hin zu den Hühner- und Schweineställe.

1962 – zehn Jahre später – zahlte die israelische Regierung 54 Millionen Deutsche Mark an West Deutschland für die “Deutschen Eigentümer” in Israel, das den vertriebenen und enteigneten Templer gehörte. Ein Teil davon wurde in das Commonwealth of Australia transferiert.

Afrikakorps und General Erwin Rommel 1941 – 1943:


Unsere Mutter hatte weisse Tuchvorhänge an die westlichen Fenstern des Hauses (Nr. 91) wo wir wohnten aufgehängt, um am Nachmittag den Sonnenschein und die Hitze zu vermeiden. Nach paar Tagen kam ein englischer Beamter zu uns, sagte meiner Mutter, sie soll die weissen Tuchvorhänge entfernen, da dies aus Sicherheitsgründen verboten ist, weil feindliche Kampfflugzeuge das Internierungslager Sarona lokalisieren können. Wahrscheinlich hatten die Engländer, mit den anfänglichen grossen militärischen Erfolge von General Erwin Rommels Panzerarmee, der in 1942, in Nordafrika drohte, schon in der Nähe von El Alamein war,  (Oase in der östlichen libyschen Wüste)  wie eine Flutwelle durch Ägypten zu brechen und Palästina einzunehmen Angst gehabt. Schwarze Tuchvorhänge sind erlaubt, sagte der Beamte!

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Generalfeldmarschall Ervin Rommel, der Wüstenfuchs. Vielleicht die berühmteste Militärpersönlichkeit der Welt und ein vom deutschen Volk geschätzter Mann.

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Sarona Landkarte. Wir wohnten in dem Haus Nr. 91, in der ersten Etage. Familie Uhlmann, wohnte im Erdgeschoss. Guentners Kaffe Haus nebenan Nr. 21, Sarona, Palästina.

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Sarona Kartenlegende.

 

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Wachturm in Sarona, Palästina. Man kann den Stacheldrahtzaun sehen.

 

Mandatsgebiete:


Nach dem ersten Weltkrieg waren Libanon und Syrien französische Mandatsgebiete; Libanon französisches Mandatsgebiet bis 1946, Palästina britisches Mandatsgebiet bis 1948.

Templerwohnung Sarona:


Nach dieser langen, anstrengenden Reise, quartierte man uns in einer ehemaligen unbewohnten Templer Wohnung in der ersten Etage ein. Die Eigentümerin, Helene Köper, (Günthner) ist kurz vor Ausbruch des Krieges mit Familie nach Australien gereist und konnte nicht mehr zurück. Im Erdgeschoss wohnte das Ehepaar Uhlmann, ohne Kinder. Herr Karl Ludwig Uhlmann war blind! In Sarona gab es damals schon Strom und asphaltierte Strassen. Wir wunderten uns über die Glühbirnen in der Wohnung! Wir wohnten damals am östlichen Stadtrand Beiruts, hatten keinen Strom gehabt. Die Wohnung in Sarona war in der Nähe des Schwimmbades. Die Frau unseres Onkels Theodor, Linda Zaidan, Libanesin, war auch im Bus mit uns mit ihre Söhne Manfred und Helmut und auch unsere Tante, Klara Kleinknecht.

Die Mission der Württembergischen Templer in Palästina von 1860 bis 1948: (Die Schwaben im gelobten Ländle)


Der Gründer und Theologe der Templer Sekte, Christoph Hoffmann, wurde am 2. Dezember 1815 in Leonberg, im Königreich Württemberg, geboren. Diese Templer Sekte ist zwischen 1860 und 1870 in das Heilige Land übrsiedelt. Christoph Hoffmann starb am 8. Dezember 1885 in einem Ort nahe der Altstadt von Jerusalem, bekannt als das Tal von Rephaim, und wurde dort im deutschen Friedhof begraben, der noch existiert. Christoph Hoffman strebte danach, den Hintergrund für das Zweite Kommen Jesu Christi vorzubereiten und zu ermöglichen und die im christlichen Glauben verankerte Erlösung herbeizuführen. Die Templer glaubten, dass die Erlössung im Heiligen Land erreicht werden könnte, wo sie ein Modell des idealen Lebens durch die Bildung produktiver Bauerngemeinschaften aufrechterhalten wollten. Sie haben sieben Deutsche Kolonien neben bestehende Städte im Heiligen Land, wie Haifa als Bauernkolonie errichtet. Sie bauten später weitere Bauernsiedlungen von Templern der zweiten Generation wie: Jaffa, Sarona, Jerusalem, und Orte mit kreative Namen wie Wilhelma, Waldheim, Bethlehem.

Ein vergessenes Geheimnis in Jerusalems deutscher Kolonie:


Versteckt hinter einer hohen Steinmauer ist eines der letzten Dinge, die man in der westlichen jüdischen Seite von Jerusalem erwarten würde: ein gut gepflegter Friedhof mit vielen Gräbern, alle Deutsche und viele von ihnen beherbergen die Überreste von Frauen und Männer, die bei dem Gedanken an einen jüdischen Staat in Palästina, Platz in diesen Gräber fanden.

Dies ist der Friedhof der Templer, einer deutschen protestantischen Sekte, die in den 1860ger und 1870ger Jahren ins Heilige Land zog, ein oder zwei Jahrzehnte bevor die Zionisten ihre erste Migration ins osmanische Palästina machten und bevor die Stadt Tel Aviv existierte. Die Templer hatten Deutschland wegen der Verfolgung ihres Glaubens verlassen, um eine Gesellschaft zu gründen, die den Wiederaufbau des jüdischen Tempels vorantreiben sollte. Dies war notwendig, weil die Anhänger an das zweite Kommens Jesu Christi und an die Ankunft des Paradieses auf Erden glaubten.

Sie liessen sich in einem Gebiet nieder, etwa ein Kilometer von der Altstadt von Jerusalem entfernt, bekannt als das Tal von Rephaim. Dort bauten sie ein- und zweigeschossige Steinhäuser nach dem Vorbild der deutschen Häuser im Königreich Badenwürttemberg, die sie verlassen haben. Viele dieser robusten Steinstrukturen blieben in dem Gebiet, das einfach als Deutsche Kolonie bekannt ist, gut erhalten.

Aber der Templer Friedhof ist eine völlige Überraschung. Hinter dem verschlossenem Tor befindet sich das Grab des Gründers Christoph Hoffmann, geboren am 2. Dezember 1815 in Leonberg, im deutschen Königreich Württemberg, und die Leichen der frühesten Bewohner, die im späten 18. Jahrhunderts starben. In prominenter Position steht das Denkmal der 450 Templer, die hier oder in den anderen sechs Templer Bauernkolonien gelebt haben; Haifa, Jaffa, Sarona, Wilhelma, Waldheim, Bethlehem, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg, für Deutschland kämpften und ihr Leben für Deutschland gaben..

Die verstorbenen Templer Männer kämpften im Krieg von 1914-18 für die Osmanen und Deutschland, die mit Deutschland verbündet waren gegen die Briten, die 1917 in Jerusalem einmarschierten. Im Krieg von 1939-45 hatten die Templer Männer für Nazi Deutschland, gegen die Allierten gekämpft. In der Tat hatten die Templer des britischen Mandats Palästina schon vor 1939 ihre Ünterstützung für die Nazis Adolf Hitlers, deutlich gemacht. Als der zweite Weltkrieg ausbrach, befahlen die britischen Behörden in Palästina den Bewohnern der deutschen Kolonien, in ihren Kolonien interniert zu werden und deportierten die meisten von ihnen nach Australien. Ihre schönen Steinhäuser und alle anderen Besitztümer wurden von Israel konfisziert.

 

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Deutscher Friedhof in Jerusalem mit 450 Tote.

 

Für die Templer, sowohl religös als auch politisch, waren die Juden nur ein Mittel zum apokalyptischen Ende der Templer. So müssen die Nachkommen der Frauen und Männer, die im Friedhof in Jerusalem begraben sind, überrascht sein, dass der Friedhof intakt und gut gepflegt ist, in einer Strasse, in der jeden Tag Tausende von Juden vorbeigehen.

Mit einer beträchtlichen Portion Fanatismus blickten die Palästina Deutschen auf die arabischen und jüdischen Fellachen herab, die für sie nur das Brot der Faulheit assen!

Deutsches Afrikakorps (DAK) 1941-1943:


Unser Vater; weil er arabisch, deutsch, englisch, französisch und etwas türkisch beherrschte, wurde nach Afrika mit dem Afrikakorps geschickt und war dort in der Dollmetscherabteilung tätig. Dort traf er seinen jüngeren Bruder Adolf, der auch in der Dollmetscherabteilung tätig war, weil er auch diese Sprachen beherrschte.

Linda Kleinknecht geborene Zeidan:


Linda Kleinknecht, Frau meines Onkels, durfte Ende 1942 mit ihre zwei Söhne nach Stuttgart zu Ihrem Ehemann reisen, wegen Austauschabkommen. Ihre Söhne Manfred und Helmut (damals zirka 8 und 10 Jahre alt) sind kurz nach ihrer Ankunft in Deutschland durch Allierte Bombardierungen gestorben. Habe den vorläufigen Reiseausweis von Theodor und Linda, an Stelle eines Passes, ausgestellt von der Militärregierung für Deutschland am 21.09.1948. Beide sind mit dem Schiff von Marseille am 18.12.1948 abgereist und sind am 27.12.1948 in Beirut angekommen.

Vorläufiger Reiseausweis. Linda und Theodor Kleinknecht

Vorläufiger Reiseausweis für Linda und Theodor Kleinknecht, ausgestellt am 21.09.1948.

Abfahrt von Marseille

Abfahrt von Marseille nach Beirut, am 18.12.1948. Ankunft in Beirut am 27.12.1948

 

Grossmutter kommt zu uns nach Sarona – 1943:


Unserer Grossmutter wurde es langweilig bei der Familie Ayoub in Beirut. Sie entschied sich zu uns und ihre Tochter ins Internierungslager zu kommen. Sie reiste von Beirut per Zug nach Jerusalem. Am Abend, 10 Dezember 1943, ist sie im Lager Sarona angekommen und wohnte bei uns, und nicht bei ihrer Tochter Klara.

 

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Anitas Klassenkameradinnen und Kameraden, Lehrerinnen und Lehrer in Sarona, Palästina. L –> R Kinderreihe: 4 Josef Klotz, 5 Walter Groll, 6 meine Schwester Anita. Hintere Reihe, 4 wahrscheinlich unser Turnlehrer Leon Fuchs, 5 Probst Dr. Johannes Döring, April 1943. (Auf der Rückseite dieses Fotos sind 2 Stempel gestempelt; einer in englisch und einer in deutsch: Approved military photographer no 12.  Nicht versendbar!)

 

Erinnerungen in Sarona:


In Sarona kann ich mich an folgende Ereignisse erinnern:

  • Laute Explosion in Sarona beim Rathaus Mitte 1943.
  • Links neben der Wohnung gab es eine Cafeteria, wo man einiges essen und  trinken konnte. Am 20.07.1944 waren wir gegen Mittag in dieser Cafeteria.  Mutter bestellte unser Lieblingskuchen mit Datteln (Brioche) und Lebkuchen, kalte Milch und Sprudel. In dieser Cafeteria konnte Mutter Nachrichten in arabischer Sprache von Radio Berlin und BBC (British Broadcasting Corporation) hören. Es gab Musik, einige Paare tanzten. Plötzlich wurde die Musik unterbrochen, hörten per Radio Nachrichten in arabischer Sprache vom Rundfunksender Berlin, gesendet von dem damals in den arabischen Ländern berühmten irakischen Nachrichtensprecher und Journalist, Younis Elbahri, über das gescheiterte Hitler Attentat in der Wolfsschanze in Rastenburg, als die Bombe um 12:42 P.M. explodierte, die der Offizier, Claus Stauffenberg, in seiner Leder Aktentasche trug, sie unter dem massiven Eichentisch im Führerquartier, stellte. Die Operation Valkyrie, um Hitler zu ermorden scheiterte und Hitler überlebte mit geringen Verletzungen. Die Nachrichten in arabischer Sprache fingen wie üblich wie folgt an: “!هنا برلين! هنا برلين! حي العرب! حي العرب” –  “Hier ist Berlin! Hier ist Berlin! Es lebe die Araber! Es lebe die Araber”! Diese Anrede hörten die Araber damals von ihm sehr gern! Younis Elbahri war am Mikrophon Berlin von April 25, 1935, seit der Premiere des neuen Funkdienstes bis April 30, 1945, nachdem er seinen Weg aus den Trümmern der zerstörten Stadt machen konnte, raus aus dem Land und zurück nach Beirut. Die Palästinadeutschen feierten noch einmal am 20.04.1945 Hitlers Geburtstag, wo sie voller Hoffnung im Hinterland auf den Endsieg glaubten!!

 

Mutter, Anita und Paul in der Cafeteria

Mutter, Anita und Paul (ich) in der Cafeteria Günther in Sarona, Palästina, Juli 1944. Hinter diesem Busch war das Haus wo wir wohnten. Fotografen durften in Sarona und Wilhelma keine Häuser fotografieren. Der englische Militärdienst hatte wahrscheinlich von einer kleinen Kamera Angst gehabt.

 

Hier versammellten sich viele Deutsche, um von Kurzwellenradios, mit grossem Interesse den politischen und Kriegerischen Ereignissen in Deutschland zu folgen. Sie hörten mit Andacht den Reden von Hitler, Göbbels, Göhring und Hess. Für manche waren Hitlers Reden im Rundfunk wie ein waher Gottesdienst. Den Frauen wurden die Augen nass! Schon vor dem 20. Juli 1944 hörte ich in der Schule in Sarona und Wilhelma und von den Eltern meiner Schulfreunde viel über Adolf Hitler. Ich war damals zu jung, um zu verstehen, warum er und andere deutsche Führer wichtig waren. Erst später habe ich das verstanden. Deutschland ist das Land: Beethovens, Fallerslebens, Goethes, Kants, Hölderlins, Luthers, Cranachs, Holbeins, Kleists, Hebbels, Karl Mays, Manns, Hesses, Nietsches, Wagners, Schillers, Orffs, Dürers, Menzels, Röntgens, Diesels etc., nicht Hitlers Land. Auch die Heimat von Musik, Poesie, Literatur, Philosophie, Theologie, Toleranz, Religionsfreiheit, Religionsgemeinschaften, tiefe Geschichte, Wissenschaft, Industrie, Erfindungen, Medizin, Chemie, Physik, Literatur, Autos, Prominente Formel-1 Helden, Fussball- und Tennisspieler, Autobahnen, Flugzeuge, Hubschrauber, Zeppeline, Schiffe, U-Bote, Raketen. Auch Nobelpreisträger in Physik, Chemie, Medizin, Literatur, Friedensnobelpreisträger. 

                                  

  • Ein Bild mit Mutter, ich und meine Schwester Anita habe ich. Hinter dem Busch wohnten wir. Links war die Cafeteria.
  • Unser Bruder Wolfgang und unsere Schwester Hilde wurden in Sarona vom evangelischen Probst Dr. Johannes Döhring am 11.01.1942 getauft und nicht in Beirut. Ihre Taufscheine habe ich nicht. Templerkinder wurden nicht getauft, und die Templer hatten kein Priestertum und keine Kirchen. Als mein Bruder Wolfgang und meine Schwester Hilde in der evangelischen Kirche in Sarona getauft wurden, fragte ich meine Mutter, warum der Herr in der Kirche kaltes Wasser auf ihre Köpfe schüttete. Ich war damals 7 Jahre alt, verstand nicht was Taufe bedeutete.
  • In Sarona hatten die Templer vor ihren Häusern schöne Blumengeschmückte Vorgärten und Gartenlauben gehabt. Beim Schwimmbad gab es Guavabäume, deren Früchte Birnen und Äpfel ähneln, die wir gepflückt und gegessen haben. Schmecken sehr gut! Sarona war mehr bepflanzt als WilhelmaIch kann mich auch an immergrüne Tannen-, Palmen-, Weide-, Zypressen-, Feigen-, Orangen-, Zitronen-, Olivenbäume erinnern. Auch Mandelbäume, Reben und Bananenpflanzungen. Die Araber nannten die Palästinabananen (Abunoqta ابونقطه). Das bedeutet mit schwarze Punkte oder schwarze Flecken. Schmecken besser als die Bananen von Afrika und Amerika. Wir haben Bananen, Butter und Zucker auf arabisches Fladenbrot gestrichen und als Sandwich gegessen. Leider fehlte, Marmelade,  Schokolade, Honig und Milchsahne! Die Butterund Wassermelonen schmeckten sehr gut!
  • Die Templer in Sarona und Wilhelma haben Kaiser Wilhelm II. nach Hitlers Machtergreifung (1933) vergessen und kann mich an wehende Hakenkreuzfahnen vor den Schwabenhäusern und braune Hitlerjugendhemden mit dunklen Krawatten erinnern.
  • Kann mich auch an den Weinkeller und das Gemeindehaus in Sarona und die Schule erinnern. Das Klima in beiden Kolonien war mild, der Winter nicht sehr kalt.
  • Im Frühling und Herbst gab es massive Heuschreckenschwärme in Sarona und Wilhelma.

 

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Internierten / Kriegsgetangenen / Post

Internierten / Kriegsgefangenen / Post.

 

Hier Korrespondenz von 1941 bis 1948 von unserem Vater, meine drei Geschwister, Klassenkameraden und deutsche Familien die mit uns in Sarona und Wilhelma interniert waren. Klicken Sie auf jedes Dokument und Bild, um zu vergrößern:

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Templerkolonie Wilhelma, Palästina – 1944 bis 1946:


November 1944 wurden wir nach Wilhelma umgesiedelt.

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Lagekarte der sieben württembergischen Templer Siedlungen in Palästina während der damaligen Zeit. Sie können die Internierungslager Sarona und Wilhelma sehen wo wir von Mai 1941 bis Oktober 1946 interniert waren.

 

Sarona war moderner als Wilhelma. Sarona hatte damals asphaltierte Strassen, Strom und Kanalisation gehabt, während Wilhelma hatte noch keinen Strom, keine Kanalisation und keine asphaltierten Strassen gehabt. In Wilhelma gab es im Winter Matsch, Schlamm und Steine in den Strassen und im Sommer, Sand, Steine und Staub. An Wilhelma kann ich mich besser als Sarona erinnern. Wir wohnten im nördlichen Teil Wilhelmas. Im Erdgeschoss wohnte Fräulein Held, eine sehr tüchtige und fleissige Bäuerin. Sie hatte Kühe und Hühner gehabt. Wir bekamen von ihr Milch und Eier. Von der Milch machte unsere Mutter; Joghurt, Butter und Käse. Wir wohnten in der ersten Etage, die der Familie Jakob Held gehörte. In Wilhelma gab es noch kein Strom. Wir hatten Petroliumlampen und Kerzen, um abends Licht, und Primuskocher, um warmes Wasser zu haben. Der Paraffingeruch der Kerzen vetrieb Moskitos und Insekten von der Wohnung. Im Wohnzimmer tropften an zwei Stellen vom Dach, wenn es im Winter regnete Wassertropfen rein. Mutter stellte zwei Eimer unter diese Stellen und legte Putztücher in die Eimer rein, um die störenden Töne der Wassertropfen, besonders abends zu vermeiden.

Unsere Schwester Hilde war laufend weinerlich. Fräulein Held schimpfte immer über Hildes heulen. Wir nannten Hilde auf arabisch Bume, also Eule! Meine Schwester Hilde und mein Bruder Wolfgang waren ziemlich turbulent, so dass unsere Grossmutter öfters in italienischer Sprache folgendes sagte: in queste casa siamo tutti nervosi, d.h:. – in diesem Haus sind wir alle nervös.  Die Siedlung Wilhelma wurde von allierten Streitkräfte im November 1917 besetzt. Für einen ganzen Monat war die Siedlung unter Beschuss. Trotzdem die deutschen Siedler in ihre Keller während dieser Zeit lebten gab es Verluste. Jakob Held, Vater von Helene Held (*1836-1917) wurde durch fliegende Splitter getötet.

Das Haus wo wir in Wilhelma, in der ersten Etage wohnten sieht heute im Bild sehr herrlich aus. Es wurde vorbildlich restauriert. Sicherlich ist, dass nachdem Israel die Immobilien der Templer enteignet hatte, und die in Palästina lebenden Deutschen ausgewiesen wurden, die Häuser im Besitz von neue Besitzer gelangen, unterlagen seitdem verschiedene bauliche Veränderungen. Am Eingang gab es kein Ziegeldach und keine seitliche Treppe. Es gab paar direkte Stufen aus Steine vor der Haustür und rechts ein kleines Waschbecken, damit wir unsere Füsse waschen können bevor wir in das Erdgeschoss eintreten.

 

Haus, wo wir in Wilhelma wohnten

Das Haus, wo wir in Wilhelma, Palästina, wohnten. Damals sah es nicht so herrlich aus.

 

Landschaft Wilhelma:


Wilhelma bestand aus drei Strassen; ähnlich wie ein Kreuz, zirka 1 Kilometer lang, in der Mitte eine Kreuzstrasse zirka 500 Meter lang. In der Mitte waren die Schule, Fussballplatz, evangelische Kirche und eine Halle. Entlang der zwei Strassen gab es an beide Seiten grosse Eukalyptusbäume. Im Frühling und Herbst landeten viele, schöne, bunte Bienenfresser auf die Eukalyptusbäume, um ihre Nahrung zu schnappen. Diese Zugvögel senden angenehme Gesangtöne die man aus weiter Entfernung hören kann. Vor den Templerhäusern gab es schöne Blumengärten und hinter ihren Häusern Gemüsepflanzungen und Obstbäume. Wir wohnten im nördlichen Teil wo es vier Häuser gab; getrennt vom Lager durch die Strasse von dem Dorf Et-Tire im Osten bis Richtung Mittelmeer, auch mit hohem Stacheldrahtzaun abgesichert. Wenn wir zu unsere Freunde, zur Schule gingen, mussten wir durch zwei bewachte Tore gehen.

 

Picture of one of the main streets in Wilhelma in 1915.

Die Haupstrasse in Wilhelma, Palästina, um 1938. Links sieht man den Fussballplatz an der Kreuzstrasse, in der Mitte der Kolonie, gegenüber dem Gasthaus Frank und schräg gegenüber vom Schulhaus. Die auf dem Bild sichtbaren Gebäude hinter dem Fussballplatz gehörten Fritz Beilharz, rechts Wohnhaus, links Stallungen. Auf dem Bild findet ein Spiel Wilhelma gegen eine englische Soldatenmannschaft statt. Diese sind mit den Bussen im Vordergrund angereist.

wilhelma landscape

Luftaufnahme der Siedlung der Tempelgesellschaft Wilhelma, Palästina, um 1932.

bnei atarot map

Wilhelma, Palästina,  (jetzt genannt Bnei Atarot, bedeutet kleine Söhne von Atarot)  wie man Wilhelma heute via Google Maps sehen kann. Wir wohnten an der oberen Kreuzstrasse rechts, das erste Haus, wo Garden geschrieben ist.

WILHELMA Streetmap with numbers for listing

Wilhelma Landkarte. Der Stacheldrahtzaun um Wilhelma ist ersichtlich. Wir wohnten im Haus Nr. 64. Östlich vom Haus ist der Kuhstall.

 

Deutsche Schule in Sarona und Wilhelma – 1941 bis 1946:


Unsere Lehrerin Fräulein Luise Dreher steht ganz rechts

Palästinadeutsche Küchenangestellte. Bild im Auffanglager Golden Sand Beach bei Famagusta, Zypern, 1948.

Unsere Deutschlehrerin war Fräulein Luise Dreher; gross, blonde lange Zöpfe, wie der Führer die deutschen Mädel haben wollte, eine ergebene Hitleranhängerin. Der Unterricht fing mit dreifachem Hitlergruss an: Sieg Heil! Wir mussten täglich dasselbe wiederholen, ab und zu das Deutschlandlied und Horst Wessel Lied singen und die untenerwähnten Aussprüche sagen:

  • Ein Reich, ein Volk, ein Führer!
  • Ich glaube an Deutschland und kämpfe dafür heute und morgen und in der Zukunft bis unser der Sieg ist!
  • Die deutsche Jugend soll sein, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl und flink wie Windhunde!
  • Die deutsche Jugend dient, wir sind zum Sterben für Deutschland geboren!
  • Führer befiehl, wir folgen!
  • Deutsche wehrt Euch!
  • Der Furcht so fern, dem Tod so nah, Heil Dir, AH!
  • Der Heldentot ist der schönste Tod!
  • Meine Pflicht ist gesund zu sein, da mein Körper dem Volke und Hitler gehört!
  • Hitler ist Deutschland! Deutschland ist Hitler!
  • Hitlers Stiefel hier, Hitlers Stiefel dort, Hitlers Stiefel über überall! In Polen, in Frankreich, in Belgien, in Holland, in Dänemark, in Norwegen, in Rumänien, in Ungarn, in Tschechoslowakei, in Ukraine, in Russland, in Bulgarien, in Jugoslawien, in Albanien, in Griechenland, in Nord Afrika.

In den deutschen Schulen in Sarona und Wilhelma hatten wir keine Aufgabenbücher  gehabt. Fräulein Luise Dreher schrieb die täglichen Aufgaben auf die Wandtafel und wir mussten sie in unsere Notizblöcke schreiben. Sie prüfte dann, ob alle Schüler alles richtig abgeschrieben haben. Wir lernten die deutsche Sprache audiovisuell. Schade, dass wir die Notizblöcke nicht mehr haben. Wahrscheinlich haben die Engländer, alle deutsche Lehrbücher konfisziert und verbrannt. Was hätte William Shakespeare dazu gesagt?

Unsere Musiklehrerin war Frau Ruth. Ich lernte dort Flöte spielen. Folgende Lieder haben wir in der deutschen Templer Schule gelernt und gesungen. Auch folgende Kinderreime gelernt:

  • Hänschen klein, ging allein, in die weite Welt hinein. Stock und Hut steht ihm gut, ist gar wohlgemut .……
  • Mein Hut, der hat drei Ecken, drei Ecken hat mein Hut …….
  • Kuckuck, Kuckuck rufts aus dem Wald. Lasset uns singen, tanzen und springen ….
  • C-a-f-f-e-e, trink nicht so viel Kaffee! Nicht für Kinder ist der Türkentrank, schwächt die Nerven, macht dich blass und krank. Sei doch kein Muselmann, der ihn nicht lassen kann!
  • Ich hatt einen Kameraden, einen bessern findst Du nit. Die Trommel schlug zum Streite, er ging an meiner Seite in gleichem Schritt und Tritt.
  • Vor der Kaserne, bei dem grossen Tor, stand eine Laterne, und steht sie noch davor, so wollen wir uns wieder seh’n, bei der Laterne wollen wir steh’n, wie einst Lili Marleen.
  • Schlaf, Kindlein, schlaf, der Vater hüt die Schaf, die Mutter schüttelts Bäumlein, da fällt herab ein Träumlein, schlaf Kindlein, schlaf …….
  • Kling, Glöckchen, klingelingeling, kling, Glöckchen, kling! Lasst mich ein, ihr Kinder, ist so kalt der Winter, öffnet mir die Türen, lasst mich nicht erfrieren! Kling, Glöckchen, klingelingeling, kling, Glöckchen, kling!
  • (Kling Glöckchen Klingeling ist ein Weihnachtslied aus dem 19. Jahrhundert).
  • Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald. Es war so finster und auch so bitter kalt. Sie kamen an ein Häuschen von Pfefferkuchen fein. Wer mag der Herr wohl von diesem Häuschen sein.
  • Aus grauer Städte Mauern ziehn wir durch Wald und Feld. Wer bleibt, der mag versauern, wir fahren in die Welt. Halli, hallo, wir fahren, wir fahren in die Welt.
  • Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen, der sammelt sie alle auf, der trägt sie nach Haus, und der kleine, der isst sie alle auf.
  • Messer, Gabel, Scher’ und Licht – sind für kleine Kinder nicht.
  • Hoppe hoppe Reiter, wenn er fällt, dann schreit er. Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben. Fällt er in den Sumpf, macht der Reiter plumps!
sarona school

In dieser Schule in Sarona haben wir die deutsche Sprache gelernt. Bild c. 1910.

 

Unsere Nachbarfamilie Klotz:


Familie Klotz in Amman in 1948

Familie Klotz in Amman, Jordanien, 1948. Josef in der Mitte mit Sandwich, seine Eltern (stehend) rechts.

Familie Klotz wohnte ca. 100 Meter östlich unserer Wohnung in der ersten Etage. Der Sohn Josef war Klassenkamerad meiner Schwester Anita, seine Schwester Isabella Klassenkameradin meines Bruder Wolfgang. Diese deutsche Familie war vor dem Krieg in Amman, Jordanien. Sie wurde auch in Sarona und Wilhelma interniert. Nach der Internierung ist die Familie nach Jordanien zurückgekehrt. Die zweite Tochter Annemarie ist nach 1948 in Amman geboren. Verheiratet war sie mit dem jordanischen Arzt, Ayoub. Ich war in Kontakt mit dieser Familie bis Ende der 1970ger Jahre. Sie besuchten uns einige Male in Beirut nach 1948. Die Familie ist dann nach Deutschland umgezogen. Josef wohnte in Freiburg, weil er mit einer Frau von Freiburg verheiratet war. Das letzte Mal sah ich ihn, seine Schwester und seine Eltern Ende der 1970ger Jahre in Bersenbrück, wo seine Eltern und seine Schwester wohnten. Isabella war mit Herrn Welp verheiratet.

Motorradunfall:


Herr Willi Klotz hatte ein Motorrad gehabt. Meine Schwester Anita wollte gern Motorrad fahren. Sie stieg auf den hinteren Motorradsitz und los ging es eine gewisse Strecke. Beim umdrehen, um zurück zu fahren rutschte das Motorrad wegen Sand auf der Strasse. Anita ist auf dem Boden gefallen, ihre rechte Hand wurde verletzt, wie ersichtlich vom Band an ihrer rechten Hand im Bild des provisorischen Reisedokuments, ausgestellt am 01.10.1946 in Jerusalem, zu sehen ist und war eine gewisse Zeit ohnmächtig.

Notdürftige Erfindung in Wilhelma:


Herr Willi Klotz war beruflich Schmied. Er arbeitete in einer Schmiede in Wilhelma, zirka 200 Meter westlich von unserer Wohnung entfernt. Mutte hatte keine Tassen mehr. Sie hatte paar leere Flaschen gehabt, ging zu Herrn Klotz in die Schmiede, fragte ihn, ob er die Flaschen in die Mitte durchschneiden kann. Er fragte warum? Sie teilte ihm mit, dass sie keine Tassen mehr hat, braucht Tassen, damit wir Wasser, Tee, Kaffe, Milch, Suppe, Limonade etc. trinken können. Das gefiel Herrn Klotz sehr. Er bastelte in der Schmiede Metall O-Ringe, mit Aussendurchmesser der Flaschen, schmiedete Metallgriffe an den Aussenrand der O-Ringe, legte den Metall O-Ring auf glühende Steinkohle bis der O-Ring glühte, führte ihn bis in die Mitte der Flaschen, drückte mit einer Werkzeugzange den glühenden O-Ring gegen die Glasflaschen, und die Flaschen wurden somit durch die Hitze gut gespaltet und geschnitten. Dann schleifte er die Glastassen von allen drei Seiten; oben, innen, aussen, mit feinstem Schmirgelpapier, fühlte mit seine Finger, ob sie einwandfrei sind, um Verletzungen zu vermeiden. Am nächsten Tag ging Mutter zur Lagerkommandantur, fragte die englischen Beamten, ob man ihr leere Glasflaschen geben kann. Man fragte warum sie leere Glasflaschen benötigt. Mutter sagte ihnen, dass der Schmied, Herr Klotz, die Glasflaschen in der Mitte durchschneiden kann, damit sie Tassen haben kann. Sie konnten das nicht glauben. Ein Beamter ging neugierig mit Mutter zu Herrn Klotz in die Schmiede und schaute zu, wie die Glasflaschen geschnitten werden. Der englische Beamte sagte:  “Germans are excellent inventors”! (Deutsche sind ausgezeichnete Erfinder!)

Turnlehrer Herr Leon Fuchs:


Herr Fuchs wohnte im Erdgeschoss wo Familie Klotz wohnte. Eines Tages sah er gegenüber seiner Wohnung, wie ein Hund unter dem Stacheldrahtzaun ins Lager Wilhelma eingeschlichen ist. Herr Fuchs ist schlank, sammelte etwas Proviant und konnte abends wie der Hund unter dem Stacheldrahtzaun durch dieselbe Lücke ins Lager eingeschlichen ist das Lager unversehrt verlassen. Herr Fuchs wollte nach Beirut flüchten, weil er auch in Beirut vor dem Krieg lebte. Nach paar Tage wurde er in Jaffa oder Haifa erwischt und ins Lager zurückgeführt. Nach unserer Entlassung, Oktober 1946, hat er uns in Beirut besucht.

Schwimmbad in Wilhelma:


Westlich gegenüber diesem Haus gab es ein Schwimmbad und einen hohen Wasserturm. Dort konnten wir schwimmen und uns duschen, da es in der ersten Etage keine Dusche, keine Toilette, keine Küche, keine Kanalisation gab, nur zwei Schlafzimmer und ein kleines Wohnzimmer. Es gab eine Wasserleitung mit Wasserhahn ohne Waschbecken. Ein Bild von dem Schwimmbad in Wilhelma habe ich. Meine Mutter hat sich auch im Schwimmbad geduscht.

Schwimmbad gegenüber unserem Haus

Schwimmbad gegenüber unser Haus in Wilhelma, Palästina, 1945. Links mein Freund Walter Groll, Mitte mein Bruder Wolfgang, rechts (ich) Paul. Hinter uns sieht man die Betonsäulen und die Wasserleitungen des Wasserturms und das Haus der Familie Frank. Familie Frank hat uns ab und zu Lebensmittel gegeben.

Arabic toilet

Arabische Toilette, ähnlich wie die Toilette in der Hütte hinter dem Haus in Wilhelma, Palästina, wo wir wohnten.  (Vor Gott und auf dem Klo sind alle Menschen gleich)

Spül- und Badewannewasser:  


Da es in der ersten Etage keine Kanalisation gab, schüttete unsere Mutter das Spülwasser und das Wasser von der kleinen transportablen Metallbadewanne, wo Grossmutter und unsere jüngste Schwester Hilde geduscht wurden, vom östlichen Fenster in den hinteren Garten. Das gefiel der Familie Klotz nicht die hinter unserer Wohnung wohnte. Frau Klotz ging zur Lagerkommandantur, klagte Mutter an. Unsere Mutter hat trotzdem das Wasser vom Fenster weiterhin abends in den Garten geschüttet. Wir waren sieben Personen im Haus, mit unsere Grossmutter und unsere Tante, mussten unsere Bedürfnisse in Nachttöpfe machen – die ungute Duftnote der Nachttöpfe, in Gestalt von Kothaufen – am frühen Morgen, in einer ekelhaften arabischen Toilette hinter dem Haus, in einer kleinen Holzbude, mit klapperiger Holztür ausschütten. Das war meine tägliche Aufgabe!

Typisch wurden die deutschen Templerhäuser in Palästina aus nahegelegenen Steinbrüchen aus natürliche weisse Steine gebaut. Die Wohnhäuser wurden auf drei Ebenenen gebaut. Im ersten Stock befanden sich Küche, Esszimmer, Wohnzimmer, Badezimmer und Toilette. Schlafquartiere waren im zweiten Stock. Lebensmittel und Wasser wurden im Keller gelagert. Aber jedes Templerhaus war eine wahre Fundgrube!

Wachturm:


Etwa 80 Meter südlich von der Wohnung gab es einen hohen hölzernen Wachturm. Abends konnten wir hören wie die jüdischen Wächter sich in hebräisch unterhielten. Ab und zu fragte einer in hebräisch “ma hascha’ah “,  d.h. “wie spät es ist”. Wahrscheinlich hatten nicht alle Wächter Uhren gehabt, um zu wissen wie spät es ist. Sie rauchten viel, ähnlich wie die Araber, schmissen ihre ungelöschten Zigarettenstümmel in die Luft und erfreuten sich wie Kinder, dass diese ungelöschten Zigarettenstümmel wie fliegende Glühwürmchen aussahen.

Fräulein Helds Kuhstall:


Ich erinnere mich in Wilhelma, dass ich ab und zu arabische Arbeiter, die in Fräulein Helds Kuhstall arbeiteten, ihre Kühe melkten folgendes kurzes Lied gesungen haben: Palästina ist unser Land. Die Juden sind unsere Hunde. Auch hörte ich sie sagen: Die Juden sind Knochen im Rachen der Muslimen, der weder ausgespuckt noch verschluckt und verdaut werden könne. Auch: die Juden sind unser Unglück.

Warum besteht der Hass und die Feindschaft zwischen Arabern und Juden? Es gab Zwist, Tränen, Blut, Kriege – bis heute. Alles begann mit einem Mann der Vater werden wollte: Abraham! Seine Frau Sara konnte ihm keine Kinder schenken. Er suchte in einem Lager eine ägyptische Magd. Die Magd Hagar gebar ihm einen Sohn Isaac. Es gab Streitigkeiten, Eifersüchteleien zwischen der Ehefrau und der ersten Leihmutter der Geschichte. Nach paar Jahre schickte Abraham die Magd mit ihrem Sohn in die Wüste. Sein Erstgeborener Sohn, Isaac, der Sohn der Magd wurde Stammvater der Araber. Isaac, der eheliche Sohn, wurde Stammvater der Juden.

Attentat:


In Wilhelma kann ich mich an das Attentat des Bürgermeisters, Gotthilf Wagner, erinnern. Er war ein sehr reicher Geschäftsmann, hatte eine dauerhafte Genehmigung, um mit seinem Wagen in Palästina umher zu reisen. Er is mit seinem Auto von Wilhelma nach Tel Aviv am 22, März 1946 gefahren und wurde in seinem abgestoppten Auto meuchlings in der Levinsky Strasse von zwei Männern der vorstaatlichen Hagana Untergrundorganisation erschossen. Mit ihm im Auto waren seine Schwester, Frida Wagner, Karl Steller und ein jüdischer Polizist. Diese Passagiere blieben unversehrt. Er wurde ermordet weil er viel Land in Palästina hatte und nichts an Araber und Juden verkaufen wollte. Der Mord schockierte die schwindende Templer Gemeine. Die Grundstückpreise in Sarona und Wilhelma sind gefallen und die Deportieren in Australien drängten die in Palästina Verbliebenen, sich mit der neuen Realität abzufinden und zu emigrieren. Zirka 300 Meter westlich von unserer Wohnung war der Friedhof. Er wurde in diesem Friedhof begraben. Am nächsten Tag sahen wir dunkle Rauchwolken. Es gab einen Brand im Friedhof. Die Juden sagten die Brandstifter sind Araber, die Araber sagten, die Juden sind die Brandstifter!

Flughafen Lydda:


Wir konnten vom südlichen Zimmer den Flughafen Lydda sehen, der ursprünglich Wilhelma Flughafen genannt wurde, vom Namen der deutschen Templer Kolonie, welcher in der Nähe von Wilhelma war. Wenn es südlicher Wind gab, konnten wir den Lärm der Flugzeuge hören. Wir zählten unterhaltend die ankommenden und abfliegenden Flugzeuge.

Einkäufe benötigter Produkte:


Die Wohnung in Wilhelma war zirka 30 Meter von den zwei Toren entfernt. Hier kamen am Vormittag zu Fuss arabische Kleinhändler von dem Dorf At-Tire, paar Kilometer östlich von Wilhelma, welches wir vom östlichen Fenster sehen konnten, um verschiedene Artikel von hinter dem Stacheldrahtzaun zu verkaufen. Unsere Mutter kaufte vom Händler, Abu Ahmad, Seife, Mehl, Salz, Kichererbsen, Tee, grüne Kaffebohnen, arabisches Fladenbrot, Thymian, Olivenöl, Oliven, Streichhölzer, Zigaretten, Kerzen, Säuberungsnadeln für den Primuskocher, Zahnpaste, Zahnbürsten, Petrolium und Dochte für die Petroliumlampen. Wolle, so dass unsere Mutter für uns Pullover und Badehosen stricken kann. Fäden und buntes Papier. Ich benutzte die Fäden und das bunte Papier, um Luftdrachen zu basteln. Bambus war in Wilhelma wild zu bekommen. Habe das Bambusrohr von oben nach unten in zwei gleichen Teilen geschnitten. Dann habe ich die zwei Bambusteile mit Faden wie ein Kreuz befestigt. Zum Kleben des Papiers benutzte ich Mehl, Zucker, Wasser, rührte dieses Gemisch bis Zucker und Mehl geschmolzen sind und hatte somit einen guten hellen Klebstoff gehabt. Dann habe ich einen Schwanz und zwei Flügel für den Luftdrachen aus Papier gemacht. Es dauerte einige Stunden bis ein Luftdrachen fertig war. Meine Freunde nannten mich der Luftdrachenerbauer.

Ab und zu war ein Schuster vorhanden, der unsere Schuhe reparierte, falls diese noch reparierbar waren.

Kann mich an folgende Namen von Personen, die mit uns in Sarona und Wilhelma interniert waren erinnern:

  • Frau Erika Aberle
  • Herr Bamberg
  • Familie Beck
  • Familie Bitzer
  • Familie Blaich
  • Frau Dreher, ihre Tochter Luise Dreher
  • Familie Engelhardt
  • Familie Ehmans
  • Frau Eppinger
  • Frau Paula Feil
  • Familie Frank
  • Familie Fröschle
  • Herr Leon Fuchs – Beirut
  • Familie Groll
  • Familie Kugler
  • Familie Hanauer – Beirut
  • Fräulein Helene Held
  • Dr. Hoffmann
  • Familie Hornung
  • Familie Kazenwadel
  • Familie Klotz – Amman
  • Familie Kuhnle
  • Familie Löbert
  • Familie Lux
  • Frau Paula Paulus
  • Herr Remi
  • Gisela und Wera Schmidt
  • Familie Scheerle
  • Familie Stecher
  • Familie Struve
  • Fräulein Traude
  • Familie Uhlmann
  • Familie Unger
  • Luise Volmer
  • Familie Wagner
  • Herr Weimann
  • Familie Wied
  • Herr Mantura (Italiener) – Beirut
  • Frau Ortali und ihre Tochter Therese (Italiener) – Beirut

 

Besuch eines Familienfreundes:


Barfüßig im Garten bei einem Freund.  Wir hatten keine Schuhe mehr

L –> R: meine Freunde, Heinz Wied, Rolf Beck, mein Bruder Wolfgang, (ich) Paul, barfüssig im Garten bei einem Freund in Wilhelma, Palästina, Sommer 1945. Wir hatten keine Schuhe mehr. Meine Hose war Mutters Rock, was erkennbar ist.

 

Anfang 1945 besuchte uns per Auftrag unseres Vaters sein amerikanischer Freund in Wilhelma, Herr Green, der sein Kollege vor dem dem Krieg in Beirut, in der amerikanischen Petroliumfirma Socony Vacuum war und dann in Palästina arbeitete. Diese Petroliumfirma wurde später von der Mobil Oil Company aufgekauft. Er möchte uns Geld geben und ihm etwas über uns erzählen. Es war Winter, er sah uns barfüssig herumlaufen, fragte unsere Mutter warum? Sie sagte ihm, meine Kinder haben keine Schuhe mehr.  (Siehe oben Bild als Anlage)    Der Familienfreund ging zum englischen Lagerkommandant, verlangte von ihm die Erlaubnis, uns mit Mutter nach Tel Aviv, mit seinem Auto mitzunehmen, damit er uns Schuhe und Kleidung kaufen kann. Es wurde genehmigt, und haben neue Schuhe, neue Kleidung und Geld bekommen, und hatten somit nicht mehr Verletzungen an die Füsse gehabt! Ab und zu waren die Verletzungen an den Füssen schlimm, so dass wir einige Tage nicht mehr zur Schule gehen konnten, bis die Wunden geheilt waren. Wir sahen in Tel Aviv, viele Autos und hörten viel hupen, was in Sarona und Wilhelma, uns unbekannt war.

Deutsche Karabiner vom ersten Weltkrieg – Sommer 1946:


Ich glaube im Haus 61, wohnte die Familie Beck. Wir wollten eine tote Katze im Garten begraben. Wir hatten paar kleine Holzbretter gehabt die wir als Schaufeln benutzten. Nachdem wir ca. 40 Zentimeter gegraben haben, sind unsere Holzbretter gegen etwas hartes gestossen. Wir haben den Graben breiter gemacht und sahen dann eine verfaulte lange Holzkiste. Wir entfernten etwas Holz vom Holzdeckel und fanden Karabiner vom ersten Weltkrieg und Metallbehälter. Ich öffnete einen verrosteten Metallbehälter und fand im Behälter Gewehrpatronen und Gewehrmagazine. Ich nahm paar Patronen, suchte einen Stein, schlug mit dem Stein auf die Patronespitze und entfernte sie von der Messingpatrone. Das Pulver war ähnlich wie Zahnstocher und nicht wie Pulvermehl. Ich zog eine Pulvereinheit paar Zentimeter raus, sagte meinem Freund er möchte mir eine Streichholzschachtel bringen, ich zündete das Pulver an und hoch ging das Feuer in die Luft wie Feuerwerkskörper.

Wir wiederholten diese Aktion bis der Vater meines Freundes sah was wir machen. Er kam zu uns und sagte was macht ihr hier. Er sah unsere Fundgrube, sagte, schnell zudecken ehe die jüdischen Wächter und die englischen Beamten das sehen, wir werden somit Probleme haben. Später haben wir verstanden, dass deutsche Soldaten während des ersten Weltkrieges, als sie in Richtung Norden abgezogen sind, viele Kisten enthaltend Karabinier, Munition und andere Waffen in Wilhelma begraben haben, damit sie nicht in die Hände der Engländer gelangen.

Im Winter gab es Matsch, Schlamm und Steine in den Strassen, im Sommer Sand, Staub, Hitze und Steine. Auch Schlangen, Skorpione, Eidechsen, Bienen, Hornisse, Chamälione. Wir waren auch geistig wund wegen Heimweh, weil wir in eine fremde, primitive Welt ausgestossen wurden, weil wir Deutsche sind.

Tante Klara und Paul Wehr:


Unsere Tante mit Ihrem Freund Paul Wehr, den sie im Lager kennengelernt hatte und später verheiratet war, wurden vor uns wegen Austauschabkommens welches durch Vermittlung des Roten Keuzes zustandegekommen ist entlassen und reisten mit dem Zug von Jerusalem nach Deutschland zu ihrem Bruder Adolf in Reutlingen, weil sie keine Eigentumswohnung in Beirut hatten.  (Das Abkommen erlaubte deutsche Staatsbürger im Lager zu befreien gegen gleiche Zahl allierter Frauen und Kinder in deutsche Lager zu befreien und gelangten mit der Bahn über Istanbul nach Palästina).  Sie mieteten eine Wohnung in Reutlingen, in der Kaiserstrasse. Unsere Groβmutter war damals 84 Jahre alt! Als sie die Nachricht von ihrer Tochter erhalten hat, dass sie eine Wohnung gemietet haben, entschied sie sich nach Deutschland zu reisen.

Sandgrube, um Schwäbische Häuser in Wilhelma zu bauen – August 1946:


Ich und mein Bruder Wolfgang, meine Freunde Heinz Wied und Rolf Beck sind in Richtung Friedhof gegangen und dann noch weiter in Richtung Osten. Wir entdeckten einen tiefen, runden, sehr grossen Graben mit sehr sauberen hellen Sand.  (Siehe Wilhelma Landkarte von 1988).  Neugierig waren wir, sind bis zum Rande des Grabens gegangen und gleich ist eine grosse Menge Sand auf uns gestürzt. Mein Bruder und meine zwei Freunde sind bis ihre Schultern tief im Sand begraben worden. Ich weniger. Da ich grösser war, konnte ich mich schneller vom Sand befreien und habe meinen Bruder und meine zwei Freunde vom Sand rausgezogen. Gott sei Dank hat es keine Steine gegeben und hatten somit keine körperliche Verletzungen gehabt. Unsere Körper und unsere Köpfe waren mit Sand bedeckt, sind schnell zurückgekehrt und duschten uns in der Dusche des Schwimmbades und haben dann dies unserer Mutter erzählt.

Von dieser Sandgrube haben die Templer den sauberen Sand nach Wilhelma transportiert, um ihre Häuser nach schwäbischen Baustil zu bauen.

Grossmutters Rückreise nach Deutschland etwa Mitte – 1946:


Der Krieg war vorbei. Meine Mutter bat unsere Grossmutter bei uns zu bleiben und mit uns nach Beirut zurückzureisen sobald wir befreit sind, um mit uns in unserer Eigentumswohnung in Beirut zu wohnen. Grossmutter hat es abgelehnt, weil sie unsere Mutter nicht weiter belästigen wollte, da sie ziemlich brüchig war. Unsere Mutter bekam eine Sondergenehmigung vom englischen Lagerkommandant, um Grossmutter zum Jerusalemer Bahnhof zu begleiten. Mutter gab ihr Lebensmittel und Geld für die Reise. Wir weinten als sie uns verabschiedete. Meine Schwester Anita hat sich versteckt, weil es ihr sehr schwer war Grossmutter zu verabschieden. Ein Taxi wurde bestellt, Mutter verhandelte mit dem Taxifahrer wieviel er bis zum Jerusalemer Bahnhof haben will, wie es in unserer Region bis heute üblich ist. Wir konnten von unserem Haus vom östlichen Fenster sehen wie die Züge vom Jerusalemer Bahnhof in nördlicher Richtung fuhren. Wir warteten am östlichen Fenster, um den Zug zu sehen, mit dem Grossmutter nach Deutschland reisen wird. Es vergingen Stunden, endlich sahen wir den Zug in Richtung Norden fahren und winkten der Grossmutter, obwohl wir sie nicht sahen. Üblich zählten wir die Zahl der Waggons und streiteten miteinander wer besser gesehen und besser gezählt hat. Dieses Mal haben wir es vergessen. Wir warteten auf die Rückkehr unserer Mutter. Es wurde dunkel, wir hatten viel Angst gehabt und waren sehr besorgt, wegen der Abwesenheit unserer Mutter und unserer Grossmutter, weil unsere Mutter noch nicht zurückgekehrt ist und plöztlich waren wir zum ersten Mal seit fünf Jahren in den Internierungslagern, alleine ohne unsere Mutter und ohne unsere Grossmutter und ohne unsere Tante.  (Wenn die Angst in dich gepflanzt wird, wird es schwer für dich sein sie aus deinem Leben schnell zu entfernen).  Endlich war sie wieder bei uns, sehr angestrengt, erschöpft, müde, kniete auf dem Boden und betete, dass Oma gesund und heil in Reutlingen eintreffen wird. Wir beteten auch, wie wir zu Tisch mit Oma gebetet haben:

  •  Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein.
  • Gott segne unser Brot. Gott zeige mir den richtigen Weg.
  • Herr, erbarme Dich.
  • Bis hierher hat der Herr uns geholfen.
  • Herr, lass leuchten Dein Antlitz über uns.
  • Herr, wir warten auf Bethlehems Licht.

 

Die Heilige Stadt Jerusalem:


Während unserer Internierung fragte unsere Mutter einige Male den englischen Lagerkommandant, ihr die Erlaubnis zu geben, die Heilige Stadt Jerusalem zu besuchen. Es wurde nicht erlaubt. Sie wollte diese heilige Stadt besuchen die so nah war und dort in der Grabeskirche beten, den Salbungsstein sehen, wo der Leichnam, nachdem er vom Kreuz genommen war, gesalbt wurde. In der Nähe ist der Ort, wo Maria gestanden haben soll und auf das Grab schaute und weinte, als Jesus sagte: “Weib, warum weinst Du”? Sie wollte auch die Via Dolorosa, die Strasse, die Jesus Christus auf seinem Weg nach Golgatha überquert hat sehen. Die Stadt Jerusalem hat drei Feiertage in der Woche. Am Freitag beginnt der Feiertag der Muslime, am Samstag der, der Juden, am Sonntag der, der Christen. Drei Religionen der Menschheit leiten ihren Ursprung von dieser alten, heiligen, Pilgerstadt, haben einen und denselben Gott. Für die Muslimen, ist sie die drittheiligste Stadt, nach Mekka und Medina. Meine Mutter sah dort nur den Bahnhof und kehrte sofort zurück nach Wilhelma, um sich um ihre vier Kinder zu kümmern.

 

Grandmother in germany

Grossmutter nach ihrer Ankunft in Reutlingen, Deutschland, im Sommer 1946. Von L –> R: Onkel Adolf, Grossmutter, Vater Albert.

 

Freiheit   ***   Liberty  ***   حرية   ***   Liberté   ***   Liberta   ***  –  1946: 


Unsere Sehnsucht, unsere Hoffnung, unser Traum waren wieder zu Hause zu sein. Endlich ist die Zeit gekommen, dass wir wieder zu Hause atmen können, wieder frei sind, wieder unsere alte libanesische Eigentumswohnung zu sehen, wieder in unserer Eigentumswohnung im wunderschönes, kleines Land Libanon, zu wohnen wo wir alle geboren und erzogen wurden, in unserem Garten zu spielen und nicht mehr als Kinderkriegsgefangene, primitiv in Wilhelma zu wohnen, gehen wo wir hingehen wollen, ohne die Erlaubnis von Polizei, Militär und Beamtentum zu bekommen und nicht mehr wie eine Schafherde behandelt zu werden, um von einem Stall zu einem anderen Stall transportiert werden. Wir sind vier unschuldige deutsche Kinder, unsere Mutter ist Libanesin, verstanden damals nichts von Kriege, Hass, Fanatismus, Nationalismus, Politik, politische Parteien. Weil wir deutsche Kinder sind, in Beirut geboren und dort lebten, wurden wir mit unserer Mutter fünf Jahre und fünf Monate in den zwei deutschen Internierungslagern, Sarona und Wilhelma interniert, bewacht von jüdische Polizisten, die deutsche Staatsbürger sehr hassen. Wären wir Juden, hätten wir von der Bundesrepublik Deutschland eine Entschädigung bekommen. Wir sind in Libanon, im Land des Glaubens geboren und aufgewachsen. Wir lieben dich, wir haben dich nicht vergessen.  (Habibi anta ya Lubnan)  .  Die Zeit ist gekommen, dass wir in das Land der Bibel zurückkehren, in das Land in dem Jesus Christus bei der Hochzeit in Kana al-Jalili  –  (das glorreiche)  –  “das Christentum wurde mit den Menschen in Libanon geboren”  –  sein erstes Wunder vollbracht hatte, Wasser in Wein verwandelte, wodurch die ersten Jünger Jesu, zu Glaube in ihm kamen. Das Land des Alphabets,  (meine Augen träumen vom schönsten Alphabet)  das Land der heiligen Zedern, wo die Menschen, die Tiere, die Blumen, den Duft der heiligen Zedern atmen, das Land wo Milch und Honig fliessen, das Land der Wissenschaft, der grossen Geschichte mit tiefen Wurzeln,  es ist das Tor der Zivilisation und der Religionen,  der Kultur, der Kunst und des Lichts, der Toleranz, das Land des Respekts und Dialogs, der Freiheit, der Gastfreundschaft, der Festspiele und der Feierlichkeiten. Der Libanon ist das Land, das religiöse und ethnische Vielfalt, Offenheit, gegenüber der Aussenwelt, Kultur und Respekt für die grossen Altertümer des Landes schätzt.  Ein lange gehegter Traum ging endlich nach 1.961″ Tage in Gefangenschaft in Erfüllung!  (Ich) Paul und meine drei Geschwister; Anita, Wolfgang, Hilde und unsere Mutter, haben diese Zeit, (ich) Paul im Alter von 6 bis 11 Jahren, Anita im Alter von 9 bis 14 Jahren, Wolfgang im Alter von 1 Jahr und 5 Monate bis 7 Jahren, Hilde im Alter von 40 Tage bis 5 Jahren und fünf Monate als Deutsche,  (nicht ehemalige Deutsche)  getrennt von einem Teil unserer Familie, in zwei Kriegsgefangenelager in Palästina, erzwungen lebten, in ewiger traumatischer Erinnerung behalten haben. Wir atmen immer die Freiheit. Man kann die Freiheit uns nicht wegnehmen. Man kann uns nicht ewig plagen. “Die glücklichen und traurigen Tage, die wir in Palästina verbracht haben, sind Erinnerungen, die in unser tägliches Brot enthalten sind”. Wir können unsere Türen über unsere Vergangenheit nicht schliessen!
“انّ الأيام السعيدة و الحزينة التي قضيناها في فلسطين هي ذكريات مجبولة في خبزنا اليومي”

Im Juli 1946 stoppte am Nachmittag ein Militärfahrzeug vor dem Haus. Ein englischer Beamter klopfte an die Haustür, sagte meiner Mutter,  “Sie sind frei, können in kurzer Zeit mit Ihren Kinder nach Beirut zurückreisen. Wir wollen Sie mit Ihre Kinder fotografieren, damit man Ihnen ein Reisedokument für die Rückreise nach Libanon ausstellen kann”.  Der Fotograf suchte einen dunklen Hintergrund. Er sah Fräulein Helds Strohhaufen, verlangte eine kleine hölzerne Bank von Fräulein Held, die sie hatte. Der Fotograf setzte uns wie er es haben wollte vor dem Strohhaufen; Mutter in der Mitte, meine Schwester Anita an ihrer rechten Seite, mein Bruder Wolfgang auf Anitas Schoss, (ich) Paul an Mutters linken Seite, meine Schwester Hilde auf meinem Schoss, wie man es vom Foto des Reisedokuments der Regierung Palästina sehen kann.

(Die kurze Zeit hat zirka drei Monate gedauert. Typisch Beamtentum)!!!

Provisorisches Reisedokument:


Reisedokument Regierung Palästina (Vorderseite)

Reisedokument Regierung Palästina (Vorderseite) vom 01.10.1946.

Am 14.10.1946 wurden wir fünf endlich freigelassen. Da wir unsere deutsche Reisedokumente nicht mehr hatten, wurde von Government of Palestine uns das Reisedokument Nr. 12865 vom 01.10.1946 gemäβ Anlage ausgestellt.

Es wurde ein Pick-up bestellt. Der Fahrer teilte uns mit, dass er nur bis Haifa fahren darf, da er keine Transporterlaubnis fürs Ausland hat. In Haifa müssen wir unsere persönliche Sachen auf einen anderen Pick-up umladen, der die Erlaubnis hat nach Beirut zu fahren.

 

 

 

Reisedokument Regierung Palästina (Rückseite)

Reisedokument Regierung Palästina (Rückseite).

 

Abschied von Wilhelma und Templerfamilien:


Vor unserer Fahrt nach Beirut, kamen einige Templerfamilien zu uns, um uns zu helfen unsere persönliche schäbige Sachen  (Kleidung, Küchengeschirr, eine Bratpfanne, Petroliumlampen, Primuskocher, arabische Kaffemühle die aus leeren Kartuschen der Artilleriegeschosse hergestellt wurden, ein kleines Kaffeeröstereigerät, um grüne Kaffeebohnen zu rösten, zwei Eimer, zwei Taschenmesser, eine Schere, eine Giesskanne, zwei Schilfrohrmatten, paar Wolldecken, paar Kopfkissen die Mutter selbst im Lager geschneidert hatte mit Stroh und Baumwolle als Futter, einige primitive Spielzeuge, die kleine Metallbadewanne, einige Sachen in Jutesäcke verpackt, weil wir keine Reisekoffer hatten, und unsere Angora Katze, die wir Niesel nannten, in einem kleinen Korb eingebettet)  auf dem Pick-up zu verladen und uns zu verabschieden. Die Nachttöpfe haben wir nicht mitgenommen, da sie nicht mehr benötigt waren. Herr Kazenwadel sammelte Geld für uns von einige Templerfamilien, gab das Geld meiner Mutter in einem Kuvert, welches ein ziemlich grosser Betrag war. 

Unsere Deutschlehrerin, Fräulein Luise Dreher, war auch mit den Templer Familien, um uns zu verabschieden. Sie gab meiner Mutter eine schwarze Gusseisen Wandtafel von Adolf Hitler, eingewickelt mit einem dunklen Tuch und sagte ihr, sie möchte es sorgfältig behüten. Sobald ich Sie in Beirut besuchen kann, werde ich diese Wandtafel bei Ihnen abholen. Die Engländer werden Sie, weil Sie kleine Kinder haben nicht kontrollieren und somit wird diese Wandtafel wohlbehalten in Beirut eintreffen. Als sie in Zypern war wurde es ihr nicht erlaubt uns in Beirut zu besuchen.

hitler

Adolf Hitler Wandtafel aus Gusseisen. Grösse: (22 x 32.5 cm) Künstler: W. Wolff 1933.

 

Matratzen hatten wir nicht gehabt, da wir die ganze Zeit von Mai 1941 bis Oktober 1946 auf dem Boden geschlafen haben. Unter den Woll- und Stoffdecken legte Mutter Jutesäcke, Zeitungspapier, Pappkarton, Stroh, für Schutz gegen Kälte, Härte und Luftfeuchtigkeit.

Den verbliebenen Templern in Palästina, bis 1948 wurde klar, dass sie aus dem Land vertrieben werden, und alles was sie mit Blut, Schweiss und Tränen aufgebaut haben nach Zypern vertrieben werden, aufgeben müssen und es würde kein Zurück mehr geben. Die Templer kehrten schliesslich ein Teil nach Deutschland zurück, die Mehrheit nach Australien, weil Deutschland noch in Trümmer war. Als wir von ihrer Vertreibung, von ihren 134 Zelten, von Golden Sand Beach, Famagusta, Zypern, hörten; unsere Träume, unsere Hoffnungen, unsere Wünsche, unsere Sehnsucht, sie nicht wieder zu sehen, verursachte uns Schmerzen, Traurigkeit, Kummer, so dass das Feuer unsere Landkarte verbrannte. In unserer Fantasie; unsere Schmerzen, unsere Traurigkeit, unser Kummer, dehnte sich aus wie eine Taubenschar die von Beirut, eine der ältesten, ständig kriegerisch geplagten Städte der Traurigkeit der Welt, nach Australien auswanderte.

Die Stadt Beirut wurde im Laufe der Geschichte schon sieben Mal durch Erdbeben zerstört und begraben worden, aber stets ist sie aus dem Staub und ihrer Asche auferstanden und hat von neuem geblüht, so wie der sagenhafte ägyptische Vogel, Phoenix, der sich selbst laut Legende auf einem Scheiterhaufen aus aromatischem Holz nach 500 Lebensjahre verbrannte, um aus seiner Asche verjüngt und hoch in den Himmel zu fliegen.

Das schlimmste Erdbeben war am 9. Juli, 551, in Beirut. Es löste einen verheerenden Tsunami aus, der die Küstenstädte des Byzantinischen Phönikiens betraf, von den Städten Tripoli bis Tyrus, die mit vielen Tausenden Opfern beschädigt wurden, mit Rückzug des Meeres bis zu zwei Meilen gemäss einigen zeitgenössischen Berichten, und Zerstörung und Untergang vieler Schiffe, Häfen und ein grosses Feuer in Beirut.

Anstatt die arabischen Brüder, Bibeln und Korane dem libanesischem Volk geschenkt haben, haben sie während des libanesischen Bürgerkrieges, der von 1975 bis 1990 brutal tobte, mehr als 200 Tausend Raketen, Kanonengranaten, Stalinorgeln, auf Beirut und die Vororte von Beirut geschüttet. Der Fanatismus, der Hass, der Groll, die Zerstörungswut waren Prioritäten. Der Kanonendonner war fürchterlich. 15 Jahre haben die Libanesen unter der Sonne des Satans leben müssen. Und wer erstmals raus aus seiner Wohnung war, der bekam sie nicht wieder  es sei denn geplündert und ausgebombt. Frauen, die noch am Leben waren, viele von ihnen wurden vergewaltigt, bevor sie erstochen oder erschossen wurden. Viele Friedhöfe waren voll. Es gab kaum noch Platz für tote Opfer. Der erste Mord der Menschheit war in dieser Gegend: Kain, ältester Sohn Adams und Evas, erschlug den Bruder Abel. “Und steht nicht auch in der Bibel: wer Kain todschlägt, das soll siebenfältig gerächt werden? Kommen in euren Kriegen keine Unschuldige um”? Sie lesen keine irdische Bücher, geschrieben von der Menschheit und auch keine Bücher, die ihnen von Gott gesandt wurden.

Fairouz, die populärteste liebanesische Sängerin, ihr populärtestes Lied für ihre Geburtsstadt, Beirut, lautet wie folgt:

Für Beirut –
Frieden für Beirut von ganzem Herzen
Und Küsse fürs Meer und Häuser, für
Dem Felsen einer Stadt der wie ein altes
Seemannsgesicht aussieht. Von der Seele
Ihres Volkes macht sie Wein, von ihrem
Schweiss macht sie Brot und Jasmin. Wie
Kam es, um Rauch und Feuer abzuschmecken?
Beirut hat einen Ruhm der Asche. Meine Stadt
Hat ihre Lampe mit dem Blut eines Kindes
Gelöscht, das auf ihre Hand war. Sie hat ihre
Tür geschlossen und wurde allein im Himmel,
Allein mit der Nacht. Du gehörst mir, du gehörst
Mir. Du bist meine Fahne, morgen Steine. Und
Die Wellen einer Reise. Die Wunden meines
Volkes haben geblüht. Tränen der Mütter.
Beirut du gehörst mir, gehörst mir. Ach Beirut,
Umarm mich”.

Sängerin: Fairuz
Dichter: Joseph Harb, Libanese.

 

“BEIRUT DAME DER WELT”: (Beirut, Sit El Dunia)
Ya Beirut –
Ya Beirut …. Dame der Welt.
Wir bekennen zu Got allein:
Dass wir neidisch auf dich waren
Und deine Schönheit hat uns verletzt.
Wir bekennen jetzt:
Wir waren weder fair noch barmherzig
Zu dir. Wir haben dich nicht verstanden
Oder entschuldigt. Wir haben dir ein
Messer anstelle Rosen geschenkt. Wir
Bekennen dem gerechten Gott:
Wir haben dich verletzt und dich müde
Gemacht. Wir haben dich verbrannt und
Zum Weinen gebracht. Wir haben dich
Belastet oh Beirut mit unsere Sünden.
Ya Beirut –
Die Welt ist nicht genug, wir wissen jetzt,
Dass deine Wurzeln Teil von uns sind.
Wir wissen jetzt, was unsere Hände
Begangen haben. Steh auf …. steh auf ….
Steh auf. Erhebe dich von unter den
Trümmern wie eine Mandelblüte im
Frühling. Erhebe dich aus deine Sorgen ….
Erhebe dich. Die Revolution wird aus dem
Mutterleib geboren. Erhebe dich von unter
Den Trümmern. Erhebe dich für die Liebe
Der Wälder. Erhebe dich für die Liebe der
Flüsse. Erhebe dich für die Liebe der Flüsse,
Täler und Menschen. Erhebe dich für die
Liebe des Menschen erhebe dich oh Beirut ….
Erhebe dich! Die Revolution wird aus dem
Mutterleib geboren.
Ya Beirut …. Ya Beirut.

Sängerin: Majida El Roumi
Lyrik: Nizar Kabbani
Komponist: Jamal Salameh

Immer wenn ich die o.g. schönen, sentimentalen, ewigen Lieder mit ihren traurigen Texten und andere Lieder höre, werde ich atemlos, mein Herz vibriert und schlägt bis zum Hals, meine Augen brechen jedes Mal in Tränen aus. Sie sind gleichzeitig Tränen und Lächeln für mich. Die Stimmen von Feiruz und Majida sind eine Kraft der Natur. Ihre Lieder sind wie Trauer um verlorene Liebe oder warten auf ihre Rückkehr.

Das Land wurde mit Feuer, Waffen und Minen umzingelt. Hungrige Wölfe, Tiger, Hyänen, Leoparden, Schakale, Füchse, in schäbige Männertrachten bekleidet, plünderten, verbrannten, zerstörten die Häuser total, verkauften die Natursteine der schönen libanesischen Steinhäuser und feierten. Die hungrigen Tiere schossen mit ihre Pistolen, Karabiner, Maschinengewehre; Hühner, Tauben, Enten, Störche, Hasen, schlachteten und rupften sie, banden Metalldrähte an ihre Köpfe und Füsse, befestigten die zwei Drähte an zwei Holz- oder Metallstäbe und grillten die Tiere mit brennendem Holz und stillten ihren Hunger und beteten, weil sie angeblich gesiegt haben. Sie kochten dann Tee über dem brennenden Holz, um ihren Durst zu stillen. Die Horden sind weiter gekrochen, tobten, sangen, wie sie es von ihrem hässlichen Füher gehört haben: “die Heilige Stadt Jerusalem wird via die Stadt Jounieh, befreit”!!  (Wahrscheinlich haben sie ihre Kompasse verloren) –  Es gibt noch viel zu erzählen, wie diese Brüder; geplündert, geschlachtet, getötet und junge Menschen entführt und misshandelt haben. Das geschah im Land der Gastfreundschaft und der Feierlichkeiten, so dass die Toten in ihren tiefen Gräber den Tod nicht vergessen konnten und nicht mehr in der Stille ihrer Gräber bleiben konnten! – (Die Stadt Jounieh ist 20 Km nördlich von Beirut entfernt) – Noch mehr: die Horden veranstalteten Bankette auf Gräber und tranken unser Blut, Wein!

Möge Allah (Gott) alle Aggressoren bald dahin führen, wo es sehr heiss und tief ist”!  Wieder ist das Land aus dem Staub, aus dem Feuer, aus dem dunklen Rauch, aus den Kanonen- und Raketenpulfergerüche, aus der Asche auferstanden und blühte wieder, schöner als das bunte Gefieder des sagenhaften Vogels der Antike, den Phoenix. Und wieder ist Beirut die nahöstliche Drehscheibe für Geschäftsleute, Bankiers, Wechselstuben, Shopping Malls, Playboys, Zuhälter, Gigolos, Nachtklubs und Spione geworden, so wie “Paris”, und “Libanon”, so wie die “Schweiz des Nahen Ostens”, für die Araber geworden, wie sie immer war. Beirut, ist eine Stadt die Freiheit und starke Presse geniesst.  Beirut ist die Stadt, die sich weigert zu sterben! Sie ist das Tor der Zivilisation und Religionen! Beirut, die Stadt der Morgendämmerung, ist zurück zur Zivilisation!  Beirut ist die Stadt des Lichts und der Wissenschaft und grossen Geschichte mit tiefen Wurzeln. Ursprünglich hiess die Stadt, “Beroth” d.h. Brunnenstadt der kanaanitischen Phönizier. Im ersten Jahrhundert vor Christus wurde Beirut eine römische Stadt und wurde, Berytus Nutrix Legum,  (Beirut oum al Shar’eh auf arabisch) genannt. Auch pflegende Mutter des Gesetzes. Man kann die Sonne nicht löschen”!!  – Beirut, die Stadt mit über zwei Millionen Einwohner strahlt eine ungeheure Lebensbejahung und Energie aus. Ein Land voller Geschichte, ein verlorenes Paradies, voller Naturschönheiten und Naturwunder zur Erforschung und unglaublich, liebevolle und friedliche Menschen!

In ihren gegenwärtigen Inkarnationen sind Sarona und Wilhelma, bewundernde historische, solide Konstruktionen von sauberen Natursteine, renovierte hölzerne Fensterläden und Türen. Häuser mit rote Ziegeldächer, mit einer Wetterfahne darauf wie in der alten Heimat. Die 37 historischen Häuser in Sarona, die vorbildlich restauriert wurden, sind heute von Glas- und Metallwolkenkratzer umgeben. In ihren früheren Zustände waren die Häuser nicht so schön. Und doch in unseren kollektiven Erinnerungen, waren Sarona und Wilhelma, Orte von grossen Emotionen, von Erwartungen, von Trennungen, von Tränen, von Schmerzen, von Träume – wo in beiden “württembergischen Siedlungen” wir glücklich und traurig waren. (Manchmal sind Tränen beruhigend. Warum, warum sollen wir Schmerzen haben)? Ja, die fleissigen “schwäbischen” Pietisten schufen Mustersiedlungen in Palästina! Es hat etwas Überraschendes plötzlich im Orient so ganz in deutscher Umgebung sich zu finden und die Unverfälschtesten “schwäbischen Laute” ans Ohr klingeln zu hören, und echte deutsche Dörfer zu riechen. Der Fremde, der damals in Sarona und Wilhelma in den Strassen wanderte, fühlte sich in zwei wohlhabenden württembergische Dörfer versetzt, besonders wenn ihm ein schwäbisches “Grüss Gott” entgegenschallt. Die sieben ausserordentlichen deutschen Siedlungen waren die tüchtige Arbeit der deutschen “Schwaben”, die schönsten städtischen Oasen und Juwelen im Heiligen Land. 

Sarona und Wilhelma, ich grüsse euch mit Herz und
Hand, ich grüsse das deutsche “schwäbische” Volk,
das dort schaffte, zwei beliebte deutsche Heimaten im
Heiligen Land, Zierden früher germanischer Kraft
und Ingenieurbaukunst. Ich möchte so gerne, ehe ich
scheide, von Haus zu Haus im goldenen Sonnenschein
wieder wandern. Eure Erinnerungen bleiben in mir wach!
Eure Häuser, die blicken aus Gärten heraus, ich glaub, in
der Heimat zu sein! Eure Pinien-, Palmen-, Eukalyptus-,
Tannen-, Oliven-, Feigen-, Orangen-, Grantäpfel-,
Aprikosenbäume, Bananenpflanzungen, Kletterpflanzen,
lagen entlang den Strassen, gepflanzt von deutsche Hände,
sie schützen vor Stürmen die deutschen Heime und gegen
den Sonnenbrand. Oft waren wir in Sarona am Fenster zu
nächtliche Stunden, ganz nahe, da rauschten die Wellen
am Meeresstrand. Eure Erinnerungen bleiben in mir wach!
Oh, Heime deutsches Leben, deutsche Kultur, deutsche
Erziehung, deutsche Identifikation und deutscher Stolz
mit der Heimat, wo auch immer die Schwaben lebten.
Ich sage euch, adieu, adieu, adieu!! 

Eure Pflanzenpracht gelten noch heute als die schönsten in ganz Israel. Die Friedhöfe der Templer von Haifa, Sarona, Wilhelma und Jerusalem sind zu begeistern, dafür ist es unschwer nachzuvollziehen, denn sowohl die jüdischen als auch die arabischen Friedhöfe sind nackte Steinwüsten.

Wir zitterten von der Dunkelheit, vom Unbekannten in Wilhelma, zum Bekannten Schicksal, nachdem der zweite Weltkrieg vorbei war. Die Internierung ist zu Ende, hoffentlich, dass nun die Wirklichkeit beginnt. Unsere Mutter sprach ab und zu mit der englischen Lagerkommandantur in Wilhelma, sagte, der Krieg ist ja im Mai 1945 beendet worden, warum darf ich mit meinen vier Kinder nicht in die Heimat nach Beirut zurückgehen, von wo man uns im Mai 1941 von unserer Eigentumswohnung per grober Gewalt festgenommen hat und man uns in die zwei deutschen Templer Kriegsgefangenenenlager, Sarona und Wilhelma, interniert hat. Die Antwort der faulen, launischen, unfreundlichen Beamten war: wir haben hier mit Eurer Entlassung nichts zu tun, sobald wir von der englischen Mandatsregierung in Jerusalem eine Antwort diesbezüglich erhalten haben, geben wir Ihnen Bescheid. Wir waren gezwungen weiter zu warten als geschriebene Wörter, bis unsere Namen und unsere Nummern von der Gefangenenliste gelöscht werden, und unsere Akte mit fünf Namen zur Klassifizierung geschickt wird!  Oder warten bis die Zeit unsere Namen löscht!   Oder wir müssen noch hier als Zuschauer, Zeugen, Hörer leben, sehen und hören was hier geschieht und wie unser Schicksal sein wird. Man hat uns sitzend und schlafend auf dem Boden gelassen und vergessen. Unsere Nummern waren laut THE PALESTINE GAZETTE NO. 1627 – SUPPLEMENT NO. 2.  6TH NOVEMBER 1947 – SEITE 32 WIE FOLGT:

865.  Kleinknecht Jamileh
866.  Kleinknecht Anita
867.  Kleinknecht Paul
868.  Kleinknecht Wolfgang
869.  Kleinknecht Hilde

palestine gazette

Wir zitterten manchmal in Sarona und Wilhelma vom kalten Wetter. Unsere Mutter stärkte uns, deckte uns zu, setzte sich neben uns und sang uns arabische Lieder. Die arabischen Lieder meiner Mutter waren für uns unsere schönsten Schlaflieder! So war unser Leben als wir Kinder waren, das von tiefer Elternliebe überstrahlt wurde. Die Eltern weinen um ihre Kinder und Kinder weinen um ihre Eltern!

Seit dem Beginn meiner Schöpfung habe ich nach ein Zuhause und nach der Liebe einer Frau gesucht, die mich an den Rand des Universums führt und mich hineinwirft, und mich als einen Elfenbeinkamm in die Finsternis ihrer Haare führt und in ihre Gedanken lebe, damit sie meine Geheimnisse, meine Träume, mein Leben, mein Herz entdecken kann und mich für immer nicht zu vergessen. Wir sind ein glückliches Ehepaar! Unser hochgebilderter einziger Sohn ist unser Stolz, unser Segen, unsere Freude, unser Trost! Beide sind in meinem Herz mit einer weissen Taubenfeder gemeisselt! Wachen sie aus ihren Träumen auf, liegt die Feder neben ihnen. Wenn ich ihre Stimmen höre, vergesse ich alles was ich ihnen sagen wollte!! Eine weisse Stimme mit vier weisse Tauben verlassen endlich die schwarze Kiste mit ihrer Mutter!

In Libanon ist unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart, unsere Zukunft. Ich kann meine eigene Vergangenheit, wie auch die meiner Ahnen nicht vergessen. Alle Erinnerungen und Gefühle an die Zeit unserer Trennung wurden wieder wach. Wir haben immer nach Libanon geschaut    von ganz fern gefühlt und nun sind wir bald so nah, wo wir kleine Kinder waren, um den ersten Herbstanfang 1946, im Land der Vergangenheit wieder zu erleben! Wir kehren endlich von der erzwungenen Internierung zu dir zurück, suchen unser liebes Haus, wo wir geboren sind, können die Fenster, die Türen, die Wände, den Boden, die Schlafzimmer, den Garten, die Gartenmauer, die Küche, das Badezimmer nicht vergessen, mit zwei Fahnen; die deutsche, Schwarz, Rot & Gold, und die libanesische, Rot, Weiss, Rot mit der Grünen Zeder in der Mitte, und singen das  Lied der Deutschen  und die libanesische Hymne,  Kulluna Lilwattan – und pflanzen nach unserer Ankunft die zwei Fahnen in unserem Garten in Beirut, umgeben mit Blumen, Büsche, Gemüsepflanzungen, Früchtebäume, die wie im Paradies riechen, danken Gott, beten, erhalten seinen Segen und feiern. “Oh komm, lass uns zum Herrn singen, lass uns dem Felsen unserer Errettung einen freudigen Klang machen”. (Psalm 95:1) – Auch die folgenden prophetischen Worte: “Erhebe Dich, strahle, denn Dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit des Herrn erhebt sich über Dich”. (Jesaja 60:1)  Du Land der schönsten und bestens duftenden Blumen, bestens schmeckenden Früchte und Gemüse. In Beirut, in unserem Haus sind wir Gäste beim Gastgeber, in Deutschland sind wir Gastgeber für unsere Gäste und feiern unter dem schönsten Sternenhimmel unsere Rückkehr, mit unsere Freunde, Nachbarn und Verwandten und erzählen ihnen unsere Geschichte, Erlebnisse, Erinnerungen, während unserer Internierung in den zwei deutschen Internierungslagern, Sarona und Wilhelma. Unser Garten in Beirut ist eine Hymne für die Natur, für unsere Nachbarn, für unsere Verwandten, für unsere Freunde und unsere Besucher!!

German anthem

“Das Lied der Deutschen”, bekannt als die Nationalhymne von Deutschland seit 1922. Text : August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1841. Musik: Joseph Hayden, 1797. Adoptiert: 1922. – (نشيد المحبة و الأحترام)  (Die Nationalhymne der Liebe und des Respekts)

 

 

lebanese anthem arabic

Libanesische Nationalhymne. Text: Rashid Nakhle. Musik: Wadih Sabra, 1925. Adoptiert: 12 Juli 1927. (Die Nationalhymne der Liebe und des Respekts)  –  (نشيد المحبة و الأحترام)

wilhelma templer journey

Eine endgültige Ansicht von Wilhelma, Palästina, die von einem Bus genommen wurde, als die deutschen Siedler, Palästina, in 1948, nach Zypern verlassen mussten. Man sieht noch einen Wachturm und einige Busse im Hintergrund und Militärfahrzeuge.

Templers in cyprus1

Templers in cyprus2

Foto von einer Templerfamilie welches man uns von Zypern, in 1948, nach Beirut zugeschickt hat.

 

Ehe wir starteten, schaute meine Mutter in Richtung Norden, (Libanon) dann in Richtung Süden, (Jerusalem) dann wieder in Richtung Norden und flüsterte eine gewisse Zeit. Ihr Gesicht ist blass geworden. Dann hat sie das Kreuz einige Male geschlagen und bewegte ihre Arme in allen Richtungen, als ob sie nach Hilfe suchte. Nach vielen Jahren erinnerte ich mich in Beirut, an diesen traurigen und segenreichen Abschied vor dem Haus in Wilhelma. Ich fragte meine Mutter, ob sie damals gebetet oder gewisse Wünsche hatte. Sie sagte, dass sie gebetet hat. Ich bat sie mir ihr Gebet von damals mitzuteilen, welches sie wie folgt aussprach:

“GUTER GOTT”:
Ich bitte Dich mir den Reisesegen zu geben:
Du hast nach der Sintflut die Arche Noah in Sicherheit auf dem Berg Ararat, mit Noah und seine Söhne Sam, Ham, Japhet gestrandet.
Du hast Abraham, Sarah und Hagar auf ihren Wegen behütet.
Du hast die Kinder Israels mit Moses auf trockenem und sicherem Pfad durch das Meer nach Jordanien geführt.
Du hast die legendäre Königin von Saba, von Jemen, mit ihrem Schiff in den historischen Hafen nach Aqaba, in Sicherheit begleitet, wo ihr Schiff anlegte, als sie König Salamon, in Jerusalem besuchte.
Durch den Stern hast Du den drei Weisen aus dem Morgenland den Weg zu Christus in Bethlehem gezeigt.
Du hast das Kind Jesus, mit seiner Mutter Maria, und Joseph, Marias Mann, sicher ans Ziel Ägypten, geführt.
Geleite auch mich mit meinen vier kleinen Kinder auf allen Wegen, um unsere liebe Heimat wieder zu sehen, und dort wieder leben können.
Lass uns unsere Verwandten, Freunde, Nachbarn, neue Menschen wahrnehmen und ihnen mit Respekt begegnen.
Stärke unsere Hoffnung und erneuere unsere Liebe. Schütze uns vor Gefahren und bewahre uns vor Unfällen.
Gewähre uns Momente des Glücks und lass uns reich beschenkt heimkehren.
Darum bitte ich Dich Jesus Christus, dass mein lieber Mann Albert, mit unsere drei Kinder die in Deutschland sind, bald nach Beirut kommen können, damit unsere vier Kinder ihren lieben Vater und ihre drei lieben Geschwister kennenlernen können und wieder zusammen in Frieden und Glück in Libanon leben können. Guter Gott, wo ist Nohas weisse Taube?
Vielleicht nachdem der Weltkrieg Zwei beendet ist, dass der Friede nicht nur ein Traum sein wird, dessen Nächte sehr lang sind. Wir möchten die Sinfonien des Friedens wieder hören!!    

(E N D E   D E S   G E B E T E S)   

Ist irgendwo im Himmel Gottes unsichtbarer Thron, so ist er hier in Jerusalem, die hochgebaute Stadt, du zweite Burg nach Gottes Burg. Der Oktober Wind – (1946) – der damals in Wilhelma sanft und klar über uns hinstreichte, breitete die Wolken unter dem Thron aus wie einen Teppich.  Plötzlich, ist der Wind unter dem Teppich stehengeblieben, so dass keine Wolke andere Wolken unter dem Thron vertreiben kann. Von Jerusalem ist der Welt das Licht aufgegangen, das selige Licht, in dessen Glanz die Menschheit gross und herrlich geworden ist! Eine Stimme vom Himmel ist in ihrer perfekten Neigung, wie das Klingeln von Gold zu hören! Christus, du bist das Licht und das Leben der Welt!

Wie vor ca. zweitausend Jahren, so soll auch heute von hier der Ruf in alle Welt erschallen, der unser sehnsuchtsvolles Hoffen in sich birgt: Friede auf Erden!

Die Jahre die wir dort verbrachten sind nun feste Erinnerungen. Die Menschen die uns weh taten, haben wir ihnen verzeit. Denen wir weh taten senden wir ihnen unsere Verzeihung. Die uns reichlich beschenkt haben danken wir ihnen vielmals. Falls wir können, würden wir mit unserer Vergangenheit wieder leben. Unser Fluss kann aber nicht rückwärts fliessen und wir können nicht wieder Kinder sein! Unser Fluss hat einen Anfang und ein Ende! Unsere Erlebnisse, unsere Erinnerungen in den zwei deutschen Internierungsareale in Palästina, waren nicht nur schöne und traurige Träume, die in unseren Erinnerungsbildern, in unseren Alben weiter leben. So war unsere Vergangenheit, so ist meine Gegenwart, so ist meine Zukunft! Wer keine Erinnerungen hat, hat keine Vergangenheit, keine Gegenwart und keine Geschichte!

Gläubige waren die Templer und die Palästinadeutschen, alle gut organisiert. Wir sahen nach unserem Abschied von Wilhelma, die Häuser nicht mehr, aber wir fühlten sie immer und würden sie gern in ihrem heutigen Zustand wieder sehen. Mein Herz hat Wunden, ich kann die Schwabenhäuser und die Schwaben nicht vergessen. Die Abschiedsgeschenke und die Abschiedswünsche und die Stimmen der Schwaben vor dem Haus der Familie Held in Wilhelma, der damaligen Zeit, sind unvergesslich und bald werden wir in Beirut, in unserer Eigentumswohnung die erste Freiheitsfeier feiern. Die Auswanderung ins Heilige Land, war für die deutschen Pietistischen Württemberger, die Geschichte einer Täuschung. Als die Templer in Palästina der Nazi Partei beitraten, wechselten die Templer in den 1930er Jahren vom religiösen Messianismus zum politischen Messianismus. Die Templer Sekte im heiligen Land ist in der Tat eine Geschichte voller Widersprüche.

Es war Vormittag 14.10.1946 als wir mit dem Pick-up starteten: Meine Mutter mit Hilde sassen neben dem Fahrer, wir drei hinten zwischen unsere persönliche Sachen, ohne Schutz gegen Wind, Sonne, Regen und Sicherheit. Ein Tag vor unserer Fahrt hatte mich eine Biene unter meinem linken Auge gestochen, meine linke Gesichtsseite war geschwollen, konnte mit meinem linken Auge paar Tage nicht mehr sehen. Der Fahrer fuhr in Richtung Mittelmeer. Während der Fahrt bin ich aufgestanden, um das Meer zu sehen. Hatte eine grüne Mütze auf meinem Kopf gehabt. Der Gegenwind hat mir die Mütze abgenommen. Wir haben gebrüllt, damit der Fahrer stoppen möchte, aber Mutter und der Fahrer haben unser Geschrei nicht gehört. Dann ging es in nördlicher Richtung entlang der Küste und sahen, wie schön das Mittelmeer und die fruchtbare Ebene Sharon, von Jaffa bis Haifa sind. Als wir in Haifa ankamen sahen wir viele Schiffe im Hafen. Plötzlich hörten wir einen donnernden Ton, waren sehr erschrocken, da wir nicht wussten was das ist. Mutter beruhigte uns, sagte das ist die Schiffssirne eines auslaufendes Schiffes.

Aufenthalt in Haifa:


Der Fahrer besorgte uns einen Pick-up, hilfte zusammen mit dem neuen Fahrer unsere Sachen umzuladen. Der Pick-up wurde vom Zollamt mit einer Plane versiegelt. Der Fahrer sagte, dass er unsere Sachen ins Beiruter Hafenzollamt ausliefern muss und nicht bis unsere Wohnung in Beirut. So sind die Zollgesetze. Wir müssen sie dann vom Hafenzollamt abholen, vielleicht Zoll und Gebühre zahlen. Der Fahrer hat abgelehnt uns mit seinem Pick-up mitzunehmen wegen Zollgesetze, die es nicht erlauben Personen mitzunehmen. So hat er unsere Sachen in seinem Pick-up genommen und wir suchten ein Taxi, um nach Beirut zu fahren.

Per Taxi nach Beirut – 1946:


Mutter fand ein Taxi. Es war ein grosses amerikanisches Auto. Mutter und Hilde sassen vorne und wir drei hinten. Dann ging es in Richtung libanesischer Grenzübergang Naqura mit unsere Katze. An der libanesischen Grenze gab es Probleme. Da sah Mutter den Bürgermeister der Stadt Damour, Herr Rafari, der Mutter und Vater kannte. Er war erstaunt uns an der Grenze in ein Taxi zu sehen, fragte Mutter warum er sie und Albert seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Mutter erzählte ihm kurz über unsere Internierung in Palästina. Der Zolldirektor ist ein Freund von ihm. Er sprach mit dem Zolldirektor und erleichterte für uns das Verfahren mit dem Zoll und durften dann weiter fahren. Als wir in Damour ankamen, Mutters Geburtsstadt, sagte sie dem Fahrer er möchte nach der Brücke stoppen, wo es paar Geschäfte gibt, damit sie Früchte, Gemüse, Käse und Brot kaufen kann und unsere leere Wasserflaschen mit kaltes Wasser füllen kann. Wir haben gleich Gurken und Bananen gegessen.

Ankunft in Beirut:


Endlich waren wir am Nachmittag Zuhause. Meine Mutter klopfte einige Male an die Gartentür. Eine Frau mit weissem Schleier (Drusensekte) öffnete die Tür. Bisher hatten wir keine Frauen mit Schleier gesehen. Sie fragte was wir wollen. Meine Mutter sagte ihr, wir sind die Eigentümer dieses Hauses. Wir waren in Palästina interniert. Wir fingen an unsere paar Sachen die wir in der Taxi hatten zu entladen. Die Frau, Um Ramiz, hat mitgeholfen. Als wir im Mai 1941 interniert wurden, gab meine Mutter die Hausschlüssel unserem Nachbar, Abu Mousa Harb, damit er diese ihrem Bruder Tanios geben möchte, um mit seiner Familie in unsere Wohnung zu wohnen. Mutters Bruder ist während unserer Internierung per einem schlimmen Autounfall gestorben. Seine Frau, Schafika, ihre zwei Söhne Emil und William, von unserem Alter, hatte kein Einkommen mehr, vermietete ein Zimmer für diese Frau und ihrem Sohn, Ramiz Abi Saab, der Student in der Amerikanischen Universität war. Im Esszimmer wohnte ihr Bruder, Asmar, mit seiner Freundin. Das Esszimmer wurde mit zwei Schränke in der Mitte wie ein Vorhang geschlossen, damit man das Paar, wenn andere Personen in die Küche, Bad, Toilette, gingen nicht sehen kann. Er reparierte Jagdgewehre und Pistolen.

Abholen userer Sachen vom Beiruter Hafenzollamt:


Zollquittung

Zollquittung vom Beiruter Zollamt vom 20.10.1946.

Nach ein oder zwei Tage ging Mutter zum Hafenzollamt, um unsere Sachen abzuholen. Es war nicht einfach. Man verlangte die Rechnung für unsere Sachen, um Zollgebühre und Verzollungskosten berechnen zu können. Mutter sagte dem Zolldirektor, dass wir mehr als fünf Jahre in Palestina interniert waren und haben kein Geld. Das sind gebrauchte persönliche Sachen, sind wertlos und ich will sie nicht mehr haben. Der Zolldirektor änderte nicht seinen Standpunkt.

Sie ging am nächsten Tag zu Frau Hobeich, die Direktorin des Frauengefängnisses, welches gegenüber unserem Haus war und erzählte ihr dieses Problem. Frau Hobeich sprach mit ihrem Bruder, Scheikh Hobeich, der eine hohe Position in einem Ministerium hatte. Er schaltete sich beim Zollamt ein und Mutter konnte am 20.10.1946 unsere Sachen zollfrei bekommen. Eine mini Gebühr in Höhe von 96 libanesische Piaster, zirka zwei Deutsche Mark war zu bezahlen gemäss Zollquittung Nummer 61297 vom 20.10.1946. Wie primitiv, stur und faul das Beamtentum ist!

Holzhütte im Garten:


Hinter dem Haus im Garten war eine Holzhütte für Gartengeräte, Werkzeuge, Sachen die nicht mehr benötigt sind. Diese Holzhütte vermietete Frau Schafika an einer syrischen Alawiten Familie für zehn libanesische Pfunde im Monat. In dieser Holzhütte gab es keine Toilette, keine Kanalisation, keine Wasserleitung. Der Mann hat ein Loch neben der Hütte in einer Ecke gegraben; er, seine Frau und seine Tochter Aziza haben ihre Bedürfnisse wie Katzen über dem Loch gemacht und schütteten dann Sand ins Loch, um übelriechenden Geruch zu vermeiden. Geduscht haben sie sich am Eingang der Hütte hinter der Tür. Ein Metallfass gefüllt mit Wasser war hinter der Tür, schöpften Wasser mit einer Kelle vom Fass und schütteten das Wasser auf ihre Körper, haben dann das Wasser mit einem Besen in den Garten geschleudert. Die Tochter Aziza war angeblich verlobt. Vom östlichen Küchenfenster konnte ich einige Male sehen, wie sie auch mit dem angeblichen Bruder ihres Verlobten am Fenster der Hütte leidenschaftlich flirtete. Die Familie hat paar Monate nach unserer Ankunft die Gartenhütte verlassen.

Unterkunft in unserem Haus:


Wir fünf mussten vorläufig im Wohnzimmer auf dem kalten Boden schlafen. Die Schwägerin, Schafika und ihr Bruder wollten das Haus nicht verlassen, weil sie angeblich kein Geld haben eine Wohnung zu mieten. Der Student und seine Mutter haben nach paar Tagen das Zimmer verlassen, um uns Platz zu geben. Sie fanden ein Zimmer bei einer Familie, zirka 400 Meter hinter unserer Wohnung entfernt, ganz in der Nähe wo Wafik Mouslimani, Wolfgangs Klassenkamerad damals wohnte. Mutter ging zu der zuständigen Polizeiwache, erzählte dem Chef der Polizeistation unseren Fall. Er schickte einen Polizisten mit Mutter, um Frau Schafika und ihren Bruder zu informieren, dass sie das Haus umgehend verlassen müssen; wenn sie es nicht verlassen wollen, so wird es seitens der Polizei mit Gewalt gemacht. Natürlich erfolgte diese Aktion wie üblich nicht ehe die Polizeibeamten von meiner Mutter einen gewissen Betrag erhalten haben. Drei Nachbarfamilien haben sich freundschaftlich eingeschaltet, teilten Schafika und ihren Bruder mit, dass sie das Haus verlassen müssen weil es nicht ihnen gehört. Ihr habt ja 5 Jahre und 5 Monate in diesem Haus gewohnt ohne Miete zu bezahlen. Der Bruder von Schafika, drohte einige Male mit seiner Pistole, um meine Mutter zu beängstigen, damit sie nicht weiter verlangt, dass er und seine Freundin, seine Schwester und ihre Söhne das Haus zu verlassen.  (Es gibt hier ein Sprichwort:  Die Verwandten sind Skorpione).  Nach einiger Zeit, als sie eine Wohnung in Ost Beirut gefunden haben, um umzuziehen hat Schafika, ihr Bruder, seine Freundin und ihre Söhne das Haus mit ihren Habseligkeiten verlassen.

Tribalismusbenehmen:


Ehe die Schwägerin das Haus verlassen hatte, ging sie ins Esszimmer, nahm einen Stuhl, stieg auf ihn, holte vom Dach eines Schrankes eine kleine verstaubte Papiertüte, zog von ihr ein blutiges Tuch heraus, sagte meiner Mutter, das ist das Blut meines Mannes Tanios. Weil wir in diesem Haus gewohnt haben, habe ich meinen lieben Mann verloren, und wischte ihr Gesicht mit dem blutigen Tuch und hat es mitgenommen.

Frau Schafika hatte während unserer Internierung in Palästina, alles was wir noch im Haus hatten, was verkaufbar war verkauft, um mit ihre zwei kleinen Söhne überleben zu können: Radio, Plattenspieler, Schallplatten, Vaters zwei Jagdgewehre und seine Pistole, die Singer Nähmaschine, Bügeleisen, Bügelbrett, Diesel Heizöfen, Wasserpfeifen, Bienenstöcke, Vogelkäfige, Gartengeräte, Werkzeuge, einige Möbel etc.

Identitätszertifikat Regierung Palästina:


Das Dokument von Government of Palestine wurde von der libanesischen Sicherheitsbehörde nicht anerkannt, wie es auf der Rückseite des Dokuments ersichtlich ist, daher hat der Chef der Sureté Générale, Hadji Touma, unseren Aufenthalt in Libanon nicht verlängert. (ANNULLÉ -> ersichtlich auf der Rückseite). Man verlangte unsere Deutsche Personalausweise, die wir nicht hatten. Wir lebten in Libanon ohne Ausweispapiere bis die Deutsche Botschaft wieder in Beirut eröffnet wurde etwa 1951. Unsere ersten deutsche Reisepässe wurden in 1951 von der Deutschen Botschaft zu Beirut erstellt. Wir waren wieder gezwungene Gefangene in Libanon von 1946 bis 1951.

Libanesische Sequestrationsverwaltung:


Nach unserer Ankunft in Beirut wurde meiner Mutter seitens der libanesischen Sequestrationsverwaltung informiert, daβ unsere Eigentumswohnung in Beirut beschlagnahmt wurde weil wir Deutsche Staatsbürger, Feinde von Frankreich und Libanon sind. Wir müβen eine gewisse Summe an die Sequestrationsverwaltung bezahlen, damit wir die Beschlagnahmung im Beiruter Grundbuchregister aufheben können. Da wir die verlangte Summe nicht beschaffen konnten, hat es bis 1994 gedauert bis wir die Beschlagnahmung im Beiruter Grundbuchregister aufheben konnten.

Vermietung westliches Zimmer:


Nach einer gewissen Zeit sah meine Mutter, die Mutter des Studenten Ramiz, hinter unserer Wohnung in der Mallastrasse, in einem Minimarkt. Sie teilte ihr mit, dass Schafika und ihr Bruder das Zimmer verlassen haben. Falls sie will, kann sie mit ihrem Sohn dasselbe Zimmer bei uns wieder bekommen, zum selben Mietsbetrag, 40,00 Libanesische Pfunde montatlich. Sie hat das Angebot akzeptiert und wohnte mit ihrem Sohn wieder bei uns, weil wir einen Garten haben, das Zimmer grösser ist und unser Haus näher zur Universität ist als das Zimmer wo sie wohnten. Im Sommer wohnten sie in ihrer Eigentumswohnung in den Bergen im Drusendorf, Eitat.

 

Paul in Eitat with Ramez

(Ich) Paul, links vor dem Haus von Ramiz, im Dorf Eitat, in der Nähe der Stadt Aley, Libanon, in den Bergen, im Juli 1949, in nationaler Tracht der Männer der dortigen Gegend, mit ein altes Zündnadeljagdgewehr.

 

Mutters Antrag an die französiche Botschaft in Libanon – 1947:


Anbei die Antwort der französischen Botschaft in Libanon Nummer 604 vom 22.05.1947 wegen Repatriierung von Albert nach Libanon. Wir erhielten diesbezüglich keine Reaktion von der Botschaft, was zu erwarten war.

Repatriierungsantwort französiche Botschaft Beirut

Repatriierungsantwort französiche Botschaft, Beirut vom 22.05.1947.

 

Familienfoto – 1947:


Family pic 3

L –> R: Meine Schwester Anita, mein Bruder Wolfgang, meine Mutter, meine Schwester Hilde, (ich) Paul. Bild in Beirut, 1947. Fotograf: Alfred Daqqouni.

 

Vermietung westliches Zimmer für andere Mieter – 1950:


Nach drei Jahre beendete der Student Ramiz sein Studium. Das Zimmer wurde an einer alten Frau, Anestasia Aratimus, vermietet. Ihr Sohn war ein bekannter Rechtsanwalt. Nach zwei Jahre wurde das Zimmer an einer geschiedenen Frau, Saada Hornes, Palestinenserin, vermietet. Meine Schwester Anita hat 1952 beim deutschen Doktor, Herr Greineder, als Röntgenassistentin gearbeitet. Eines Tages erschien der Mann von Frau Saada, wegen Röntgenaufnahme bei Doktor Greineder. Von seinem Familiennamen vermutete meine Schwester, dass dieser Herr der Mann von Frau Saada sein könnte. Sie teilte ihm mit, dass seine Frau bei uns wohnt. Er gab meiner Schwester einen grossen Betrag bar, damit meine Schwester ihn seiner geschiedenen Frau geben möchte. Anita teilte das erst unserer Mutter mit und gab ihr dann den betreffenden Betrag. Überrascht war die arme Frau als sie das Geld bekam. Bisher bekam sie finanzielle Unterstützung von der Kirche.

Elektrischer Strom im Haus – 1948:


Am 23.12.1948 konnten wir einen Antrag bei der Electricité du Liban, beantragen, um Strom zu haben. Nach paar Wochen hatten wir Strom gehabt. Das Abonnement wurde im Namen von Allemani Albert, ausgestellt, d.h. Albert der Deutsche, gemäss beigefügte Quittung, da unser Familienname zu schwer für die Beamten war. Es war ein Weihnachtsgeschenk!

 

Stromabonnement 23.12.1948

Stromabonnement, Beirut, vom 23.12.1948.

 

Postbeamte sind Diebe:


Ab etwa 1948 konnte unser Vater uns finanziell helfen. Ab und zu schickte er uns DM Banknoten 50,00 bis 100,00 per Luftpost. Wir stellten fest, dass wir einige Briefe nicht erhalten haben. Mutter teilte das dem Postboten Abou Mahmoud mit, warum wir nicht alle Briefe von meinem Mann erhalten haben. Ich habe vier Kinder, benötige jeden Pfennig für die Schule meiner Kinder und, um zu überleben. Weitere Diebstähle gab es nicht mehr. Er hat uns dann im Dorf in den Bergen wo er wohnte zum Essen eingeladen. Meine Schwester Anita schreibt in ihrem Brief vom 11.03.1949 unserem Vater, über das gestohlene Geld und die nicht erhaltenen Postpakete durch den Postboten. Sie hat unserem Vater vorgeschlagen das Geld an die Adresse von Fräulein Augusta Rieg, zu schicken, die im Stadtviertel Zeituné wohnte und nicht mehr an unsere Adresse zu schicken, damit das Geld nicht wieder vom Postboten gestohlen wird.

Wehklage: Sagt mir meine liebe Eltern, warum das Leben in der gezwungenen Auswanderung fremd, eine Quälerei, ein Gefängnis, ein Feuer war? Wir lebten im Geburtsland mit Wohlstand und Glückseligkeit. Wer hatte damals, 1929, eine Eigentumswohnung mit grossem Garten in Beirut, wie wir sie gehabt haben? Wer hatte damals in Beirut, 1926, ein Auto gehabt, wie unser Vater es hatte, mit Kennzeichen 3293? Wie schlimm ist es, wenn man in einem Land paar Jahre lebt, welches nicht sein Land ist. Man lebt mit Schmerzen und Sehnsucht, die schlimmer, schlimmer werden. Wie schlimm ist es, wenn man in seiner Heimat lebt, die Besatzungsmacht sein Haus, sein Land besetzt und sein Haus und sein Land nicht mehr sein Haus und sein Land sind. Mutter, Vater, was sollen wir machen, unser Leben ist noch am Anfang. Wir können das Land nicht verlassen, weil wir keine deutsche Reisepässe haben. Wir sind im eigenen Land noch Gefangene. Falls wir nach unser grosses deutsches Land reisen können, welches noch in Trümmer ist, werden wir wie unsere drei liebe Geschwister dort nicht zusammenleben können. Wir leben hier lieber in Armut und Elend, essen Brot mit Olivenöl und Salz, Brot mit Olivenöl und Thymian, Brot mit Oliven, beten und träumen im Libanon, bis wir erwachsen sind, Arbeit finden und dann in besseren Umständen hier leben können als zuvor. Unsere Gebete, unsere Träume werden uns dann beneiden! Unsere Herzen haben das Herz eines Kindes, sie können nur die Wahrheit sagen!

Unten ist der Brief meiner Schwester Anita vom 11.03.1949 adressiert an unseren Vater Albert, bezüglich des Postbeamten:

letter anita 1Anita

Anitas Brief 11.03.1949

Anitas Brief, Beirut, vom 11.03.1949.

 

Was geschah mit Sarona nach unserer Abreise – 1948 bis 1999:


In den 51 Jahren von 1948 bis 1999 wurden einige der ehemaligen Häuser und andere Gebäude entweder abgerissen oder renoviert. Die umliegenden Orangenhaine und Gärten verschwanden und wurden weitergebaut, als Tel Aviv zu einer großen und wichtigen Metropole wurde. Hauptstraßen und Hochhäuser wurden an den ehemaligen Häuser und Gärten Saronas gebaut. Aber noch wichtiger, viele der ehemaligen Häuser blieben, weil sie (noch) von Regierungsbehörden besetzt waren. Sarona wurde quasi zu einer Oase mitten in der Stadtentwicklung.

cemetery sarona 1

Beschädigter Eingang zum ehemaligen Friedhof von Sarona/Jaffa in den frühen 1950er Jahren.

cemetery sarona 2

Entweihte Gräber auf dem ehemaligen Friedhof, Sarona/Jaffa, in den frühen 1950er Jahren.

cemetery sarona 3

Entfernung von sterbliche Überreste von Sarona/Jaffa Friedhof.

 

Was hat David Ben-Gurion in seinen berüchtigten Zitaten über Palästinenser gesagt:


Erster Premierminister Israels seit Februar 1949. Geboren: 16. Oktober 1886, Plonsk, Polen. Gestorben: 1. Dezember 1973, Ramat Gan, Israel.

“Wir müssen alles tun, um sicherzustellen, dass sie (die Palästinenser) niemals zurückkehren. Die Alten werden sterben und die Jungen werden es vergessen”. – (und vieles mehr):

“Wenn ich ein arabischer Führer wäre, würde ich niemals ein Abkommen mit Israel unterzeichnen. Es ist normal; wir haben ihr Land genommen. Es ist wahr, dass Gott es uns versprochen hat. Aber wie könnte das für sie interessant sein? Unser Gott gehört ihnen nicht. Es gab Antisemitismus, die Nazis, Hitler, Auschwitz, aber war das ihre Schuld? Sie sehen nur eins: wir sind gekommen und wir haben ihr Land gestohlen. Warum sollten sie akzeptieren” (Zitiert von Nahum Goldmann in Le Paraddoxe Juif (Das jüdische Paradox), pp121.

“Lasst uns nicht die Wahrheit unter uns ignorieren … politisch sind wir die Aggressoren und sie verteidigen sich… Das Land gehoert ihnen, weil sie es bewohnen, während wir hier hergekommen und uns niderlassen wollen, und in ihrer Sicht wollen wir ihnen ihr Land wegnehmen. … Hinter dem Terrorismus [von den Arabern] ist ein Moment, der, obwohl primitiv, nicht frei von Idealismus und Selbstaufopferung ist”.

“Wir sollten uns darauf vorbereiten, zur Offensive überzugehen. Unser Ziel ist es, Libanon, Jordanien und Syrien zu zerschlagen. Der schwache Punkt ist der Libanon, denn das moslemische Regime ist künstlich und leicht zu unterminieren. Wir werden einen christlichen Staat dort errichten, und dann werden wir die arabische Legion zerschlagen, Trans-Jordanien zerstören; Syrien wird zu uns fallen. Wir bombardieren und ziehen weiter und nehmen Port Said, Alexandria und Sinai”. (David Ben-Gurion Mai 1948, an den Generalstab. Von Ben-Gurion, eine Biographie, von Michael Ben-Zohar, New York 1978) – (und vieles mehr)

Was hat Golda Meir über die Palästinenser gesagt:


Geboren: Mai 3, 1898, Kiev, Ukraine. Gestorben: Dezember 18, 1978, Jerusalem, Israel.

“Es gibt nicht so etwas wie ein Palästinensisches Volk. … Es ist nicht so, als wären wir gekommen und hätten sie hinausgeworfen und ihr Land genommen. Sie existieren nicht”.

(Golda Meir)

 

Meine Mutter reist nach Deutschland, im Sommer 1954:


Meine Mutter besuchte meinen Vater, mit meine Schwester Hilde, im Sommer 1954, in Wannweil. Sie versuchte ihn zu überreden mit ihr und meine Schwester Hilde nach Beirut, zurückzukehren. Er sagte ihr, dass er vielleicht in Beirut keine Arbeit finden kann und lehnte ab. Mein Bruder Rudolf, besuchte meine Mutter, nach ihrer Ankunft in Wannweil, um sie  wieder zu sehen. Als er in der Jahnstrasse 2, ankam, wo mein Vater wohnte, sah er unsere Mutter, die Strasse vor dem Haus, mit dem Besen kehren. Mein Bruder sagte: Mutter, warum kehrst Du die Strasse? Als sie ihn sah,  (nach 14 Jahre Trennung)  ist sie auf dem Boden, auf ihre Knien gefallen und weinte. Als sie sich erholte, sagte sie ihm, du bist grösser als Paul und Wolfgang, du bist ein schöner junger Mann geworden, lass mich dich wieder küssen, dich wieder umarmen, dich wieder fühlen, mit dir wieder sprechen, neben dir sitzen, mein lieber Sohn, mein lieber Sohn, mein lieber Sohn!!  Der böse Krieg hat uns getrennt, der böse Krieg hat uns getrennt. Der Böse Krieg!  Ich konnte dich in Beirut nicht beibehalten, dein Vater war stärker als ich, er hat dich von meiner Sele, von meinem Herz, von meiner Liebe, von meine Träume, von meine Augen, von meine Wurzeln entfernt! Mein Herz konnte deine Stimme nicht mehr hören!!  Deine kleine Schwester Hilde ist im Haus lass uns hineingehen, damit du sie sehen kannst. Als mein Bruder seine Schwester Hilde zum ersten Mal sah, sagte er ihr, du bist ein schönes, blondes Mächen und küsste sie viele Male.

Meine Mutter konnte nach unserer Rückkehr von Palästina, in 1946, nicht mehr lachen. Sie hat das Lachen vergessen! Ihre Augen tränten immer! Nachdem sie Rudolf, in Wannweil, in 1954, wieder gesehen hatte, tränten ihre Augen nicht mehr und sie konnte wieder lachen.

Hochzeit meines ältesten Bruder Rudolf Kleinknecht mit Lore Fischer – 1954:


wedding rudolph

Hochzeitsbild in Sankt Blasien, Schwarzwald, am 30.11.1954.

 

Rückkehr meiner drei Geschwister nach Beirut – 1954:


Meine Schwester Bertha war die Erste die nach Beirut zurückkam, September 1954. Dann meine Schwester Charlotte, dann mein Bruder Rudolf mit seiner Frau, Lore Fischer. Sie wollten ihre Mutter nach zirka 14 Jahre Trennung wieder sehen. Charlotte brachte ein kleines Radio mit (Zaubergeige). Wie froh wir waren, dass wir Musik, Lieder und Nachrichten hören konnten. Es war das erste Mal, dass die ganze Familie seit 14 Jahre wieder zusammengeführt wurde, ohne unser Vater Albert. Es gibt einige Gründe warum Albert, all diese Zeit nicht nach Beirut zurückkehrte: erstens, wegen Unstimmigkeit und Streit mit unserer Mutter  (ihr Herz war gebrochen als Vater die drei älteren Geschwister nach Deutschland schickte).  Zweitens, er hatte keine Garantie gehabt Arbeit in Beirut zu finden. Drittens, er gewöhnte sich an das ruhige und friedliche Leben in Deutschland und hatte ausreichende Pensionseinkünfte, da er während der zwei Weltkriege seinen Militärdienst geleistet hatte, um dort leben zu können. Viertens, vielleicht hatte er ein schlechtes Gewissen gehabt, weil er nach dem Krieg nicht gleich nach Beirut zurückgekehrt ist.   

Hochzeit meiner Schwester Bertha Kleinknecht mit Johann Herrig – 1955:


Bild: National Evangelical Church of Beirut, in Beirut, 12.03.1955. Links, meine jüngste Schwester Hilde, Tante Linda Kleinknecht, meine Schwester Bertha, im Hintergrund, (ich) Paul Kleinknecht, an meiner linken Seite, meine Schwester Anita.

Meine Arbeit in Libanon von 1955 – 1959:


Von 1955 bis 1956 arbeitete ich als Dollmetscher bei der libanesischen Ingenieurfirma THE MIDDLE-EAST ENGINEERING & COMMERCIAL ENTERPRISES in Beirut.

Von Juni 1956 bis Oktober 1959 arbeitete ich als Expedient bei der deutschen Speditionsfirma “INTERCONTINENTALE” in Beirut.

work 1

Empfehlungsschreiben für meine Arbeit bei THE MIDDLE EAST ENGINEERING & COMMERCIAL ENTERPRISES vom 3 Mai 1956.

work 2

Zeugnis für meine Arbeit bei INTERCONTINENTALE S.A.L vom 1. November 1959.

 

Bürgerkrieg und Operation Bluebat – 1958:


Im Juli 1958 wurde Libanon von einem Bürgerkrieg zwischen Christen und Muslimen bedroht, weil Präsident Camille Chamoun, ein Christ, nicht die diplomatischen Beziehungen mit den Westmächten während der Suez Krise unterbrochen hatte, verärgerte den ägyptischen Präsidenten Gamal Abdelnasser. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Dwight Eisenhower reagierte am 14.07.1958 durch die Autorisierung der Operation Blue Bat (Blaue Fledermaus) und schickte zirka 14.000 Soldaten nach Libanon. Das Ziel der Operation war die Festigung der pro-westlichen libanesischen Regierung gegen die innere Opposition und Drohung seitens Syrien und Ägypten. Die US zogen ihre Truppen am 25.10.1958 ab.

bluebat

american tanks in beirut

Leute klatschen in Beirut für amerikanische Panzer, 1958.

 

Wir wohnten damals in West Beirut, überwiegend von Moslems bewohnt. Die Sicherheitslage für uns war schlecht, weil manche Teile von West Beirut exterritorial waren. Es gab Haussuchungen und Belästigungen von Bewaffneten, weil wir Ausländer und Christen sind. Ein Energa Geschoss explodierte über unsere Köpfe. Meine Schwester Berta und ihre zwei Töchter, Manuela und Andrea und ich waren im Garten. Hatten Gott sei Dank keine Verletzungen gehabt. Ein Ast von einem Orangenbaum in unserem Garten wurde durch einen Splitter getroffen und ist im Garten gefallen. Mein Bruder Rudolf mit seiner Frau Lore und und sein Sohn Rudolf Junior und seine Tochter Judith, mussten das Haus wo sie wohnten verlassen, weil es dort gefährlich wurde. Die Deutsche Botschaft in Beirut hat sie in die Deutsche Schule übersiedelt, und wohnten dort zirka drei Monate in einem Klassenzimmer in der Nähe der Amerikanischen Universität, am Meer, wo es sicherer war. Das war eine gute Aktion seitens der Botschaft.

Familienbild – 1959:


Family pic 4

L –> R.: meine Schwester Hilde, meine Schwester Bertha, mein Bruder Wolfgang mit Manuela, meine Schwester Anita, ich (Paul) im Garten unser Eigentumswohnung in Beirut, 1959.

 

Mein Bruder Wolfgang verlässt Libanon nach Deutschland – 1959:


Wolfgangs Abschlussfeier 1959

Wolfgangs Abschlussfeier , Beirut, 1959. Wolfgang erste Reihe oben links, 4 Rafick Mansour. Unten links: 4 Wafick Mouslimani, seine Freunde. 6 unser Algebra Lehrer Cesar Haddad.

Nachdem mein Bruder Wolfgang sein Studium in der englischen Oberschule in Beirut absolvierte (English School for Boys), wollte er in Deutschland studieren. Damals arbeitete unsere Schwester Anita, als Senior Stewardess bei der libanesischen Luftverkehrslinie MEA Middle East Airlines. Beide sind im selben Flugzeug mit der MEA nach Frankfurt, September 1959 geflogen. Vom Frankfurter Hauptbahnhof ist Wolfgang mit dem Zug nach Wannweil zu seinem Vater gefahren und hat ihn dort kennengelernt. Er arbeitete eine gewisse Zeit in Reutlingen, dann in Stuttgart. Studierte in Bingen Maschinenbau Ingenieur. Nach Graduierung wohnte er in Kelkheim bei Frankfurt, dann in Quadrat-Ichendorf bei Köln, wo er bis heute wohnt.

Arbeit in Doha, Qatar – 1959/1960:


1959/1960 arbeitete ich ein Jahr im Flughfan Doha in der Luftfrachtabteilung der Firma Darwish Fakhro. Klimatisch konnte ich es dort nicht aushalten, bin dann nach Beirut zurükgekehrt.

Meine Schwester Bertha verlässt Libanon nach Deutschland – 1960:


Im Sommer 1960 verlässt meine Schwester Bertha, Libanon, mit ihrem deutschen Ehemann und ihre zwei Töchter, nach Kelkheim-Fischbach in der Nähe von Frankfurt, weil er dort für eine neue Arbeit zugewiesen wurde. Sie lebt noch dort bis heute.

Meine erste Reise nach Deutschland – 1960:


Im Beiruter Hafen, Reise nach Deutschland am 02.07.1960

Im Beiruter Hafen. Reise nach Deutschland, am 02.07.1960. L –> R: Hassan Chamaa, Wolfgangs Klassenkamerad, (ich) Paul Kleinknecht, Hussein Akhal, mein Klassenkamerad, sein Bruder Khaled, unser Vetter Emil Mansour.

Am 02.07.1960 reiste ich das erste Mal nach

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutschland, mit dem Schiff Achilleus nach Venedig, von dort per Zug nach Wannweil. Nach 20 Jahren habe ich meinen Vater in Wannweil bei Reutlingen, in der Jahnstrasse 2, wieder gesehen und kennengelernt. Da ich in Beirut mehr verdienen konnte als in Deutschland, bin ich am 27.09.1960 nach Beirut zurückgekehrt.

Als ich am Nachmittag im Wannweiler Bahnhof ankam, der ca. 300 Meter von meines Vaters Haus entfernt ist, sah ich gleich die Jahnstrasse, wo er wohnte. Ich trug meinen Koffer und ging in Richtung seiner Wohnung. Ich erstarrte gleich vor Schreck und bin stehengeblieben. Ich sah hier die Strassen und die württembergischen Häuser wieder, die genauso aussehen wie die schwäbischen Häuser in Wilhelma und Sarona. Ich hatte leider keine Kamera gehabt, um sie zu fotografieren. Diese Strasse hatte keine Bürgersteige, genauso wie die Strassen in Wilhelma und Sarona, und war kaum asphaltiert. Die deutschen Steinhäuser in Wilhelma und Sarona, sahen doch schöner aus als die Häuser in Wannweil.

Ich hörte eine Frauenstimme die sagte: Sie Ausländer, warum sind Sie stehengeblieben. Ich schaute rechts und links, sah an der linken Seite der Strasse eine blonde Frau am Fenster des Wohnzimmers, die mich fragte, Sie suchen wen? Ich sagte ihr, Albert Kleinknecht ist mein Vater. Sie sagte, er ist im Moment nicht Zuhause, aber er teilte mir vor paar Tagen mit, dass Sie ihn in Kürze besuchen werden. Ich ging weiter, klopfte an die Haustür einige Male, um festzustellen, ob er vielleicht doch Zuhause ist. Die Tür wurde nicht geöffnet. Ich stellte den Koffer vor der Haustür, setzte mich auf den Koffer und bin nach dieser langen Reise eingeschlafen. Nach einer gewissen Zeit hörte ich das Klingeln einer Fahrrad Klingel. Eine blonde Frau auf dem Fahrrad sitzend, sagte, mein Name ist Maria, Ihr Vater hat mir den Schlüssel der Haustür gegeben, damit ich ihn Ihnen geben kann falls er nicht Zuhause ist. Der Schlüssel war mit einem Faden am Fahrradgelenk gebunden, der hin und her pendelte. Ich bedankte mich, öffnete die Tür, bin reingegangen und wartete bis mein Bruder Wolfgang und mein Vater gekommen sind. Das erste was mein Vater sagte, du bist grösser als Wolfgang, fragte weiter, ob ich ihm Baklawa, Halawa, zwei libanesische Arak Flaschen, das Brettspiel, mitgebracht habe, die ich ihm gleich überreichte.

Onkel Adolf – 1960:


Als ich Onkel Adolf, 1960 mit meinem Bruder Wolfgang in Reutlingen besuchte, bat er mich wenn ich wieder in Beirut bin, ihm Schallplatten zu schicken, mit arabische Lieder von die damals bekannten Stars; die syrische Sängerin, Asmahan Al-Atrash, Tochter eines syrischen Drusenprinzen, ihr Bruder, der Musiker Farid Al-Atrash, berühmter Sänger, Schauspieler, Komponist und vom Musiker Mohammad Abdelwahab, auch berühmter Sänger, Schauspieler und Komponist.  

Während unseres Besuches fragte mich die blinde Frau meines Onkels, ob ich für sie einige arabische Lieder singen kann. Ich sagte ihr, ich kann teilweise das Lied “Ja Mustapha” des ägyptischen Sängers von libanesischer Abstammung, Bob Azzam, singen. Sie bat mich zu singen, was ich kann. Ich fing an das Lied auf arabisch zu singen. Nach einigen Sekunden begann sie vor Freude zu weinen. Unten einige Texte dieses Liedes in arabisch und die Übersetzung in deutscher Sprache:

يا مصطفى يا مصطفى انا بحبك يا مصطفى سبع سنين بالعطارين بين الحبايب و اللايمين تعالى يا مصطفى نرجع اللي كان و نرجع امانينا محبة و حنان  

“Ja Mustapha, ja Mustapha, ich liebe Dich Mustapha.
Sieben Jahre in Attareen   (ein Vorort von Alexandrien)
mit den lieben Freunden und den Tadlern. Komm Mustapha
lass uns alles wieder bekommen wie es war auch unsere Wünsche
mit Liebe und Zärtlichkeit wieder bekommen …… “.

Sie stand von ihrem Stuhl auf und ging auf mich zu, küsste mich einige Male und sagte, singe es wieder, bitte singe das Lied nochmal! Es war das erste Mal seit ihrer Abreise von Beirut nach Deutschland, im Jahre 1941, nach 20 Jahren, sie von einer Person in ihrer Gegenwart ein arabisches Lied hörte. Sie sagte, das ist das schönste Lied welches mein Herz seit längerer Zeit gehört hat.

Bob Azzam, erreichte mit diesem Lied grossen Erfolg in der arabischen Welt und Europa in den 1960er Jahren.

Geboren: 20.10.1925, Kairo, Ägypten
Gestorben: 24.07.2004, Monaco

Asmahan

Asmahan, syrische Drusenprinzessin.

Obwohl Asmahan von einem streng konservativen, wohlhabenden drusischen Herrschergeschlecht aus Syrien stammte; sie trank, gab viel Geld aus, amüsierte sich gerne auf Partys, liebte den Luxus. Die Bildschöne Frau, mit ihre schönen grünen Augen, hatte eine phänomenale Stimme, mit welcher sie, und mit ihrer glamourösen und geheimnisvollen Erscheinung das Publikum in ihren Bann zog. Ihr berühmtes Walzerlied, welches ihr Bruder Farid Alatrash componierte hatte lautet wir folgt:

FROHE NÄCHTE IN WIEN“:

“Frohe Nächte in Wien, ihre Brise ist von
den 
Lüften des Paradieses, eine Melodie
so schön 
in der Luft schallend, als die Vögel
sie hörten 
weinten und sangen sie mit. Und
inmitten des Klirrens der Gläser und dem
Klang 
der Melodie schwingst du wie die
Zweige in der Brise. 
Erlange Glück für deine
Seele, lass dein Herz sich erfreuen. 
Deine
Lieben sind überall um dich herum. Das
Paradies ist  nicht fern. Wenn du es haben
kannst 
vergisst du das ganze Universum
darin. Was bleibt 
von dieser Glückseligkeit
übrig 
als sein Schatten? Ein Gespenst das
mit deine Illusionen wandert, ein Geist der
deine Träume begleitet. Warum verbringst
du die Tage ohne ein Wort zu sagen? Erfreue
dich, singe, sende dein Herz schwimmen in
der Luft, aufsteigen um eine Gefährtin in
dieser Welt zu finden. Vergnüge dich mit ihr,
um glücklich mit ihrer Liebe zu sein. Geniesse
deine Jugend solange dein Herz mit ihr ist.
Das ist Wien, ein paradiesischer Garten. Oh
Wien deine Nächte sind fröhlich, eine Melodie
so schön in der Luft schallend, als die Vögel
sie hörten weinten und sangen sie mit”.

Sängerin: Asmahan Alatrash
Komponist: Farid Alatrash

ليالي الأنس في فيينّا نسيمها من هوا الجنّة نغم في الجوّ  له رنّة سمع لها الطير  بكى و  غنّى. ما بين رنين الكاس و رنّة الألحان قد الأوان ميّال تعاطف الأغصان تم النعيم للروح و  العين.  ماتخلّي قلبك يتهنّى ادي الحبايب عالجنبيتن ايه اللي فاضل على الجنة

متع شبابك في فيينا دي فيينا روضة من الجنّة نغم في الجو له رنّة سمع لها الطير بكى و غنّى ساعة هنا لو تفضالك تنسى معاها الكون كلّه ايه اللي رايح يبقالك من النعيم ده غير ظلّه خيال ساري مع الأوهام و طيف جاري مع الأحلام و ليه تصبر على الأيام تفوت من غير ما تتكلّم دي.  ليلة الأنس  في فيينا نسيمها من هوا الجنّة نغم في الجوّ له رنّة سمع لها الطير بكى و غنّى

افرح  و اطرب ابعت قلبك يسبح و يطير في الدنيا دي يلقله سمير تهنا بقربه و تسعد بهواه و اتهنّى شبابك و القلب معاه دي فيينا روضة من الجنة يسعد لياليكي يا فيينا نغم في الجوّ له رنّة سمع لها الطير بكى و غنّى

welches ihr Bruder komponierte, ist ein arabisches Loblied für die Jugend und Schönheit der Stadt Wien, obwohl sie diese ferne Stadt nie besucht hatte. Wenn sie sprach, waren ihre Worte Lieder, wenn sie sang, waren ihre Lieder Worte. Ihre Stimme war bunt. Asmahan, die bekannte Drusenprinzessin, Sängerin, Schauspielerin, früher Superstar Ägyptens geworden, 1918 geboren, mit nur einem Lied, bevor sie am 14. Juli 1944 bei einem mysteriösem Autounfall mit 26 Jahren ums Leben kam. Ihr Auto kam von der Strasse ab und stürzte im Damietta Fluss. Asmahan war Filmdiva, Musikikone und Femme fatale der arabischen Welt der 1940er Jahre. Als sie dieses Lob- und Liebeslied für die ferne, fremde, paradiesische Stadt Wien, 1944 gesungen hatte, dasselbe Jahr als die Allierten, Wien erreichten, und Wien Ende des zweiten Weltkrieges bombardiert wurde. Bis heute wirkt das Lied in arabischen Ländern, wo es noch täglich in Cafés, Restaurants, Radio, Fernsehen gespielt wird. Es weckt noch immer Sehnsüchte und Hoffnungen nach einer fernen, wunderschönen und fremden Stadt. Noch immer träumen Reisende und Touristen aus dem Mittleren Osten und Nord Afrika vom schönen Wien.

Ihr Leben war kurz wie eine Kerze, um Menschen mit ihre faszinierenden, sentimentalen Lieder zu illuminieren, zu erfreuen, zu verzaubern, bis die Kerze durch ihre eigene Flamme verbrannt wurde.

Ihr Bruder Farid Alatrash, auch sehr berühmt mit seine Filme und seine viele komponierten Lieder. Das Tango Lied  Ya Zahratan Fi Khayali  –  يا زهرة في خيالي رعيتها في فؤادي …….  (Oh Blume meiner Fantasie, habe sie in meinem Herz gepflegt)  hat sehr grossen Erfolg gehabt und hören die Araber vom atlantischen Ozean bis zum Golf noch heute sehr gern.

Auch Lieder von der legendären ägyptischen Sängerin Umm Kulthum, die man Planet des Ostens titulierte كوكب الشرقIhr Ruhm in der arabischen Welt ist mit dem von Maria Callas, Edith Piaf und den Beatles in der westlichen Welt vergleichbar.  

Umm Kultum ist in 1904 geboren und in 1975 gestorben. Sie war unbezweifelbar die meist begabte Sängerin und Musikerin des 20igsten Jahrhunderts in der arabischen Welt. Sie war ununterbrochen über mehr als 50 Jahre populär und ihre viele Lieder werden nächtlich von mehreren arabischen Radio- und Fernsehsender gesendet. Umm Kulhtum ist eine von fünf Sänger welche legendären Rang in ägyptischer Musik erzielte. Die anderen vier sind: Mohammad Abdel Wahab, Farid al-Atrash, Abdel Halim Hafez und die Sängerin, Leila Mrad.

Ihre zwei populäre, ewige, beliebte Lieder für die arabische Welt sind:
(ALF LEYLA WA LEYLA   (1001 NACHT)   und   INTA OMRY   (DU BIST MEIN LEBEN)

ALF LEYLA WA LEYLA  –  (1000 UND EINE NACHT):
Mein Liebling, mein Liebling, mein Liebling.
Die Nacht und ihr Himmel, ihre Sterne, ihr
Mond, Mond, sie bleiben wach die ganze Nacht.
Du und ich mein Liebling, mein Leben. Mein
Liebling, mein Liebling, mein Liebling. Wir
Beide zusammen sind in der Liebe gleich.
Und Liebe, oh von der Liebe, oh von Liebe, oh
Von Liebe. Die Liebe ist die ganze Nacht wach,
Schenkt uns ein Getränk für Glücklichkeit und
Wünscht uns viel Zufriedenheit. Mein Liebling.
Lass uns leben in die Augen der Nacht, lass uns
Leben in die Augen der Nacht. Und der Sonne
Sagen komm, komm zurück nach ein Jahr. Nicht
Vor ein Jahr kommen, komm, komm, komm,
Nach ein Jahr. Nicht vor ein Jahr. In einer
Liebesnacht so lieb wie tausend und eine Nacht,
Tausend und eine Nacht, tausend und eine Nacht.
Sie sagen Leben, was ist innerhalb des Lebens,
Wie eine Nacht wie heute, wie heute Abend, heute
Abend, heute Abend. Wie, wie, wie kann ich Dir
Mein Liebling beschreiben, wie bevor ich Dich liebte,
Du warst. Ich kann mich an gestern nicht erinnern
Und habe kein morgen, um zu warten und niemand
Ist mit mir heute, oh mein Liebling. Habe Dich in
Einem Augenblick geliebt und Du hast mir gezeigt
Wo die schönsten Tage sind, wo die schönsten Tage,
Wo die schönsten Tage. Nach der Einsamkeit der Nacht,
Hast Du sie mit Sicherheit ersetzt. Und, und das Leben
Welches eine Einöde war, Einöde, wurde ein Garten.
In einer Liebesnacht, in eintausend und einer Nacht,
Eintausend und eine Nacht. Sie sagen so ist das Leben.
Was ist Leben, eine Nacht wie heute Abend, wie heute
Abend, heute Abend, wie heute Abend.

Komponist: Baligh Hamdi
Lyrik: Morsi Gamil Aziz

 

(INTA OMRY   –   (DU BIST MEIN LEBEN):
Deine Augen führten mich zurück zu meine vergangenen
Tage. Sie lehrten mich die Vergangenheit und ihre Wunden
Zu bedauern. Alles was ich sah, bevor meine Augen Dich
Sahen, war ein wertloses Leben. Wie konnten sie diesen
Teil meines Lebens berücksichtigen. Mit Deinem Licht hat
Die Morgenfrühe meines Lebens angefangen. Wieviel
Von Meinem Leben bevor Dich war verloren? Es ist eine
Wertlose Vergangenheit, mein Liebling. Mein Herz kannte
Nie Glück bevor Dich. Mein Herz wusste nie etwas vom
Leben, anders als den Geschmack der Schmerzen und die
Schmerzen. Ich habe erst jetzt angefangen mein Leben zu
Lieben. Und fing an mir Sorgen zu machen, dass mein
Leben enden wird. Das Glück welches ich mir wünschte
Bevor Dich, meine Träume fanden es im Lichte Deiner
Augen. Oh mein Liebling, Du bist wertvoller als mein Leben.
Warum habe ich Deine Liebe nicht früher gefunden. Du bist
Mein Leben welches mit der Morgenfrühe mit Deinem Licht
Anfängt. Die schönen Nächte und die Sehnsucht und die grosse
Liebe. Seit einer längeren Zeit hat mein Herz Verlangen für
Dich. Geniesse die Liebe mit mir bisschen, bisschen von der
Freundlichkeit meines Herzens, welches Sehnsucht für die Freundlichkeit Deines Herzens hat. Führe Deine Augen nahe,
So dass meine Augen sich im Leben Deiner Augen verlaufen
Können. Reiche mir Deine Hände, so dass meine Hände in
Verbindung Deiner Hände bleiben. Meine Liebe, komm, das
Genügt. Was wir vermissten ist nicht wenig, oh Liebe meiner
Seele. Du bist wertvoller als meine Tage. Du bist schöner als
Meine Träume. Führe mich zu Deiner Sehnsucht. Führe mich
Fern vom Universum. In die Ferne, in die Ferne, ich und Du.
In die Ferne, in die Ferne, alleine. Mit Liebe erwachen unsere
Tage auf. Wir verbringen die Nächte mit Sehnsucht zusammen.
Ich habe mich mit die Tage wegen Dich versöhnt. Ich habe die
Zeit wegen Dich verzeit. Mit Dir habe ich meine Schmerzen und
habe mit Dir mein Elend vergessen.

Komponist: Mohammad Abdel Wahab
Lyrik: Ahmad Shafik Kamel

(E n d e)                    

Und selbstverständlich Superstar und hochbegabtester Musiker, Sänger, Schauspieler, Komponist seiner Zeit und des 20igsten Jahrhunderts, den Ägypter Mohammad Abdel Wahab, attraktiv mit seiner Grösse und beliebt mit seiner baritone Gesangstimme und sein Tarbusch und seiner Laute (Uud). Mit seinen schätzungsweise 1000 komponierten Lieder hebt sich dieser Musiker, König der ägyptischen Musik und Genie der arabischen Musik aus der Reihe der arabischen Musiker deutlich heraus. Man vergleichte ihn als Mozart, Haydn und Beethoven des Orients.

Als ich am 12.09.1960 in Beirut per Schiff angekommen bin, schickte ich nach paar Tage das Päckchen mit den Schallplatten an Wolfgangs Adresse in Wannweil, damit er sie Onkel Adolf geben kann, da ich seine Adresse nicht hatte. Als mein Vater das Päckchen in seiner Wohnung auf dem Tisch sah, für seinen Bruder Adolf bestimmt ist, hat er es vom Fenster in den Garten rausgeschmissen, vielleicht wegen Eifersucht. 

Adolf

Onkel Adolf in der traditionellen Beduinenbekleidung, die er während seines Dienstes in Libyen, während Weltkrieg II, bei der deutschen Armee, gekauft hatte.

Reutlingen

Spaziergang in der Hauptstraße, die Kaiserstraße der Stadt Reutlingen, in 1960. Von links nach rechts: mein Bruder Wolfgang, ich Paul, Jacques Talon, Wolfgangs Freund.

 

Mein Bruder Rudolf verlässt Libanon nach Deutschland – 1961:


Im Sommer 1961 verlässt Rudolf, Libanon, mit seiner Familie nach Sankt Blasien, Deutschland, weil er keine Zukunft für sich und seine Familie in Libanon feststellte. Er arbeitete dort als Küchenchef in einem Sanatorium. Er lebt dort bis heute.

Rudolf mit seiner Frau Lore, sein Sohn, seine Tochter, Onkel Theodor, Mutter Jamileh, sein Bruder Paul (Ich), seine Schwester Hilde, unser Freund Ghassan Chamaa, seine Schwester Anita

Von L –> R erste Reihe: Onkel Theodor, unsere Mutter, Frau Azzi von Mutters Verwandtschaft, Rudolfs Sohn, Samir Sleit, Rudolfs Freund, Rudolfs Tochter Judith. Zweite Reihe oben: Paul (ich), mein Bruder Rudolf, meine Schwester Hilde, unser Freund Hassan Chamaa, meine Schwester Anita, Rudolfs Frau, Lore, Tochter von Frau Azzi. Bild im Beiruter Hafen 1961.

 

Vertreterarbeit in Beirut – 1962:


Als ich von Deutschland zurückkehrte arbeitete ich eine gewisse Zeit in Beirut in der Transitabteilung der libanesischen Speditionsfirma Near East Transport Co.

1962 fing meine Tätigkeit in Libanon, als Vertreter Deutscher Firmen im Bereich, Vertrieb von neuen Autoersatzteilen an. Mitte der 1970iger Jahre dehnte ich meine Tätigkeit nach Syrien, Jordanien und Saudi Arabien aus. Ich arbeite bis heute in diesem Bereich, obwohl ich heute meine Arbeit nur im libanesischem Markt beschränkt habe.

HOTEL BARON, Aleppo:


Ab Mitte der 1970iger Jahre wohnte ich im historischem Hotel Baron in Aleppo, Gastgeber in der Vergangenheit für sehr viele berühmte Leute wie: Agatha Christie, ihr Ehemann der Archäologe, Sir Max Mallowan, T.E. Lawrence (of Arabia), Kamal Ataturk,  (Vater der Türken, Gründer der mordernen Türkei),  König Faisal I von Irak und Syrien, Marschall Colmar von der Golz, Generalleutnant Liman von Sanders, David Rockfeller, Charles Degaulle, Pilotin Amy Johnson, Flieger Charles Lindbergh, Gertrude Bell, Baldur von Schirach, Dr. Hjalmar Schacht, Anwar Sadat, Präsident Hafez al-Assad und viele andere berühmte Persönlichkeiten. Als ich die Familie Mazloumian, Inhaber des Hotels, speziell den Sohn Armen, sehr gebildet, freundlich, grosszügig und hilfsbereit, seine Hobbies sind wie meine Hobbies, kennengelernt habe sind wir gute Freunde geworden. Armen und ich verbrachten zusammen viele Nächte während meiner Aufenthälte bis spät nach Mitternacht im Balkon, hörten Nachrichten von BBC über die kriegerischen Ereignisse in Libanon und anderen Teilen der Welt. Wir machten zusammen Ausflüge zu den archäologischen Toten Städte westlich von Aleppo und die östlichen Städte Ar-Raqqah, Tell Abiad, Al-Rasafeh, Dayr az-Zor, die Ja’abar Burg, Tabqa Damm und besuchten die Reste des Sommerschlosses des Abbassiden Kalifen, Harun El Rashid, in Ar-Raqqa. In der Stadt Dayr az-Zor suchten wir ein Restaurant, um etwas essen zu können. Leute in der Strasse teilten uns mit, dass die Restaurants entlag des Flusses Euphrat, Schardach heissen. Wir hatten dann schmackhaftes gegrilltes Hammelfleisch, Hommos und Salat gegessen und sind gegen Mitternacht in Aleppo angekommen.

Wir haben öfters gegen Mitternacht zwei besondere Sandwiche, sehr lecker, einzigartig für Aleppo, Toschka und Maria, von ein kleines Restaurant in der Nähe des Hotel Baron bestellt. Armen erzählte mir, dass diese Sandwiche nach zwei jungen, schönen Frauen, die von der ungarischen Revolution im Jahre 1956 geflohen sind, genannt wurden, fanden Zuflucht als Tänzerinnen in einem Nachtclub in Aleppo. Während eines Abends fragte der Besitzer der Imbiss-stube die beiden jungen ungarischen Frauen, die in seinem Restaurant Stammgäste waren, um ihm Lieblingsspeisen zu beschreiben, die sie aus ihrer Heimat vermissen, damit er sie für sie kochen kann. Im Sommer sassen wir im Balkon entlang der Hauptverkehrsstrasse, haben diese Sandwiche mit heissen, manchmal mit kalten Tee getrunken. Im Winter genossen wir diese Sandwiche innen im grossen Restaurant oder in der schönen Bar, oder in der Halle gegenüber der Bar und tranken Tee. Armen sagte mir öfters, Paul du bist mehr Engländer als Deutscher. Deutsche sind Biertrinker!

the baron hotel aleppo syria

Hotel Baron in Aleppo, Syrien, heute.

Paul and Armen

Stehend: Armen (links) und (ich) Paul (rechts) mit Freunden in der Nähe der toten Städte, westlich von Aleppo, April 1986.

Roman road syria

Römerstrasse 40Km westlich von Aleppo. Gebaut während der Höhe des römischen Strassenbaus in 2AD. Haltbarer als Stahl und Beton.

 

Ich bekam immer eines der besten Zimmer im Baron Hotel, Nummer 205, mit Balkon an der östlichen Seite und spezielle Aufmerksamkeit. Die Familie hatte ihren Esstisch im nördlichen Teil des grossen Restaurants. Zum Mittag- und Abendessen hatte die Familie immer frischen Zitronensaft in einem Glaskrug auf dem Tisch gehabt und man hat mir öfters ein Glas Zitronensaft auf meinen Tisch zugestellt wenn ich im Hotel Restaurant gegessen habe. Bei Ankunft im Hotel haben die Kellner, Zimmermädchen und Leute die im Hotel arbeiten in arabischer Sprache gesagt,  (ischa al Almani)  d.h. der Deutsche ist gekommen, weil mein Familienname schwer für sie auszusprechen ist. Hotel Baron war immer die Wahl für Staatsgäste höherer Ränge, sowie für prominente arabische und internationale Personen von der politischen, sozialen und künstlerischen Welt. Während meiner vielen Aufenthalte in diesem Hotel, zirka 15 Jahre sah ich folgende bekannte Gäste:

Nadia Gamal: geb. Maria Kardialis (1937-1990) Beirut, Libanon. Ägyptische Tänzerin und Schauspielerin wurde populäre Tänzerin in raqs sharki und baladi d.h. Folkstanz.
Demis Roussos: Griechischer Sänger. (1946-2015)
Tony Hanna: Libanesischer Sänger.
Sammy Clark: Libanesischer Sänger.
Toros Siranossian: Armenier, Inhaber des Nachtclubs EPI CLUB in der Phoenicia Strasse in Beirut.
Charles Glass: Amerikanischer-britischer Author, Journalist und Mann vom Rundfunk spezialisiert im Mittleren Osten. Er wurde in Beiruts südlichen Vorort, Ouzai, im Juni 1987 entführt. Nach 62 Tage von Terror als Geisel in Beirut war es ihm um Haaresbreite möglich zu entfliehen.
Rifaat al-Assad: Bruder des syrischen Präsidenten Hafez al-Assad.

Während ich diese Geschichte schreibe tobt ein schrecklicher Krieg in Aleppo. Bei dieser Gelegenheit sende ich meinem Freund Armen und seiner Mutter meine besten Grüsse und viel Geduld zu haben und nicht die Hoffnung aufzugeben. Es gibt viele Menschen auf diesem Globus, die diese Fundgrube lieben und wenn dieser schmutzige Krieg zu Ende ist, ich froh bin ihn und das HOTEL BARON wieder zu sehen, wo ich längere Zeit während des libanesischen Bürgerkrieges wohnte.

In Damaskus wohnte ich am Anfang im OMAYAD HOTEL, gebaut in 1952. Da es bei diesem Hotel keine Parkplätze für Autos gab, bin ich in das neue SHERATON HOTEL umgezogen, wo es ausreichende Parkplätze gab.

In Jordanien wohnte ich im alten PHILADELPHIA HOTEL, im Stadtzentrum, gegenüber das alte historische römische Amphitheater, geschnitten in die Seite des Hügels, wo kulturelle Veranstaltungen und Sommerfestspiele veranstaltet wurden. Dieses alte Hotel hatte ein Schwimmbad und ein Theater gehabt, sah aus wie eine alte Burg, das von der jordanischen Regierung von der Familie Nazzal in den 1980ger Jahren abgekauft und abgerissen wurde, um einen grösseren Stadtplatz gegenüber das antike römische Philadelphia Amphitheater für touristische Zwecke zu haben. Auch in diesem Hotel sagten die Kellner und Leute die in diesem Hotel arbeiteten,  ischa al Almani, mustaschrek fi qota al siyarat,  d.h. der Deutsche Orientalist für Autoersatzteile ist gekommen, weil mein Familienname für sie schwer auszusprechen ist. Auch nannte man mich, der  Nachtfaher  ist gekommen, weil ich generell gegen acht Uhr morgens angekommen bin.

Philadelphia hotel

Philadelphia Hotel in Amman, Jordanien.

 

Hochzeit meiner Schwester Hilde Kleinknecht mit Alain Khoury in Beit Mery, Libanon – 1964:


Bild im Bristol Hotel Beirut 10.10.1964

Bild im Bristol Hotel Beirut 10.10.1964.

 

Meine Schwester Hilde verlässt Libanon nach Ghana – 1964:


Nach ihrer Hochzeit, verlässt Hilde Libanon mit ihrem Mann nach Ghana, weil seine Arbeit dort war und später nach USA in Nebraska und schließlich nach Florida, Fort Lauderdale, USA, wo sie bis heute noch wohnt.

Meine Schwester Charlotte verlässt Libanon nach Schweiz – 1965:


Kurz nach Hilde, reiste meine Schwester Charlotte mit ihrem deutschen Verlobten nach Genf, Schweiz, um dort zu arbeiten. Später sind sie nach Zürich umgezogen, wo meine Schwester bis heute wohnt.

Hochzeit meiner Schwester Charlotte Kleinknecht mit Jan Schnittker in Besigheim, Deutschland – 1965:


Bild in Besigheim am 30.04.1965

Bild in Besigheim am 30.04.1965. Sie wollte dort getraut werden, weil sie während des Krieges als Pflegetochter bei der Familie Kälble wohnte.

 

Meine Schwester Anita verlässt Libanon nach Deutschland – 1965:


Anita verlässt Libanon nach München, Deutschland, weil ihr Verlobter (der heute ihr Mann ist) dort einen Arbeitsplatz bei der Firma Siemens bekommen hat. Sie lebt bis heute in Germering in der Nähe von München mit ihrem Ehemann.

Hochzeit meiner Schwester Anita Kleinknecht mit Joachim Stütz in Deutschland – 1965:


Bild in Deutschland am 02.07.1965

Bild in Deutschland, am 02.07.1965.

 

Hochzeit meines Bruders Wolfgang mit Margrit Kiske in Deutschland – 1966:


Bild in Deutschland am 30.12.1966 

Bild in Deutschland, am 30.12.1966.

 

Leben mit meiner Mutter – 1965 – 1985:


Während dieser Zeit war ich der einzige der in Libanon lebte und es blieb so, da keiner von meinen Geschwistern nach Libanon zurückkam, es sei denn für einige kurze Besuche. Ich war auch der einzige, der noch nicht verheiratet war. Ich lebte mit meiner Mutter bis zu ihrem Tode im Jahre 1985, obwohl ich viel wegen meiner Arbeit reiste.

Familienbild – 1970:


Sabah

Bild meiner Schwester Anita (rechts) und ihr Mann Joachim (links) mit der berühmten libanesischen Sängerin und Schauspielerin Sabah (Mitte) in Zahle, Libanon, 1970. Man titulierte sie, Sonne aller Sonnen, Lerche des Tales.

 

Reise mit meinem Vater Albert Kleinknecht nach Beirut per Auto – 1973:


Am 18. September 1973, bin ich nach Deutschland gereist, kaufte einen gebrauchten Opel Commodore Pkw, Baujahr 1969 vom Kollegen meines Bruders Wolfgang, Peter Born. Ich besuchte meinen Vater in Wannweil, sagte ihm, da Du Angst hast mit dem Flugzeug zu fliegen, so kannst Du mit mir jetzt mit dem Auto nach Beirut fahren. Er hat meinen Vorschlag akzeptiert und wir starteten am 18.10.73, sind nach Beirut gefahren und am 22.10.1973 gut angekommen. Habe seinen Koffer getragen, ihn im Kofferraum gestellt. Als er neben mir im Auto sass, hatte er ein kleines Radio mitgebracht. Ich fragte ihn, warum er sein Radio mitnehmen will. Er sagte, dass er wissen will, bis welcher Entfernung er deutsche Sender hören kann. Ich sagte ihm, im Auto gibt es ein Radio, wir können vom Pkw Radio feststellen, bis wo wir deutsche Radiosender hören können. Er blieb stur wie ein Kind! Eine Panne hatten wir an der bulgarischen Grenze gehabt. Ich sah, dass die Motortemperatur zu hoch gestiegen ist, stellte fest, dass der Keilriemen gebrochen ist. Ein bulgarischer LKW Fahrer hat mir geholfen. Er fand in seinem Werkzeugkasten einen gleichen Keilriemen, paar Millimeter länger und montierte ihn. Ich gab ihm DM 20,00 aber er hat sie nicht genommen. Ich fragte ihn, falls er mehr haben will so möchte er mir den Betrag nennen. Er hat abgelehnt, sagte, wir sind Autokameraden und will kein Geld von Kameraden haben. Als wir weitergefahren sind, wenn ich stark Gas gab, rutschte der Keilriemen und pfeifte, weil der Keilriemen nicht das exakte Mass hatte und daher die Keilriemenscheiben nicht richtig greifen konnte. Ich bin dann gemässigt gefahren und sind gut in Beirut angekommen. An der syrischen Grenze und dann libanesischen Grenze gab es wie üblich Probleme und Verzögerungen. Die Zollbeamten wollen Bakhschisch haben.

opel invoice

Rechnung des Opel Commodore Auto.

 

Bei jeder Übernachtung in Hotels, prüfte Albert erst die Bettdecken, Matratzen, Kopfkissen, Toiletten, ob diese sauber sind. Zu Tisch in Restaurants und Hotels säuberte er die Messer, Gabeln, Löffel, Tassen und Teller mit Tempotaschentücher, roch sie alle, ob sie übelriechende Gerüche haben. Er konnte kein Brot essen, wenn er sah, dass die Kellner das Brot ohne Handschuhe anfassten. Er wollte nur Schwarzbrot essen. Er ging in Beirut selbst zur Bäckerei, um sein Schwarzbrot zu kaufen. Ich sagte ihm öfters, die Personen die in der Bäckerei das Brot backen, backen es ohne Handschuhe und ist möglich bei der Hitze in Beirut, dass Schweiss von den Bäckern auf den Teig landen kann. Das hörte er nicht gern. Wir durften in Beirut sein Schwarzbrot nicht anfassen. Er rauchte täglich zirka 60 Zigaretten.

Als wir am 22.10.1973 abends in Beirut angekommen sind, ich das Auto vor dem Haus parkte, sagte ich ihm, wir sind angekommen. Er stieg aus, hat das Haus kaum erkannt  vielleicht weil es dunkel war. Wir sind in den Garten eingetreten, dann ins Haus. Er hat Mutter kalt begrüsst.  (Vielleicht weil er die älteren drei Geschwister als sie noch sehr jung waren in November 1940 nach Deutschland schickte und weil er während 33 Jahre nicht nach Beirut zurückkehrte, und weil er vielleicht ein schlechtes Gewissen hatte).  Er  ging in das erste Schlafzimmer rein, dann ins zweite Schlafzimmer, dann das Esszimmer und dann die Küche, sagte: Gott sei Dank, habe ich mein Haus nach 33 Jahren wieder gesehen. Meine Mutter sagte ihm: “nein, das Haus gehört unseren Kinder”!

Albert hat Heimweh von früheren Erinnerungen vom Libanon:


Am nächsten Tag, nach dem Frühstück fragte er mich, welche Schuhgrösse ich habe. Er trug in Deutschland immer Stiefel an. Ich sagte ihm 44. Er sagte, dass er leichte Schuhe anziehen möchte, da er bis zu die Strassenbahngleise zu Fuss gehen möchte. Ich sagte ihm, ich fahre Dich zu die Strassenbahngleise. Er sagte, ich will lieber zu Fuss gehen, so kann ich besser als per Auto sehen. Er verliess das Haus in Richtung Strassenbahngleise. Anfang der berühmten Hamra Strasse, ist das derzeitige Büro der Mobil Oil Company. An der Rezeption stellte er sich vor, nannte Namen von damaligen Kollegen. Die Dame an der Rezeption sagte ihm: der jetzige Direktor is Herr Ahdab. O, er ist mein Freund, möchte ihn gern sehen, falls er hier ist. Die Dame ging ins Büro des Direktors, sagte ihm, ein Deutscher, Albert Kleinknecht, ist hier möchte Sie sehen. Herr Ahdab hat ihn empfangen und beide küssten sich, wie es hier bis heute üblich ist. Albert sagte ihm, dass er keine Entschädigung während seiner zirka 19 Jahre Tätigkeit von der Firma bekommen hat. Herr Ahdab sagte, Du hast damals gekündigt, Du bekommst keine gesetzlich Entschädigung und diese Sache ist verjährt. Ich bin seit Jahren Eigentümer dieser Firma.

Sein Marsch ging weiter in Richtung Strassenbahngleise. Dort angekommen, neben der Strassenbahnhaltestelle war sein Frisiersalon, wo seitlich von diesem Salon ein grosses, altes libanesisches Haus noch stand, wo er unsere Mutter in 1925, das erste Mal am Balkon sah. Sein Friseur, Herr Rizkallah, arbeitete nicht mehr als Friseur. Er fragte den Friseur wo er Herrn Rizkallah sehen kann. Der Friseur sagte ihm, er arbeitet bei der Firma Najjar, in der Nähe vom Parlament. Wir besuchten ihn nach paar Tagen. Sein weiterer Marsch war Märtyrerplatz. Er wartete an der Strassenbahnhaltestelle. Es kam keine Strassenbahn. Er fragte einen Passanten warum keine Strassenbahnen fahren. Der Passant teilte Albert mit, dass die Strassenbahnen seit einige Jahre eingestellt wurden. Albert stieg in ein Taxi ein, ist an derselben Stelle ausgestiegen, Märtyrerplatz, wo er nach der Flucht vom Beiruter Hafen während der Fahrt in die Strassenbahn eingestiegen ist. Nach dem Attentat des ehemaligen Ministerpräsidenten Rafick El Hariri am 14.02.2005, nannte man diesen Platz, Platz der Freiheit, weil die syrischen Besatzungstruppen Libanon verlassen mussten.

 

Märtyrerplatz vor dem Bürgerkrieg 1975

(1 von 2: 1975): Beiruter Märtyrerplatz vor dem Bürgerkrieg 1975. Sehr malerisch!.

Märtyrersplatz nach dem Bürgerkrieg 1990

(2 of 2: 1990): Beiruter Märtyrerplatz nach dem Bürgerkrieg 1990, wie Berlin nach dem Krieg.

 

Albert bummelte dort zirka drei Stunden. Die Sehnsucht war für folgende Sehenswürdigkeiten:

  • Café De La Poste, (Kaffeestube) wo er mit Bekannte Trick-Track (Brettspiel) spielte, die nicht mehr existierte. 
  • Sein Fotograf von damals, Alfred Dakkouni, der schon gestorben ist.
  • Den arabischen Nachtklub, Parisiana, auf dem Dach eines Gebäude, wo im Sommer berühmte arabische Sängerinnen, Sänger und Tänzerinnen abends ihre schöne Künste vorführten.
  • Die Apotheke Gemayel, die noch existierte, wo er damals Medikamente kaufte. 
  • Die Polizeiwache und die vielen Freudenhäuser hinter der Polizeistation.
  • Das Haus mit Garten wo er sich nach der Flucht vom Beiruter Hafen versteckte, welches nicht mehr existierte.
  • Opera und Grand Théatre, wo berühmte Künstler ihre schönen Künste vorführten.
  • Place d’Etoile wo das Parlament und der Uhrenturm sich befinden. 
  • Das Gebäude mit dem Löwe mit Flügel auf dem Dach, wo die Firma Socony Vacuum ihre Büros damals hatte.
  • Die Tankstelle wo er damals Lehrlinge ausbildete. Keiner konnte sich dort an ihn erinnern. 
  • Gegenüber der Tankstelle war damals das grösste und schönste Kaufhaus in Libanon, Orosdi Back, welcher Bau am ersten September 1900 komplettiert und für das Publikum eröffnet wurde. Dort erkannte ihn ein alter Herr an der Kasse, er stand auf, küsste Albert und sagte ihm auf deutsch wo warst Du diese lange Zeit und hat ihm das Deutschlandlied gesungen und Heil Hitler gesagt.  Dort kaufte meine Schwester Berta, damals den Kinderwagen für ihre zwei Töchter.
Nejmeh Platz 1925

(1 von 2): Nejmeh Platz 1925 (Place de l’Étoile) mit Socony Vacuum Gebäude und Uhrenturm.

Nejmeh Platz 2014

(2 von 2): Nejmeh Platz (Place de l’Étoile) 2014 mit Socony Vacuum Gebäude und Uhrenturm.

Orosdi Back Kaufhaus 1900

Orosdi Back Kaufhaus, Beirut, Libanon, 1900.

 

Albert kaufte im Stadtzentrum frische Datteln, Rosinen, Weintrauben und weisse Feigen, seine Lieblingsfrüchte, kaufte Baklawa von der berühmten Konditorei Samadi, stieg in ein Taxi ein und kehrte erschöpft zurück nach Hause. Solange er in Beirut war hat er seine Stiefel nicht angezogen.

Am nächsten Tag wollte er das Haus mit Garten sehen wo er mit seinen Eltern vor der Heirat wohnte und Nachbarn besuchen, im Stadtviertel Zeitune, am Meer, welches damals ein klein Sankt Pauli war. Diesmal mit mein Auto. Das alte Mietshaus existierte noch. Er klopte an das eiserne Gartentor. Ein Herr öffnete die Haustür. Albert hat ihn gleich erkannt. (Alberts Eltern mieteten dieses Haus vom Besitzer von 1891 bis 1941). Es war der Sohn des Besitzers. Er fragte ihn, ob er ihn erkannt hat. Der Mann nickte mit dem Kopf. Albert teilte ihm mit, dass er gern das Haus von innen wieder sehen möchte,  wo ich mit meinen Eltern wohnte. Der Mann sagte auf arabisch ahlan wa sahlan, das bedeutet herzlich willkommen. Wo sind Deine zwei Brüder und Deine Schwester”, fragte der Herr? Vater besichtigte das Wohnzimmer und wollte raus. Der Sohn sagte, “Du kannst auch das Zimmer sehen wo Du geschlafen hast”. Vater ging rein. Die Eltern des Sohnes sind vor paar Jahren gestorben. Als wir uns verabschiedeten, sagte der Sohn bleibt hier ich bestelle gleich Essen. Als wir auf der Strasse waren sagte Albert, “im Haus sind noch die alten Möbel meiner Eltern und auch der Diesel Heizofen. Nichts hat sich im Haus geändert, als wäre die Zeit hier stehengeblieben”!

Der nächste Besuch war für die Nachbarfamilie gegenüber dem alten Haus, wo Alberts Eltern wohnten. Albert klopfte an die Haustür. Wer ist da, sagte eine Frau. Albert sagte, sobald Du die Tür öffnest wirst Du sehen wer ich bin. Die Haustür wurde geöffnet. Frau Abla Abou Schahla hat ihn sofort erkannt und gleich erschien ihr Ehemann und küssten sich wie es hier üblich ist. “Lebst Du noch Albert? Wo warst Du diese ganze Zeit? Wie geht es Deiner Frau, Deine Kinder, Deine Brüder, Deiner Schwester etc.”.

Tänzerin im Kit Kat Klub Beirut 1960

Tänzerin im Kit-Kat Nachtklub, Beirut 1960.

Der dritte Besuch dort war für das Minigeschäft wo Alberts Eltern damals Lebensmittel gekauft haben. Der Inhaber erkannte Albert sofort,  sagte: Albert, jetzt glaube ich an Auferstehung”!!

Gegenüber dem Minigeschäft waren damals die zwei berühmten Kabaretts, Eve und Kit-Kat, ähnlich wie Lido und Moulin Rouge in Paris. Albert sagte: “hier habe ich die schönsten Shows und die schönsten blonde und schwarze Mädchen damals gesehen”.                                                                                                                                

Neben diesem Geschäft war das Hotel Métropole am Meer bei der Bucht, Zeitune. Christine Blaich war zusammen mit ihrem Neffen Jakob Unger (* 1878, gestorben 1937) Inhaberin des Hotels Deutscher Hof (später: Hotel Métropole). Auch genannt Deutsches Hotel. Die ehemaligen Besitzer ruhen im evangelischen Friedhof in Beirut. Albert kannte beide Besitzer und wollte das alte Hotel wieder sehen. Das Hotel war verschwunden, abgetragen, ein Opfer der neuen Zeit. Am 8. Juli 1899 quartierte sich der Schriftsteller, Karl May, (*1842, 1912) der auf seiner Orientreise unterwegs war, im Beiruter Hotel Deutscher Hof ein. Abgesehen von einem Ausflug nach Brummana bleibt Karl May bis zum 17. Juli 1899 im Hotel, wo er am Tag vor seiner Reise das Gedicht:

Du herrlich Land wie es kein zweites gibt,
Du Land des Heils, du der Erlösung Land.
Es hat dich meine Seele schon geliebt,
Eh’ noch mein Aug dich, Kanaan, gekannt.
Du 
schöne Stadt, du Braut des Libanon,
Wie bist du mir so lieb, so lieb geworden.
Ich scheide zwar, ich muss so bald davon.
Doch denk ich dein gewiss an allen Orten.
Du
liebes Haus, ich war dein treuer Gast.
Und werde es, so oft ich komme, bleiben.
Wie du mich freundlich aufgenommen
Hast, d
as werd ich mir tief in das Herz
Schreiben. 
Du kennst nicht Selbstsucht,
Kennst nicht 
Eigennutz, so lieb wie hier,
Ist selten mir g
eschehen, Gott segne dich!
Er sei dein 
Schirm und Schutz. Leb wohl,
Leb wohl, 
Vielleicht auf Wiedersehen! 

ins Gästebuch schreibt.

Offiziere der französischen Besatzungsarmee zählten zu den Gästen des Hotels, schätzten die deutsche Gastlichkeit und die gute Küche. Unter Ihnen war auch General De Gaulle, damals Verwaltungsoffizier im Hauptquartier.

hotel deutscher hof

Bild vom Hotel Métropole, vor dem ersten Weltkrieg.

 

Der letzte Besuch im Zeitune Stadtviertel war für das alte St. George Hotel (1932) – gehörend der Familie Khoury, welches damals das drittbeste Hotel nach den zwei deutschen Hotels, DEUTSCHER HOF und HOTEL GASSMANN, in Beirut war. Niemand dort konnte sich an Albert erinnern. Er sagte mir, dass er von gegenüber dem Hotel, von der Strasse, mit seiner Bambusangelrute Fische fischte und dann mit Kopfsprung ins Wasser gesprungen ist.

An einem anderen Tag besuchten wir sein Kollege George Nahhal. Er lebte noch, hat Albert nicht erkannt. Wahrscheinlich hatte er Alzheimer gehabt. In derselben Strasse wohnte sein Freund Camil Tabet, mit dem er damals Trick-Track spielte. Er lebte nicht mehr.

Der nächste Besuch war für seinen ehemaligen Kollegen Elias Haddad. Er lebte nicht mehr. Seine Frau und ihre zwei Töchter hat er gesehen.

Auch besuchte er die Familie Schbaro, wo er bei dieser Familie nach der Heirat ein Apartment mietete, gegenüber dem Sanayah-Stadtgarten und gegenüber der Deutschen Schule. Einige Personen von dieser Familie lebten noch.

Mar Mikhael Stadtviertel: seine erste Arbeit nach dem ersten Weltkrieg war paar hundert Meter östlich vom Beiruter Hafen, in dem Stadtviertel Mar Mikhael, wo bis 1968 noch die alten Strassenbahnen in der Hauptstrasse operierten, wo er eine Auto Reparaturwerkstatt hatte. Das Gebäude existierte noch. Dort ist noch das alte Bahnhofgebäude, Mar Mikhael Bahnhof, von wo Kaiser Wilhelm II, in 1898 mit dem Zug nach Damaskus gefahren ist.  Hier ist die Tanzfläche für die Schickeria, hier sind die Tänze für die Zukunft, für die reichen Leute.  Seit paar Jahren befinden sich entlang der Hauptstrasse mehrere Pubs, teuren Restaurants, Bars, Discos, trendige Nachtklubs, Tanzlokale. In der super Skybar im Gelände des Bahnhofes, werden unter freiem Sternenhimmel diverse alkoholische Kreationen ausgeschenkt. Hier gilt: je exklusiver, desto besser. Hier verbringt heute die Jugend ihre rauschende Nächte und es wird bis in die frühen Morgenstunden gegessen, getrunken, Wasserpfeife geraucht, getanzt und ausgelassen gefeiert, als gälte es jede Minute auszukosten. Hier wird gefeiert, als gäbe es kein Morgen, zu Wasser, zu Land, in der Luft vor allem, als habe es nie ein gestern gegeben. Diese Lokale im Vergnügungsviertel, Mar Mikhael, sind generell voll. “Beirut ist die Stadt, die nie schläft”, sagen junge Libanesinnen augenzwinkernd. Spass sei das oberste Gebot. Man spricht nicht eine gemeinsame Sprache sondern drei, wechselt von der Amtsprache Arabisch ins Englische, ins Französische und zurück, oder alles wild durcheinander:  “ahlan, bonjour mon ami, hi guys, kifak habibi (honey), ça va, health good, bye-bye, sleep well, see you again, do not drink much, drive slowly home”?  Generell beherrschen die Libanesen ausländische Sprachen besser als ihre eigene Sprache.

Wer die zwei Supernachtklubs, Skybar und Music Hall, in Beirut, nicht gesehen hat, so hat er nichts von Beirut gesehen! Beirut ist die Partyhauptstadt der Welt und vibriert wie vor Euphorie.

Geburtstage, Premier Communions, Konfirmationen, Verlobungen, Hochzeiten, werden in grosse Restaurants, grosse Hotels, grosse Gartenrestaurants gefeiert. Verschiedene Torten und arabische Süsigkeiten für alle Anlässe sind auf die Tische.  Eine Welt aus Zuckerguss und Marzipan!  Die bunten Torten sehen aus wie Kunstwerke – mit Marzipanherzchen – und Duschkabinen aus Zuckerguss, darin grinsende bärtige Frauenhelden und lächelnde Mädchen, nackt: die einzige Ausnahme wegen der hiesige herrschende Moral: es gibt keine Geschlechtsteile!  (Der Konditor hatte wahrscheinlich keine Feigenblätter gehabt, um die Geschlechtsteile zu verbergen).  Und dann klingt das bekannte Lied Paul Ankas, aus libanesischer Abstammung:

Congratulations and celebrations
When I tell everybody that you are
In love with me. Congratulations
And jubilations, I want the world
To know I’m happy as can be”.

Auch Paul Ankas berühmte Lied:
“OH DIANA”

I’m so young and you’re so old this,
My darling, I’ve been told, I don’t
Care just what they say ’cause
Forever I will pray, you and I will be
As free as the birds up in the trees.
Oh, please stay by me, Diana
Oh, please, Diana
Oh, Please, Diana

Die Hauptstadt des Zedernlands: Beirut, hat sich in letzter Zeit zu einem Touristenmagnet entwickelt. Wo einst Bürgerkriege tobten, spazieren heute fröhliche Menschen aller Altersgruppen, über die Corniche, die idyllische Uferpromenade der libanesischen Hauptstadt in West Beirut, zirka 5 Km lang, mit Palmen umsäumt. Es ist auch ein grosser Angelplatz. Alte und junge Fischer sieht man oft entlang das Metallgelände, oder unten auf die Felsen, ihre Angelruten in einer Hand, ihre Körbe an ihrer Seite. Der Wind umschmeichelt die Palmen an der Corniche. Dort sieht man knutschende Pärchen, Hotels, Restaurants, zwanzig bis dreissigstöckige hohe Luxus Apartmenthäuser mit modernstem Komfort schiessen in den Himmel, mit Blick aufs Meer. Zusätzlich kann man Familien, Paare und Gruppen von Jugendlichen, die in ihre schönsten Kleidung gekleidet sind, entlang der Corniche bummeln, häufig stoppend, um Kaffee, Tee, Eiscreme, Wasser in kleine Plastikflaschen, Erfrischungsgetränke, Coca-Cola, Pepsi-Cola, Seven-up und Wasserpfeife in einem der vielen Cafés zu geniessen, sehen. Man sieht auch auf die Bürgersteige Tricktrack Spieler (Backgammon Spieler).

Die Corniche: ist ein beliebtes Ziel für Wanderer, Jogger, Radler. Push Cart Verkäufer, bieten eine Reihe von lokalen Snacks und Getränke. Tagsüber trifft sich halb Beirut auf der Corniche. Echte Scheichs mit ihren tief verschleierten Frauen und Töchter sind auf der kilometerlangen Uferpromenade ebenso unterwegs, auch Gruppen junger Mädchen mit Bauchfreien T-Shirts. Kaffeeverkäufer klopfen ihre Kaffeetassen wie Kastagnetten. Verkäufer per Fahrräder verkaufen die berühmte libanesische “Kaake” (Bretzel) mit Thymian und Käse. Viele Stämme der Palmenbäume entlang der Corniche sind mit Kugeln, Splitter, aus dem libanesischen Bürgerkrieg übersät.

HAMRA ein Spazziergang des Ruhmes: ist ein beliebter Ort zum Bummeln, Essen, Trinken, Einkaufen, Treffpunkt und Freunde dort zu grüssen. Im pulsierenden Stadtteil Hamra,  (bedeutet rote Strasse)  auch in West Beirut, ist ein Hotel-Shopping-Restaurantviertel. Alles ist vorhanden. Auf der Hauptstrasse Hamra findet man viele moderne Geschäfte, mit eher westlichem Flair. Man sieht Kirchen, mehrere Restaurants, Bars, Pubs, Nachtklubs, Strassencafés, die generell fast voll belegt sind. Auch Hotels, möblierte Apartments, Banken, Wechselstuben, Luxusapartments, Boutiquen, Bibliotheken. Auch einige Geschäfte mit handgefertigten Produkten und schöne Juwelier- und Teppichgeschäfte und Schuhputzer.

Man sieht in der Hamra Strasse gemischte Bevölkerungsgruppen, viele Ausländer. Ketten wie Aldo, Armani, Hugo Boss, Benetton, Christian Dior, Massimo Dutti, Dolce & Gabbana, Gucci, H&M, Hilfiger, Ralph Lauren, Mac Donald, Burger King, Starbucks haben ihr Domizil in Libanon. Preise: preiswert bis unverschämt sehr teuer. Luxus neben Armut in der Hamra Strasse, mit extrem viele Autos und Leute, vor allem in der Nacht: Besatzungen von Jagals  (reiche junge Männer)  die BMW, Mercedes, Porsche, Ferrari, Lamborgini, Mazerati, Jaguar, Range Rover, Hummer fahren, ziemlich laut und abgasverseucht, aber das ist Hamra. Es wird viel gehupt und wenig auf Verkehrsregeln geachtet. Wer den Mut hat, kann sich ein Auto mieten. Der Fahrstiel der Libanesen ist recht aggressiv und Unfälle entsprechend häufig. Auf Beiruts Strassen und durch den Libanon fahren jede Menge deutsche Fabrikate, mehr und grössere MERCEDES, BMW, AUDI, OPEL, VW, MAYBACH und PORSCHE, als durch einer Grossstadt in Deutschland. Die Hamra Strasse ist sehr schön gepflastert, anders als die anderen Strassen in der Nähe.

DOWNTOWN BEIRUT: ist eine Art Disnyeland für Touristen aus den Golfstaaten. Diese sind vom künstlerischen Flair der Altstadt so angetan, dass sie in den Sommermonaten Abend für Abend zu Tausenden die Tische füllen. Je exklusiver, desto beliebter, lautet das Erfolgsrezept.

Place de l’Étoile (Sternplatz): mit seinem alten Uhrenturm befindet sich das Parlament mitten im historischem Stadtzentrum. Michel Abed, Libanese, dessen Familie nach Brasilien emigrierte und dort zu einem Vermögen gekommen war, beauftragte den armenischen Architekten Mardiros Altounian, den Uhrenturm in 1934 gegenüber das Parlamentsgebäude zu errichten, eines der bekanntesten Wahrzeichen und Motive Beiruts. Soldaten wachen über das Regierungsviertel, sie schauen in jede Tasche rein. Bars, Restaurants, Strassencafés, Luxusgeschäfte, Hotels, alte Kathedralen neben alte Moscheen säumen die Strassenzüge. Hier leben Christen und Moslems dem Anschein nach friedlich zusammen. Die Kirchenglocken und der Muezzin rufen gleichzeitig zum Gebet. Kirchen neben Moscheen, ihre Türme umarmen die Minaretten. Einige hundert Meter westlich von diesem historischem Stadtzentrum sieht man noch im Judenviertel, Wadi Abou Jamil, eine alte Synagoge  (Maghen Abraham Synagoge, erbaut 1925).  Über dem Fenster verzieren ein Marmor David Stern und eine Marmortablette mit den Zehn Geboten die Fassade, ein ungewohnter Anblick an diesem Ort. An diesem Stadtbild haftet etwas kulissenhaft, fast so, als befände man sich in einer Filmszene.

Uhrenturm: Mitten auf dem Platz steht der alte Uhrenturm. Kinder fahren mit Plastikautos über das Pflaster und toben. Mütter und Väter haben sich gemütlich in den Strassencafés nieder gelassen. Paar Kinder pusten Seifenblasen durch die Luft. Man sieht ab und zu Familien vom Golf und Saudi-Arabien. Ihre Kinder spielen mit ihre Smartphone, die Väter tragen lange Bärte. Einige Frauen heben ihre schwarze Schleier vor ihrem Mund mit der linken Hand bei jedem Bissen hoch, damit sie etwas essen können, weil ihre Männer es nicht haben wollen, dass andere Männer die Gesichter ihrer Frauen sehen können. Man sieht mehr hungrige Tauben herumfliegen als Gäste und Touristen.

Der neue Souk: vor dem Bürgerkrieg 1975/1990, nannte man ihn der lange Souk, der während des Bürgerkrieges völlig geplündert und zerstört wurde, befindet sich dieser Souk paar hundert Meter westlich vom Place de l’Etoile mit seinem markanten Uhrenturm, der wieder eröffnet wurde. Aber anders als in Damaskus oder Aleppo oder Istanbul. Dieser Basar präsentiert sich als eine ultramoderne Shopping Welt mit eleganten, interessanten Modegeschäften. Kaum eine der internationalen High-End-Marken ist hier nicht mit einem schicken Shop vertreten.

Libanesische Frauen: die leichte Meeresbrise weht durch die langen Haare der flanierenden Brunetten, Blondinen, sehr attraktiv, sehr modisch und freizügigst bekleideten Libanesinnen, viele tragen mörderische Schuhe bis 20 Zentimeter hohe Absätze, um grösser zu erscheinen, die so aussehen, als seien sie einem top Modemagazin entsprungen. Die libanesischen Frauen legen sehr viel Wert auf ihr Äusseres. Sie sind aber auch von Natur sehr schön. Die meisten gehen nicht ungeschminkt auf die Strasse. Es ist mehr Sein und Schein, Schönheitswahn im Libanon und Schönheitsoperationen an Nasen, Lippen, Zähne, Brüste und Haarimplantationen für Männer mit Glatze. Nach aussen hin muss alles perfekt sein, auch wenn man sich dadurch verschuldet. Die Libanesen ähneln Europäer, ähneln den weissen Amerikanern, Kanadier, Australier, sind hochgebildet, viele Männer sind ausgezeichnete Facharbeiter.

Das Nachtleben: in Beirut floriert schon lange wieder das Nachtleben. Die jungen Libanesinnen sind top geschminkt, mit enger Kleidung und tiefen Ausschnitten bekleidet. Die Männer bezahlen die teuren Drinks für die Frauen, das ist alte Tradition, aber auch Angeberei der jungen Männer. Draussen auf den Parkplätzen oder auf den Strassen sind die tollsten Luxusautos zu bewundern, die hier in Deutschland, die Damen ihres Gleichen suchen.

Männer die auf Brautschau sind: meiner Ansicht nach, gibt es wohl keine Stadt auf diesem Planeten mit attraktiveren Frauen als in Beirut. Sie haben blaue, grüne, braune, schwarze, träumerische Augen, rosa, weisse, dunkle, Hautfarben. Die Mischung aus Orient und Okzident ist einmalig. Die Stadt ist jung, fröhlich und lebendig. Sie ähnelt Paris, Französische Riviera, Rom, Athen, Barcelona, London. Beirut ist einfach sehr sexy, eine sehr lebendige Stadt, in der man nie einen Moment Langeweile haben kann.

Die libanesischen Frauen: sie haben Birnen- und Granatapfel förmige Körper. Sie sind schöner als deine Tage, schöner als deine Nächte, schöner als 365 Kerzen. Du findest sie wo sie sind mit deine Augen. Dein Herz ist ein Paradies für diese Damen. Ihre blauen Augen haben die Farben des blauen Himmels und des Wassers des Mittelmeeres. Ihre grünen Augenfarben haben die Farben der immergrünen Zedernbäume. Ihre honigfarbigen Augen haben sie vom libanesischen Honig bekommen. Ihre helle Hautfarben haben sie von dem Dünensand der libanesischen Küste bekommen. Deine Augen sind ein Versprechen für diese Frauen. Lass deine Liebe in ihren Fantasien leben. Sie trieben dich mit ihrem Atem wie Rosen- und Jasminblütenblätter hoch in die Luft. Ihre Träume waren duftende Rosen für dich. Ihr Parfüm ist Weihrauch für dich. Du bist Licht und Feuer für diese Schönheiten! Dein Herz wird ein Paradies für sie sein. Ihre Schönheiten sind Schönheiten, die nicht normal sind, ihre Wörter sind Wörter, die nicht normal sind. Lass dich auf ihre Stimmen des Verwöhnens einschlafen. Ihre Lippen haben den Geschmack von Milch, Honig und Zucker! Die Tage, die Wochen, die Monate sind vergangen, die Träume mehrten sich, die Sehnsucht hat keine Geduld mehr. 

Mein Liebling, lass deine untrennbaren Lieblingsvögel, (Love Birds) die dir am Liebsten sind, uns zusammenführen, um mit ihnen, mit unsere zwei Herzen, die ewige Liebesgeschichte (Love Story) zu erleben. Meine Augen singen dir meine Lieblings- und deine Lieblingslieder. Ich kann dich von meinem Leben und von meinen Erinnerungen nicht entfernen. Du lebst ewig in meiner Seele. Ich kann nur bei dir sein. Ich kann nur mit dir und dein Leben, leben. Ich gab dir mein Versprechen, meine Freundlichkeit und meine Liebe. Du bist mein Spiegel. Wenn ich den dunklen Vorhang von deinem Bild entferne, sehe ich dich im Wasserspiegel noch schöner. Viele Bewerber klopften an deine Tür, aber du öffnest sie nicht. Sag mir warum? Suchst du deinen Spiegel, um zu sehen wie du noch aussiehst? Du bist die schönste im Land. Mein Herz entführte mich zu dich. Als meine Augen sich öffneten sah ich dich ehe das Licht dich sah. Du bist die Liebe meiner Träume und meiner Tränen. Ich kann deine Augen nicht vergessen, weil sie mein Licht und mein Weg sind. Du bist in meinem Herz und in meine Träume gepflanzt. Mein Herz ist ein kleines Kind, es will alles über dich wissen. Verlange meine Augen, damit ich sie dir geben kann. Meine Augen und mein Herz sind für dich sobald deine Augen mir das Zeichen geben. Deine Schönheit öffnete meine Augen und meine Seele.

Deine Bienen haben dich im schönsten Blumengarten, auf den Blüten der Mandelbäume im Monat April, im Land der Zedern gefunden. Lass mich in deinem Herz tanzen wie die Mandelblühten während der Frühlingszeit. Du bist die schönste Blume. Glücklich wird derjenige sein, der neben dir sitzen, mit dir tanzen und dich lieben kann. Deine Bienen führten dich zurück zu deinem Thron, zurück zu deine Love Birds, mit der Bienenkönigin, begleitet mit alle ihre Schutzengel. Meine liebe Königin, ich und deine Vögel sind Eigentum deiner Hände. Ich werde dir die Lieblingslieder deiner Vögel übersetzen, damit du noch glücklicher bist. Meine Liebste, dein Thron ist in der Nähe der Sonne, in der Nähe der Sterne, in der Nähe des Mondes. Mein kleines Schiff kann nicht durch deine Grenzen segeln, schicke mir dein Raumschiff, um dich paar Momente zu sehen. Wenn wir verstummen, werden meine Augen und deine Augen, sich in der tiefsten Liebessprache unterhalten. Wir werden ohne Schmerzen, ohne Sorgen, ohne Medikamente, ohne Krankheiten, ohne Zank, ohne Dunkelheit, mit Respekt und gleicher Liebe leben, uns über unsere Liebesgeschichte unterhalten, gesund und glücklich sein, und über unsere schönen Liebesromane träumen. Wir enden dann als ein Körper mit zwei Köpfe, mit vier Augen, mit zwei Nasen, mit vier Ohren, mit vier Lippen, mit zwei Herzen, mit vier Arme, mit vier Beine, damit wir uns nicht mehr trennen können! Und endlich hat meine Reise zu dir angefangen!! Meine Liebe, deine Liebe gab mir ein Getränk auf dem Trümmerhaufen. Deine Tränen haben dein Gesicht befeuchtet und strömten zwischen deine zwei schöne Hügel. Gib mir die Freiheit, um meine Arme ringsum dich ausbreiten kann, um meine Sehnsucht, mein Durst, mein Hunger, mein Schmerz, mein Verlangen stillen kann. Du bist eine Zauberin, verzaubere mich, um deine warmen Hände fühlen kann, raus aus der Dunkelheit zu gehen und dich zum silbernen Mondschein, zu deinem Garten führen und deine Tränen und dein Gesicht mit deinem Schleier trocknen kann. Der Mond macht über dich den Rundblick, giesst silbernes Licht über dich. Deine Love Birds lächeln im Traum, von der lieben Nährenden Mutter bewacht. Wer hier seine Tage verbringen kann, dem lacht das Herz in der Brust. 

Meine Liebe, ich segle mit mein Schiff ins Nil Delta, in Kleopatras Reich, fange für dich Tausend Nachtigallen, damit sie zusammen mit deine Love Birds, während deiner einsamen Nächte, deine Lieblingslieder singen und dich unter deinem herrlichen Himmel zu entzücken. Die Nachtigallen werden für dich die ganze Nacht singen, so dass von ihren süssen Schälle, in Hall und Widerhall, die Rosen und Nelken schneller aufspringen können. Meine Gedichte für dich sind wie Düfte ohne Brisen.

Jedes Mal, wenn dein Weinglas sang, tranken deine Vögel den Honig deiner Bienen. Unsere Nächte sind von Weinbergen umgeben, ich und deine Vögel singen Wünsche und wünschen eine Segelfahrt mit dein Love Boat im Mondlicht. Deine Love Birds wurden in der Nacht betrunken und sie waren vor uns wach. Wussten eigentlich deine Vögel, wie Liebe und Glück sind wie wir sie kennen?

Meine liebe Prinzessin! Deine Vögel sangen dir ihre schönsten Lieder von den Bäumezweige. Als die Zweige ihre Lieder hörten, schwankten sie vom Vergnügen ihrer Lieder. Die plötzliche, sanfte Brise begleitete ihre schönen Melodien zu dir und zu deine schönen Blumen und schickten ihren Duft zu dir wie runde Ringe auf deine rötlichen Haare und dein schönes Gesicht. Dein Wasserbrunnen sang mit ihnen zusammen ihre Lieder. Deine Liebe zu mir veränderte mein Leben vom Elend zum grossen Glück, von Blindheit zum Tageslicht, um deine zauberhafte Person wieder zu sehen. Wenn deine grünen Augen paar Sekunden zu mir blicken, befriedigst du meinen Durst, meinen Hunger, meine Sehnsucht, mein Verlangen, meine Sorgen, meinen Kummer. Bei deinem Brunnen, mit sein kaltes Wasser, kühlen wir in der Dunkelheit unsere Weingläser, damit sie lauter klirren wie Violinentöne um mit deine Vögel bis zur Morgenröte zusammen singen und die Zeit vergessen können. Ich habe alle Frauen die ich vor dich kannte und nach dir kannte vergessen. Je älter du wirst, siehst du doch schöner aus.

Man hat mir das Paradies geschenkt. Ich bevorzugte deine träumerische Augen, deine sanften Blicke, dein Versprechen. Ich sah in deine Augen den Frühling mit seine beginnenden aufspringenden Blühten, den Sommer mit seine sanften, warmen Brisen, dein liebliches Lächeln, dein Segen und deine erste Einladung in deinem Garten, umgeben uns mit deine Rosen, Jasmine, Gladiolen, Nelken, Gardenien, Mimosen, Lavendel, Sonnenblumen. Alle deine Blumen trinken Wasser von deine Tränen, von deinem Schweis und blühen und duften noch schöner als vom Regenwasser. Ich werde alle verfügbaren rote Rosen in den Gärten und Blumenläden in deiner Umgebung pflücken, einen Luftballon kaufen, ihn mit Millionen roten Blütenblätter füllen und sie auf deinen Thron fallenlassen, damit du und deine Freunde und deine Nachbarn ihren angenehmen Duft einatmen können und empfange dein JA und dein verheissungsvolles Lächeln. Die Farben deiner Tränen haben die gleiche Farben wie meine Tränen. Deine Seele lebt in meiner Seele, deine Wunden und deine Schmerzen werden heilen und vergessen, sobald wir zusammen auf deinem Thron vereint sind und dort ein Glas Wein zusammen aus deine warmen Hände trinken. Deine Augen werden mehr Wein giessen. Du bist die Duft der Nacht, du bist wie das erste Erscheinen des Mondes und wie die erste Brise während des Monats Oktober. Du bist das Leben, du bist die Duft, du bist die Zukunft! Deine langen Haare sehen aus wie Wasserfälle, beherbergen viele Geschichten und Geheimnisse! Du bist mein Leben und meine Erinnerungen!

Der Silbermond am Himmel mit seinem Silberglanz
schickt uns Tausend tanzende Wolken durch die Nacht,
Tausend goldene Sterne erstrahlen in der Nacht. Seit
der Mond die Nächte illuminierte hat er nie, nie, nie
gelächelt. Die Sterne kratzten sein Gesicht, damit er
lächeln möchte, um dem Liebespaar seinen Segen zu
geben. Unsere Love Birds, unsere Bienen verfolgten
uns während unserer Liebesparade wegen Neid und
Neugier, und wegen unsere romantische Märchengeschichte!
Nach unser letztes Gebet und nach dem letzten Glockenklang,
war niemand mehr da!!

(Ramiro  und  Lola)

Oh meine liebe Frau, oh meine liebe Frau! Ich habe
mein Leben bis jetzt nicht genossen. Mein Leben
war Unterdrückung, Qual, hoffnungslos, traurig,
dem Glück beraubt. Nach dir, oh für wen, oh für
wen, die roten und gelben Rosen sich öffnen und
zusammen mit ihren Blüten beugen. Nach dir,
nach dir, für wen, für wen, die Zedern- und Pinien-
zweige mit ihre Zapfen geschmückt, sich beugen
und ihre angenehme, natürliche Düfte senden?

Meine liebe Frau, meine liebe Frau, nach dir,
oh Universum, für wen deine Sonne des Ostens
(Shams Al-mashareq)  شمس المشارق  wird aufgehen
und scheinen? Nach dir, für wen, oh Universum,
wird dein westlicher Sonnenuntergang sein?
(Shams Almaghareb).  شمس المغارب  Nach dem
Sonnenuntergang, für wen, für wen die Symphonien
des Meeres klingen? Für wen wird der Klang der
Musik sein? Nach dir, für wen, wird der silberne
Mond lächeln? Für wen weht die westliche Brise?
Für wen werden die Tages-, und Nächtlichen-,
Ozean Chorgesänge sein? Befreie dich von Langeweile,
verabschiede dich von Einsamkeit, verabschiede dich
vom Horizont. Geniesse die Gegenwart, geniesse die
Zukunftstage in deiner Heimat, die du verehrst. Iris
ist zurück, Iris blüht wieder, Iris ist grösser und näher
am Sonnenuntergang! Iris ist zurück, sie ist zurück!
Iris die geflügelte Botin der Götter und Göttin des
Regenbogens ist wieder da, mit dem Regenbogen
unter blutrotem Himmel!

Oh meine tiefe Liebe, die jetzt in mir lebt, in mir lebt.
Die vergangenen, dunklen, einsamen Nächte sind
verschwunden, die vergangenen, dunklen, einsamen
Nächte sind vergessen. Mein neues Leben mit dir, mein
wiedergeborenes Leben mit dir, ich habe mein Leben
zurückbekommen. Nachdem die dunklen, einsamen
Tage, Nächte, Jahre vergangen sind, erschien die
Morgendämmerung mit ihren rosigen Farben. Das Licht
des Morgens weckte unser Glück auf, wir standen auf
und freuten uns über unser Glück. Wir sind nicht mehr
verloren, 
wir leben jetzt in einem neuen Frühling, in
einem neuen Frühling, in einer unendlichen treuen Liebe,
in einer unendlichen Liebe für immer.

Wir werden unsere Tage, unsere Nächte, mit Liebe und
Träume, mit Hoffnung, mit Mut und Lieder, mit Tanz und
Zärtlichkeit, mit schlaflose Nächte verbringen. Gott segne
diejenigen, die in ihrem Leben immer glücklich sind.

“Oh unser Herr, Du bist das Licht der Liebe, des Lebens,
der Wahrheit und Symbol der Einheit und Vergebung”.

(يا ربنا أنت نور المحبة و الحياة و الحقيقة و رمز الوحدة و المغفرة)

(Amen)  –  (آمين)


 

Libanon: ist vor allem eine Destination für arabische Gäste. Seine touristischen Trümpfe heissen: ein mildes Klima, Berge, Schnee und Meer, eine gute Küche, ein ausschweifendes Nachtleben.

Die Taubengrotten: Der letzte Besuch in Beirut war für die schändlichen Taubengrotten in West Beirut, auch genannt Rauscheh oder Selbstmordfelsen, wo junge, unglückliche, hoffnungslose Leute, hauptsächliche junge Mädchen, Selbstmord begehen indem sie von der Klippe, von einer Höhe von zirka 45 Metern, ins türkisblaue Wasser stürzen. Der Taubenfelsen ist das Wahrzeichen von Beirut. Man nennt ihn auch, Felsen der Verliebten in Beirut.

rawsheh

Rauscheh Selbstmordfelsen, Beirut, Libanon.

 

Hierzu erhielt ich am 16.12.2016 die u.e. Mail meiner Nichte, Manuela Herrig:

From: Manuela Herrig [mailto:rosajamile@gmx.de]
Sent: Friday, December 16, 2016 10:34 AM
To: Paul Kleinknecht <pklein2@idm.net.lb>
Subject: DIE ZWEI TAUBENFELSEN VON BEIRUT

Lieber Onkel Paul,

soeben haben wir Deine E-Mail mit Anhang gelesen. DIE ZWEI TAUBENFELSEN VON BEIRUT sind wirklich ein magnetischer Aussichtsort. Mutti hatte dazu gleich eine interessante Geschichte über Euren Vater zu erzählen, der an diesen Felsen mal einen Selbstmörder aus dem Meer gefischt hatte. Dieser Selbstmörder wollte später Tante Clara heiraten. Sie lehnte ab, weil sie ihre Mutter nicht alleine lassen wollte.

Viele liebe Grüsse und vielen Dank für Deine ausführlichen Erklärungen zu diesen Taubengrotten. Ich habe etwas dazu gelernt.

Ich wünsche Euch einen schönen Tag.
Eure Manuela und Eure Bertha

Weiter ging es in Richtung nordöstlich von Beirut in die Berge, um die zwei schönen Sommerkurorte mit ihren alten libanesischen Steinhäusern zu sehen, Beit Mery und Broummana. Wir besuchten die Familie Abboud Blanco in Beit Mery. Die Töchter und Söhne fragten ihn, warum er nicht gleich nach dem Krieg nach Beirut zurückgekehrt ist. Sein Freund und Trauzeuge, César Abboud, Vater der zehn Geschwister lebte nicht mehr. Von den zehn Geschwistern leben heute 2015 nur noch zwei Töchter und der jüngste Sohn.

Dann besuchten wir die Schweizerfamilie Russli in Broummana, die dort ein altes Hotel haben. Sein Freund Herr Russli lebte nicht mehr, seine zwei Töchter hat er gesehen.  Auch sie fragten ihn, warum er nicht gleich nach dem Krieg nach Beirut zurückgekehrt ist. 

In Broummana zeigte er mir das alte Steinhaus, wo er einige Sommer mit Familie während der 1920iger und 1930iger Jahre verbrachte. Dieses alte Steinhaus existiert noch.

Albert wollte ganz Libanon wieder sehen. Ich zeigte ihm die Städte entlang der libanesischen Küste: Tripoli, Batroun, Byblos, Jounie, Beirut, Damour, Jieh,  Sidon, Tyr. Er hat mir öfters gesagt, ich lese seine Wünsche von seine Augen!

Er wollte auch Bekannte in Damour und Jieh sehen. Wir sind zum Bürgermeister Rafari gegangen. Er lebte nicht mehr. Wir sprachen mit seine Söhne. Die Personen die Albert nannte sind bereits gestorben. Er fragte nach unser Dienstmädchen von damals Mhabbe, (die von Damour stammt) – “Sie lebt noch”, sagten die Söhne, aber ihr Mann lebt nicht mehr. Wir besuchten sie. Sie hat Albert gleich erkannt, fing an zu weinen, tanzte,  trillerte, küsste seine Hand, ging schnell in ihre Bude rein, holte Reis und streute ihn auf unsere Köpfe. Sie sagte mir, “dass sie mich und meine Schwester Anita viel getragen hatte als wir Babies waren. Hätte ich eine Pistole, so hätte ich Freudenschüsse in die Luft geschossen”. Sie lebte sehr ärmlich, weil sie kaum Einkommen hatte. Albert bekam Mitleid und sagte ihr, was kann ich dir schenken. Ich schenkte ihr einen gewissen Geldbetrag und sie küsste wieder unsere Hände. Sie hat uns zum Essen eingeladen. Ich sagte ihr, wir laden dich ein in ein Restaurant entlang des Flusses Damour. Albert gefiel dieser Vorschlag. Er isst gern das bekannte libanesische Essen Mesa, trinkt gern Arak,  den berühmten libanesischen Schnaps. Das was wir nicht mehr essen konnten, hat die arme Frau mitgenommen. Ich schenkte ihr einen weiteren Geldbetrag und wieder küsste sie unsere Hände, und sie bedankte sich so überreichlich, dass wir gedemütigt wurden. Ihre Hände flogen hin und her und appellierte Gott wegen unsere Grosszügigkeit und schaute in den Himmel, um sich an unsere Freundlichkeit zu erinnern.

Mhabbe wohnte in einer Hütte zirka 4×4 Quadratmeter. In einer Ecke war ein Vorhang aus einer alten Wolldecke, befestigt mit zwei verrosteten Nägel an beide Wände. Ein zirka 15 Zentimeter rundes Loch war die Toilette hinter dem Vorhang.  Nach dem Bedürfnis wird das Loch mit einer Steinfliese zugedeckt wegen schlechte Gerüche. Hier duscht sie sich sitzend auf einem kleinen Holzhocker und spült hier ihr Geschirr nach dem Essen. Einen Wasserschlauch hatte sie für diese ZweckeIhre Hütte erinnerte mich an die Zeit, zirka zweieinhalb Jahre die wir während unserer Internierung in Wilhelma, Palästina, verbrachten. Das Haus in Wilhelma, wo wir damals wohnten war nicht viel besser als ihre Hütte!

Die Stadt Zahlé:


Mein Vater wollte auch die Stadt Zahlé wieder sehen. Er hat dort Erinnerungen, weil er dort vor dem zweiten Weltkrieg paar Wochen arbeitete, als die Strasse nach Baalbek aspahltiert wurde und dort wohnte. Gezielt wollte er die alten Hotels, Hotel Kadri, aus massive Natursteine gebaut und Hotel Orabi und die romantischen Terrassenrestaurants entlang das Tal der Weintraubenlauben sehen. Seine Erinnerungen von der damaligen Zeit kehrten zurück. Im Hotel Orabi hatte er vor dem Krieg den berühmten ägyptischen Sänger, Mohammad Abdel Wahab, als Gast und im Gartenrestaurant in diesem Hotel im Sommer singen gesehen, der fast jeden Sommer, Libanon besuchte und Gast in diesem Hotal war und immer das beste Zimmer bekam. Abdel Wahab lebte noch, war aber in Ägypten. Hier wurde das sehr berühmte und beliebte Lied in der arabischen Welt von ihm 1928 komponiert und gesungen und nur mit ein Musikinstrument gespielt, seine Laute (Uud), und von dem berühmten ägyptischen Dichter, Ahmad Schauqi, gedichtet, der als Prinz der Dichter bekannt ist und viele andere berühmte arabische Lieder gedichtet und komponiert wurden.

“Oh Nachbarin des Tales, bin irre froh, so dass wie in meinen Träumen meine Erinnerungen an Dich dargestellt wurden. Und mit diesen Erinnerungen bekunde ich Dir meine Liebe und im Schlummer. Und die Erinnerungen sind wie das Echo der Jahre mit Melodien” …………….

Die Stadt Zahlé, zirka 50 Km in den Bergen östlich von Beirut entfernt, zirka 900 Meter über dem Meeresspiegel, nennt man Braut der Bekaa Ebene, Stadt der Künstler, Stadt des Friedens, Stadt der Gastfreundschaft. Für die Griechen und Römer war die Bekaa Ebene die Kornkammer des Nahen Ostens. Für die Araber vom Atlantik bis zum Golf, ist die Stadt Zahlé, mit ihren romantischen Terrassenrestaurants, mit ihren Weintraubenlau- ben entlang des Bardauwniflusses, im Sommer Pilgerorte geworden. Sie wollen das alte Hotel Orabi und die Terrassenrestaurants sehen und das sentimentale Lied:  Oh, Nach- barin des Tales, bin irre froh, so dass wie in meinen Träumen meine Erinnerungen an Dich dargestellt wurden…..……يا جارة الوادي طربت وعادني ما يشبه الأحلام من ذكراك  mit seiner baritone Gesangstimme hören.

Garten Restaurants entlang des Flusses Berdawni

Gartenrestaurants entlang des Berdauwniflusses. Zahle, Libanon.

Von Zahlé stammen folgende libanesische Berühmtheiten:


Said Akl: geboren 04.07.1912, Zahlé. Gestorben 28.11.2014 Beirut. Schriftsteller,
Bühneschriftsteller, Fremdensprachler, Dichter, Philosph, Dramatiker und Ideologe. Er entwickelte ein auf den lateinischen Buchstaben basierendes libanesisches Alphabet, bestehend aus 36 Buchstaben.

  • Youssef Gabriel Chahine: geboren 25.01.1926 Alexandrien, Ägypten. Gestorben 27.07.2008 Alexandrien. Schauspieler, Filmdirektor, Schriftsteller, Produzent.
  • Ralph Nader: geboren Winsted, Connectucut, U.S.A. 27.02.1934. Berühmter Rechtsanwalt in U.S.A.
  • Elias Hrawi: geboren 04.09.1926 Zahlé, Libanon. Gestorben 07.07.2006 Beirut. Präsident der libanesischen Republik von 24.11.1989 bis 24.11.1998.
  • Michel Chalhoub: geboren 10.04.1932 Alexandrien, Ägypten. Gestorben 10.09.2015 Alexandrien. Berühmter Schauspieler mit Bühnennamen Omar Sharif.
  • Shoukrieh Moubarak: Sängerin, Tänzerin, Musikerin, Songwriterin mit Bühnennamen Shakira. Ihr Name Shakira kommt aus dem Arabischen und bedeutet “die Dankbare”.

 

Alberts Rückreise nach Deutschland – 1974:


Albert wollte Ostern in Deutschland feiern. Dieses Mal ist er mit der Lufthansa nach München mit Stiefel geflogen und hatte keine Angst gehabt zu fliegen und hat sein kleines Radio mitgenommen, dieses Mal in seinem Reisekoffer verpackt. Meine
Schwester Anita hat ihn vom Flughafen abgeholt und er ist mit dem Zug nach Wannweil gefahren.

Bürgerkrieg – 1975:


Mitte 1975 hat der schlimme Bürgerkrieg in Libanon  (zwischen Christen und Moslems) angefangen, dessen Auswirkungen bis heute aktuell sind. Hatte öfters
Sicherheitsprobleme gehabt weil ich Christ bin – und Ausländer – wohnte in West Beirut, überwiegend von Moslems bewohnt. Ich war daher für längere Zeiten mehr in Syrien, Jordanien und Saudi Arabien als in Libanon, wegen dieser Probleme und wegen meiner Arbeit. Der Kanonendonner zwischen West und Ost Beirut war jahrelang fürchterlich. Kanonendonner hatten wir ja seit unserer Kindheit in Libanon gehört. Mein Büro war zu Hause. Ich tippte meine Briefe mit meiner Schreibmschine im Büro. Das Tippen konnte man von der Strasse hören falls die Fenster nicht geschlossen sind. Die Milizionäre glaubten, ich habe eine Sendestation, würde Informationen an die christlichen Milizen in Ost Beirut senden. Sie kletterten über die Gartenmauer und verlangten das Haus zu untersuchen. Sie sagten wir hörten Sendetöne. Ein bärtiger Kerl mit Pistole und Maschinengewehr sah meine Schreibmaschine auf meinem Schreibtisch, fing an zu Tippen. Sie fingen an zu lachen, entschuldigten sich und verschwanden. Wie dumm und autoritär solches Gesindel ist! Diese alte Schreibmaschine habe ich noch (Siehe Foto). Sie wurde nicht gestohlen, weil ich sie während meiner Geschäftsreisen nach Syrien, Jordanien mitgenommen habe, um gutlesende Korrespondenz an die deutschen Firmen die ich vertrete schicken kann. Mit dieser Schreibmaschine habe ich meinen Wohlstand erreicht. Als die Computers erschienen und ich ab 1996 mit Computer arbeitete anstatt Schreibmaschine, um meine Korrespondenz zu schreiben und zu erhalten, hat meine Arbeit nachgelassen.

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Meine alte Schreibmaschine der 1970iger Jahre.

 

Mitte 1977 explodierte paar Meter vor dem Gartentor eine Granatwerfergranate. Mutter war damals in der Küche und war daher durch drei Wände geschützt und wurde nicht verletzt. Das Gartentor ist total zerstört worden und Fensterglasscheiben und
Fensterläden entlang der Hausfassade sind auch zerstört worden. Ich war damals in Syrien auf Geschäftsreise.

Habe einige verbale Warnungen während des Bürgerkrieges ab Mitte 1975 von der deutschen Botschaft Beirut erhalten, Libanon zu verlassen, in ein Land zu leben wo es sicherer ist, oder nach Ost Beirut umzuziehen wo die Sicherheitslage besser ist als in West Beirut. Habe auch eine schriftliche Warnung diesbezüglich von der Botschaft vom 20.02.1992 gemäss Anlage erhalten.

Brief Deutsche Botschaft Beirut 20.02.1992

Warnbrief Deutsche Botschaft Beirut vom 20.02.1992.

 

Alberts Reise nach Ghana – 1979:


Meine Schwester Hilde mit Alans Hund

Meine Schwester Hilde mit Alains Hund in Ghana, 1979.

Etwa Ende der 70ger Jahre haben meine Schwester Hilde und unser Schwager Alain Khoury, Albert nach Ghana eingeladen, wo sie damals lebten. Er hatte keine Angst gehabt wieder zu fliegen. Unser Schwager hatte einen bissigen Hund gehabt. Nach paar Tagen nach dem Essen wollte Albert den Hund streicheln. Der Hund hat Albert angegriffen, biss ihn am Gesicht, riss ihm die Hälfte seines linkes Ohres ab. Sie haben ihn gleich ins Krankenhaus mit dem Stück Ohr gefahren, um zu versuchen das halbe Stück Ohr anzunähen. Die Operation  hat nicht gelungen. Als sie wieder zu Hause waren, hat Alain den Hund mit seiner Flinte erschossen. Als Albert wieder in Deutschland war, hat er ein künstliches Ohr machen lassen und hat seine weisse Haare länger wachsen lassen, damit man sein künstliches Ohr nicht sehen kann.

 

Reise von Deutschland nach Libanon mit meinem Bruder Rudolf und meine andere Reisen:


Im September 1979, während einer Geschäftsreise in Deutschland, kaufte ich einen Mercedes Pkw von einem Kollegen meines Bruders Rudolf, in St. Blasien, den ich dort bis Juni 1980 gelassen habe. Dann bin ich mit diesem Auto nach Libanon gefahren. Rudolf, seine Frau Lore und seine Tochter Judith gefielen diese Idee und beschlossen, mich in dieser Reise zu begleiten. Dies ist die gleiche Reise von Deutschland nach Beirut, die ich mit meinem Vater im Jahre 1973 gemacht habe. Dies war das vierte Mal, dass ich diese gleiche Reise in meinem Leben mit dem Auto gemacht habe. Die erste Reise war ich allein mit einem Mercedes Pkw, welchen ich in Deutschland gekauft habe. Die zweite Reise war mit einem Freund von mir auch in einem Mercedes Wagen, den ich in Deutschland gekauft habe. Die dritte Reise war mit meinem Vater im Jahre 1973 mit einem Opel Pkw, welchen ich in Deutschland gekauft habe. Ich habe später diese Reise zweimal gemacht, einmal in 1990 und einmal in 1992 mit meiner Frau und Sohn. Details unserer Reise im Jahre 1990  (das war eine Jordanien – Deutschland – Libanon – Autofahrt). – Sie erscheint später in der Geschichte.

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Rechnung meines Mercedes Auto.

 

Rudolf und seine Familie blieben bei uns in unserem Haus in West Beirut für zirka 2 Wochen und reisten zurück nach Deutschland mit dem Flugzeug.

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L. –> R.: mein Bruder Rudolf, seine Tochter Judith, seine Frau Lore, (ich) Paul. Ein Wasserrad von der Stadt Hama, Syrien, sieht man hinter uns, 1980.

 

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Klares Bild von Paul (ich) mit den Wasserrädern (Norias) während einer anderen Reise mit meiner Frau nach Hama, Syrien, in 1986.

 

Mutter und Vater:


Unser Vater ist am 11.02.1981 in Tübingen gestorben und wurde in Sankt Blasien, Schwarzwald, begraben.

Nach einem langen Kampf vom 24.12.1984 bis 29.04.1985 ist unsere Mutter im Amerikanischem Krankenhaus zu Beirut gestorben. Ihr Wille war neben Ihrem Ehemann in Sankt Blasien, Schwarzwald, begraben zu sein und haben ihr diesen Willen erfüllt.

Der Frauenname JAMILE bedeutet Schönheit:


Albert, ich erinnere mich noch, als du mich das erste Mal auf dem Balkon des Hauses meines Onkels gesehen hast, du gesagt hast, dass deine Augen mit einem Blick mich geliebt haben. Du hast gesagt, dass meine dunklen Haare, besser riechen als Weihrauch und Zedernholz. Du hast gesagt, falls du lange weinen könntest, würdest du deine warmen Tränen, aus deine blauen Augen, auf einen roten Teppich giessen, damit wir gemeinsam mit deinem Schlitten fahren können.

Nach der Heirat habe ich dir meine Vergangenheit erzählt und dir alles gegeben: mein Herz, meine treue Liebe, meine Seele, mein Blut, mein Geld, mein Körper, mein Vetrauen, meine Gedanken. Sehr früh hat mein Herz dir mein Versprechen gegeben, ich war nur 17 Jahre alt. Meinen schwarzen Schleier habe ich dir geschenkt, damit du ihn riechen, dein Gesicht und deine Augen, mit ihm trocknen kannst. Ich konnte mit dir mit geschlossenen Augen schön feiern und war froh und glücklich. Du bist ein Denkmal für meine Augen!!

Du hast gesagt, meine Stirn sieht aus wie ein kleiner Teppich aus Seide. Meine
Augenbrauen und Wimpern sind wie ein Regen- und Sonnenschirm, die mein Gesicht und meine empfindliche Haut schützen. Meine Augen sehen aus wie Rosé Weintrauben, aus der fruchtbaren Bekaa Ebene in Libanon. Meine Nase gibt dir Sauerstoff, wenn du nicht mehr atmen kannst. Meine rötlichen Lippen, sehen aus wie reife Pistazien aus Aleppo. Mein Mund schmeckt dir besser als lieblischer Wein. Meine Ohren sind wie deutscher Lebkuchen, der dir bestens schmeckte. Meinen langen Hals hast du mir mit der schönsten Perlenkette dekoriert. Du  hast gesagt, mein Bauchnabel ist ein tiefer, ernährender, Milchbrunnen für unsere Kinder. Du hast mir gesagt, alle Stellen an meinem Körper sind schön. Kein Stern im Weltall und Erde ist schöner als dich. Kein Stern ähnelt dich. Gott hat dich so geboren und zu mir geschickt, meine schöne, liebe, liebe Frau. Küss mich täglich mein lieber Mann, und gehe weiter mein Liebling (Habibi). Komm mein Liebling (Habibi) täglich zu mir, küss mich und sag Aufwiedersehen!

Unsere schönsten Jahre waren bis vor Beginn des zweiten Weltkrieges. Es gab nie Zank, nie Misverständnisse, nie Beleidigungen. Ich bin wie zwei rote Rosen an deine Wangen gepflanzt, mein lieber Mann (Habibi), damit du mich immer riechen kannst. Ich kann niemand hassen. Alle die uns tadelten, stellte ich nachträglich fest, dass sie uns doch lieben. Der böse Krieg hat uns getrennt. Ich konnte meinen lieben Sohn Rudolf, nur 9 Jahre pflegen, sehen, riechen, fühlen, tragen, seine Stimme hören, seine Wäsche waschen. Ich will neben dir, in deiner ursprünglichen Heimat, im Friedhof in St. Blasien ruhen, um in der Nähe von Rudolf zu sein, den ich nur 15 Jahre gesehen habe.

Als wir heirateten war ich sehr jung, lieber Mann! Ich wusste nicht was Liebe ist, erst als deine Arme mich umarmten. Ich fühlte dich, meine Wangen wurden heiss, mein Herz pulsierte das Maximum. Was du mir gesagt, geschenkt und erfüllt hast, waren wirkliche Träume, viel Glück, ewige, unvergessliche Liebe und Erinnerungen! Gott hat uns 8 Kinder geschenkt, die besten Geschenke!!

Du und deine Brüder, Theodor und Adolf, haben während des ersten Weltkrieges fünf Jahre für das Kaiserreich, in Syrien und Irak, gekämpft. Du warst nur 18 Jahre alt. Du und dein Bruder Adolf, haben während des zweiten Weltkrieges für Deutschland in Tunesien und Lybien, Hilfe für das Afrikakorps geleistet. Du bist dort krank geworden. Dein Bruder Theodor, hat seine zwei Söhne, Manfred und Helmut, im Alter von 8 und 10 Jahren durch Allierte Bombardierungen in Stuttgart verloren. Ihr Schicksal war der Opferaltar in Stuttgart, für das Vaterland. Dein Bruder Theodor und seine Frau Linda, konnten die Gräber ihrer Söhne, wegen Schmerz und Trauer nicht mehr sehen und verkraften, sind daher Ende 1948 nach Libanon zurückgekehrt.

Leb wohl mein lieber Mann, leb wohl. Wir sind bald zusammen. Die Liebe hat zwei Flügel. Der südliche Wind treibt einen Flügel zu dir nach St. Blasien, ein Flügel landet auf das Grab unseres Sohnes Roland, der nur paar Monate lebte und auf das Grab deines Vaters, Wilhelm, im Friedhof, in Beirut. Ich glaube an Auferstehung, an Auferstehung, sehen uns wieder in Deutschland und Libanon, in Deutschland und Libanon. Beide Länder sind unsere Liebe, unser Leben, unsere Identität, unsere Sehnsucht, unsere schönen Erinnerungen! Ade mein lieber Mann! Ade mein lieber Mann! Habibi! Habibi! Habibi!!

So waren ihre letzten Worte im Sterbebett und ist eingeschlafen!! Sie kämpfte weiter für die Familie, das letzte Mal, das letzte Mal, gegen den Tod, gegen den Tod. Der Tod war stärker!! War stärker, war stärker, war stärker!!

Mutter’s Witwenrente – 1981:


Nachdem unser Vater verstorben ist schickte mir mein Bruder Rudolf ein Dokument vom Rentenamt wegen ihrer Rente, welches meine Mutter unterschreiben soll und von der Deutschen Botschaft in Beirut zu beglaubigen ist. Meine Mutter war seit Monate krank und ihre Gesundheit hat sich nicht verbessert. Sie konnte kaum noch zu Fuss im Haus gehen und da damals Bürgerkriegszustand in Beirut herrschte war es meiner Mutter nicht möglich, die Deutsche Botschaft in West Beirut aufzusuchen. Ich meldete mich bei der Deutschen Botschaft wegen dieser Angelegenheit, welche damals noch in West Beirut war. Eine deutsche Dame kam ins Wartezimmer, trug weisse Strümpfe an bis zu den Knien hochgekrempelt, sagte laut und grob, dass meine Mutter selbst in die Botschaft kommen muss, in ihrer Anwesenheit den Rentenantrag unterschreiben muss. Ich erklärte ihr wegen meiner Mutters schlechte Gesundheit, dass sie nicht mit mir kommen kann, weil sie kaum zu Fuss gehen kann. Die Dame sagte in einem unfreundlichen Ton, so soll sie mit Rote Kreuz Krankenwagen kommen. Ich sagte ihr, dass die Rote Kreuz Krankenwagen, kranke Leute nur in das nächste Krankenhaus fahren dürfen. Ich fragte sie, ob sie mit mir zu uns kommen kann, um meine Mutter zu sehen, damit sie das Dokument in ihrer Anwesenheit unterzeichnen kann. Hier explodierte sie, lehnte total ab und verschwand vom Wartezimmer.

Ich kenne einen libanesischen Herrn der in der Botschaft, in der Visa Abteilung tätig ist, Herr Youssef Abou Chaar. Ich sprach mit ihm per Sprechanlage, erklärte ihm Mutter’s Angelegenheit. Er sagte mir, dass diese Person eine seltsame Dame ist. Wir Libanesen in der Botschaft nennen sie, die Dame mit den weissen langen Strümpfe. Ich werde mit einem jungen verantwortlichen deutschen Herrn wegen dieser Sache sprechen, der sehr freundlich und gesellig ist. Er kam gleich, fragte mich, ob ich ein Auto habe. Wir sind mit meinem Auto zu uns gefahren und meine Mutter unterschrieb in seiner Anwesenheit, mit zitternden Händen dieses Dokument, für einen kleinen monatlichen Betrag in Höhe von zirka DM 100. Ich bedankte mich und habe ihn in die Botschaft zurückgefahren.

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Vollmacht wegen Mutters Witwenrente.

 

Besetzung unserer Wohnung in West Beirut – 1985:


Ende 1985 wurde unsere Eigentumswohnung in West Beirut während meiner Abwesenheit von einer Schiiten Familie, Mitglied der Amal Miliz besetzt. Youssef Abou Chaar von der deutschen Botschaft kontaktierte meinen Bruder Rudolf in Sankt Blasien, Schwarzwald, teilte ihm diese Nachricht mit. Man sagte ihm, daβ einer von uns nach Beirut kommen soll und sich bei der Botschaft umgehend melden soll. Ich war damals geschäftlich in Amman, Jordanien. Mein Bruder erreichte mich telefonisch im Hotel wo ich immer reservierte und teilte mir diese Nachricht mit. Ich bin gleich nach Beirut gefahren, meldete mich bei der Botschaft, die damals noch in West Beirut war. Ich kann mich nicht mehr erinnern, mit wem ich damals von der Botschaft gesprochen habe. Nach langen Verhandlungen der Botschaft mit der Schiiten Amal Miliz wurde unsere Eigentumswohnung etwa Ende 1986 freigegeben. Natürlich wurde vieles wieder im Haus geplündert.

Da die Sicherheitslage in West Beirut für Europäer und Christen schlecht war und weil unsere Eigentumswohnung total geplündert wurde, ich geschäftlich in Syrien und Jordanien mehr zu tun hatte als in Libanon, konnte ich in unserer Wohnung in West Beirut nicht mehr wohnen. Wenn ich nach Beirut zurückkam, wohnte ich im Hotel Ahiram, in Byblos, Nord Libanon, zirka 40 Km nördlich von Beirut.

Heirat – 1986:


Am 29.03.1986 heiratete ich in Beirut: Claudia Elias Karam, Libanesin. Am 14.05.1987 ist unser Sohn: Paul Kleinknecht, in Beirut geboren.

Hochzeit 29.03.1986

Hochzeit 29.03.1986, Beirut, Libanon.

Mit meiner Frau und Sohn Paul Jr. in 1987

Mit meiner Frau und Sohn Paul Jr. 1987, Beirut, Libanon.

Mein Sohn in 2014

Unser Sohn Paul in 2014.

 

Wiederbesetzung unserer Wohnung in west Beirut – 1986: 


Eine sunnitische Familie, Mitglied einer syrischen Miliz besetzte wieder unsere Eigentumswohnung. Ich und meine Frau meldeten uns bei der Deutschen Botschaft in Rabieh, Mtaileb, Nord Libanon, an. Empfangen hat uns Frau Heidi Istanbouli und führte uns ins Büro von Herrn Harmel. Wir teilte ihm mit, dass unsere Wohnung wieder besetzt wurde und baten ihn uns wieder zu helfen, dass unsere Wohnung freigegeben wird. Herr Harmel, nervös, unfreundlich, stur, sprach wie ein kleiner Diktator: die Botschaft ist keine Polizeiwache. Beauftragt Euren Rechtsanwalt und verschwand von seinem Büro.

Napoleon über die Deutschen: (Per Internet fand ich folgende Zeilen was Napoleon über die Deutschen sagte)


“Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit grösserer Erbitterung als ihre wirkliche Feinde”. – Hinter Napoleon kann man das Brandenburger Tor in Berlin sehen.

(Napoleon)

napoleon about the germans

 

Attentat René Mouawad – 1989:


Am 22.11.1989 geschah das Attentat mit Autobombe gegen den gewählten libanesischen Staatspräsidenten René Mouawad, in West Beirut, etwa 100 Meter von unserer Eigentumswohnung entfernt. Es gab Wandschäden in der Wohnung; fast alle Fensterscheiben, Fensterläden und Haustüren sind durch die gewaltige Explosion und die starke Druckwelle total zerstört und in die Luft geschleudert worden. Damals wohnte ich mit meiner Frau und meinen Sohn in unser Apartment in Hadath, Ost Beirut, Libanon.

Golfkrieg – 1990:


Als der Golfkrieg 1990 anfing, waren ich und meine Frau und mein Sohn in Jordanien. Die Sicherheitslage für Ausländer wurde in Jordanien gefährlich. Die Lage in Libanon war auch sehr schlimm. Daher sind wir drei mit unserem Auto (dasselbe Mercedes Auto mit welches ich von Deutschland nach Libanon mit meinem Bruder Rudolf und seine Familie in 1979 gefahren bin)  nach Deutschland  gefahren und wohnten bei meiner Schwester Anita Stütz in Germering. An der österreichischen Grenze gab es mit dem Zoll auch Probleme und Verzögerung. Die Zollbeamten sahen unser Auto mit libanesisches Kennzeichen. So fingen sie an jeden Zentimeter von innen und aussen das Auto zu untersuchen. Sie brachten zwei Schäferhunde, um unser Auto zu schnuppern. Mein Sohn bekam sehr Angst von diese zwei Tiere. Nach einer Weile verlangte man unsere Personalausweise. Als die Beamten meinen deutschen Reisepass sahen waren sie schockiert, dass sie diese strenge Kontrolle für deutsche Staatsbürger gemacht haben. Sie haben sich entschuldigt und wir sind dann weitergefahren.

Präsidentenpalast Baabda und Ende des Bürgerkrieges:


Am 14.10.1990 wurde der libanesische Präsidentenpalast in Baabda, paar Kilometer östlich von Beirut, von der syrischen Armee und ihre libanesische allierte Milizen erstürmt und besetzt worden. Der libanesische General Michel Aoun, der dort ausharrte, sich als legaler Representant der libanesischen Regierung betrachtete, flüchtete in die Französische Botschaft. Der Libanesische Bürgerkrieg der am 13. April 1975 angefangen hatte war somit am 14.10.1990 beendet! Wir waren damals in Germering bei meiner Schwester Anita Stüz. Wir hörten die Nachrichten was in Beirut geschehen ist. Mit Schwierigkeit konnten wir die Eltern meiner Frau telefonisch erreichen. Ihr Bruder teilte ihr mit, daβ unser Apartment in Hadath, Ost Beirut, von einem syrischen General und seine Soldaten besetzt wurde und wir sollen umgehend nach Beirut zurückkehren, um unser Apartment zu reklamieren. Wir wohnten damals in dem Vorort von Beirut, Hadath, paar Kilometer östlich von Beirut enfernt, entlang der Demarkationslinie zwischen West und Ost Beirut.

Rückreise nach Beirut:


Wir sind am 15.10.1990 mit unserem Auto gestartet und nach paar Tagen in Beirut angekommen. Nach langen Verhandlungen mit den Syrern; mit Unterstützung eines guten syrischen Freund, der gute Kontakte mit dem syrischen Geheimdienst hatte, wurde unser Apartment freigegeben. Auch hier wurde unser Apartment total geplündert und durch Bombardierungen und Schiessereien beschädigt, weil unser Apartment sich entlang der gefährlichen Beiruter Demarkationslinie befand.

Antrag für Freigabe unsere Eigentumswohnung in West Beirut – 1992:


1991/1992 als es wieder eine Regierung in Libanon gab und der Regierungsapparat teilweise funktionierte, konnten wir einen Antrag beim libanesischem Innenministerium wegen Freigabe unserer besetzten Eigentumswohnung in West Beirut beantragen. Nach wochenlangen Untersuchungen des libanesischen Innenministeriums mit der zuständigen Polizeiwache des Beiruter Stadtviertels Mouseitbe, wo unsere Eigentumswohnung ist, und Warnungen der Polizeistation an die Familie die unser Haus besetzte es zu verlassen, diese sich weigerte das Haus zu verlassen, weil sie angeblich keine Wohnung hat, um umzuziehen, wurde seitens des Innenministeriums befohlen, dass die Familie unsere Eigentumswohnung per Gewalt verlassen muss. So geschah es und endlich wurde unsere Eigentumswohnung in West Beirut nach zirka 7 Jahre wieder frei nachdem es erst besetzt wurde, aber nicht ohne grosse Bakhschich Beträge für einige Beamte.

Heute – 2015:


Meine sechs Geschwister und ich leben alle noch. Aufgeführt vom Ältesten bis zum Jüngsten:

  • Bertha Herrig – Kelkheim/Fischbach,Taunus, Deutschland (hat zwei Töchter, Manuela und Andrea)
  • Charlotte Schnittker – Uitikon-Waldegg, Schweiz (hat eine Tochter und einen Sohn, Ulrike und Markus)
  • Rudolf Walter Kleinknecht – St. Blasien/Schwarzwald, Deutschland (hat einen Sohn und eine Tochter, Rudolf Jr. und Judith)
  • Anita Stütz – Germering, Deutschland (hat eine Tochter und einen Sohn, Isis und Thomas)
  • Paul Heinz Kleinknecht (ich) – Baabda, Libanon (habe einen Sohn, Paul Jr.)
  • Wolfgang Siegfried Kleinknecht – Quadrath-Ichendorf, Deutschland (hat zwei Töchter, Ina und Inga)
  • Hilde Khoury – Fort Lauderdale, Florida, USA (hat einen Sohn und eine Tochter, Albert und Adelita)

Zu bedauern ist, dass von der dritten Generation meine Neffen Rudolf Kleinknecht Jr. 1995 und Albert Khoury 2014 gestorben sind.


 

ABSCHLUSS:


(“ARABIA FELIX”:  (“das Glückliche oder Blühende Arabien”)
“Irak”: Ein geheimnisvolles Morgenland  *  Paradiesgärten  * Weltwunder  * Weihrauchstrassen  *  Düfte und Zauber des Orients  * Felsenstädte.
Die Hängenden Gärten von Babylon: ist eins von neun Weltwunder.
Zitadelle von Erbil: ist eine Zitadelle – befestigte Hügelstadt, die 25 – 32 Meter über der umgebenden Stadt ragt. Eine der ältesten ununterbrochen bewohnten Städte der Welt, mindestens seit 6000 v. Chr. bewohnt.
Ziggurat von Ur: eine der ältesten Gebäude der Erde. Es ist die Heimat des biblischen Abraham. Sumerischer Schrein wurde (2100 v. Chr.) gebaut. Diese Stufenpyramide war mehr als 30 Meter hoch. 
Wadi Al-Salam, Najaf: grösster Friedhof der Welt mit mehr als 900 ha und etwa 5 Millionen Bestattungen. Der Friedhof wird seit etwa 1.400 Jahren genutzt und hier sind mehrere prominente Menschen begraben. Das Gebiet ist dicht mit Grabstätten bedeckt.
Mar Mattai Kloster, Ninive: eines der ältesten existierenden Klöster, gegründet im Jahre 363 n. Chr. von Eremit Mattai, der der römischen Verfolgung entkam. Das Kloster hat eine Bibliothek mit einzigartigen Werten.

“JORDANIEN”:
Petra: die Hauptstadt der Nabatäer, geschnitzt aus den rosaroten Felsen.
Heisse Quellen von Ma’in: 264 Meter unter dem Meeresspiegel, 109 heisse und kalte Quellen, das Wasser wird auf 63 Grad Celsius erhitzt, eine der atemberaubendsten Wüstenoasen der Welt.
Philadelphia Theater in Amman: Römisches Theater in Amman, es ist ein 6.000 Sitz Theater des 2. Jahrhunderts. Ein berühmtes Wahrzeichen in der jordanischen Hauptstadt Amman. Es stammt aus der Römerzeit, als die Stadt als Philadelphia bekannt war.
Gerasa oder Jerasch (arabisch): Diese Römerstadt in Jordanien, liegt 40 Km nördlich von Amman. Diese antike Stadt war Teil der sogenannten Dekapolis (10 Städte). Man nennt Jerasch, die “Stadt der 1000 Säulen”, auch “Pompeji des Nahen Ostens”. Es ist eines der am besten erhaltenen Zeugnisse römischer Baukunst.
Totes Meer: grosser Salzsee teilweise in Jordanien und Israel, 417 Meter unter dem Meeresspiegel. Das Tote Meer ist der tiefste See der Erde. Infolge des hohen Salzanteils von etwa 25%, gibt es kein Leben für Lebewesen. Die Salzkruste sieht aus, als gäbe es dort Schnee auf der Wasserfläche.
Madaba: die “Stadt der Mosaike” in Jordanien, mit ihrer Mosaikkarte Jerusalems aus dem 6. Jahrhundert in der Madaba Mappe.
Der Fluss Jordan: Jesus wurde durch Johannes dem Täufer in Bethanien (al-Maghtas d.h. auf arabisch Badewanne) am Jordan Fluss getauft. Der Taufort Jesu auf Seite jordanischer Seite wurde zum Weltkulturerbe erklärt.

“PALÄSTINA”:
Jerusalem: die hochgebaute Stadt, mit ihren alten Kirchen, Moscheen und Synagogen.
Christus: Du bist das Licht und das Leben der Welt.
Kirche des Heiligen Grabes: christliche Kapelle aus dem 4. Jahrhundert.
– 
Klagemauer:
alte Stätte für jüdische Beter.
– 
Tempelberg:
Hügelgipfel Gelände mit religiösen Stätten.
Al-Aqsa Moschee:
islamische Moschee mit goldener Kuppel.
– 
Berg Zion: 
David, Kirche, Grab, Tempel und Abtei.
– Davids Turm: alte Zitadelle und Stadtgeschichtsmuseum.
– 
Kalvarienberg: Kirche, Kapelle, Chistentum, Basilika und Grab.
Yad Vashhem: Holocaust-Gedenkstätte und Bildungszentrum.
 Grab der Jungfrau Maria:
 Verehrtes Grab der Jungfrau Maria.
– Geburtskirche:
 geschichtsberühmte Kirche aus dem 4. Jahrhundert in Bethlehem.
 Jerusalem: ist der nächste Ort auf der Erde für Gott. Oh Gott, wir kommen zu Dir.
– Jerusalem: die Stadt der Propheten: Abraham, Moses, Jesus, David, Mohammed.
– Felsendom: ist die älteste islamische Struktur. Islamischer Schrein, der den Grundfelsen unterbringt.
 Jerusalem: die Stadt auf einem Hügel verbindet die Welt miteinander.
 Jerusalem: die Stadt der Träume, die Stadt der Sorgen.
In dieser alten, heiligen Stadt, unterhält man sich nur über Wahrheiten.
Yaffa: laut Mythologie wurde Jaffa nach Yafet benannt, einem Sohn von Noah, der die Stadt nach der Flut erbaut hat. Eine der ältesten Städte am Mittelmeer. Yaffa war der wichtigste Seehafen und Handelsplatz Palästinas. Dies ist der Hafen, in den die Zedern des Libanon verschifft wurden, bevor sie für den Bau des Tempels nach Jerusalem transportiert wurden. Während seiner grossen Reise in den Orient 1889/1890, besuchte Karl May, der berühmte deutsche Schriftsteller, aus Sarona kommend am 26. und 27. Juli 1889, die deutsche Auswanderer Templer Kolonie Sarona, Yaffa mit seiner Frau.

“LIBANON”:
Archäologische Schätze und Entdeckungen.
Heilige, Kirchen, Moscheen und Künstler in luftigen Höhen.
Die Baalbek Tempel: eine beeindruckende Zeitreise in die Antike – gigantische Ausmasse in Breite und Höhe der ausgegrabenen Architektur.
Grotte von Jeita: ist eine gewaltige Tropfsteinhöhle, eine bizare Wunderwelt aus Stalaktiten und Stalagmiten.
Beirut: ist das Wasser und die Luft für uns.
Libanon: ein Paradies für Historiker und Archäologen.
Die Stadt Byblos: ist eine alte Hafenstadt der Phoenizier, deren Geschichte bis ins 7. Jahrtausend vor Christus zurückreicht. Sie gehört zu den ältesten permanent besiedelten Orten der Erde. Ist UNESCO Weltkulturerbe.
Tyrus: war eine reiche und mächtige Hafenstadt von Phönizien am Mittelmeer: Sur heute. Belagert von Alexander dem Grossen 333-332 v. Chr. und erobert und zerstört. Sie erholte sich nie von der Zerstörung, die es erlitten hatte, als die Araber sie wiedererlangten.Wurde 1984 als Weltkulturerbe erklärt. Tyros ist eine antike phönizische Stadt und der Geburtsort der legendären Prinzessin Elissa und Gründerin von Carthago.
Libanon: ist die Heimat der heiligen Zedern und die Heimat des ersten Wunders Jesu in Qanah al-Jalil. Die Zedern des Herrn (Arz el Rab) sind Gottes Zedern.
Libanon: ist ein Schmelztiegel von Orient und Okzident. Fünf Orte in Libanon sind als UNESCO Weltkulturerbe ausgezeichnet.
Das archäeologische und historische Erbe in Libanon, sind Libanons Öl.

Einige Fakten über das kleine Land Libanon:


* Der Libanon ist 10.452 qkm gross, zirka vier Mal grösser als das Saarland, 2.567 qkm.
* Die Phönizier sind die Vorfahren der Libanesen, haben das lateinische Alphabet erfunden. Es war der Gelehrte Kadmos in Byblos.
* Der Name der Bibel stammt von der phönizischen Hafenstadt Byblos ab, von der das erste lateinische Alphabet nach Europa geschickt wurde.
* Die letzte Reise des Apostels Paulus nach Rom war von Sidon.
* Die Phönizier waren die grösten und mutigsten Seefahrer der Antike auf der Suche nach Reichtum. Sie haben den amerikanischen Kontinent vor Kolumbus entdeckt.
* Elissa, eine phönizische Prinzessin von Tyrus, Libanon, gründete die Stadt Karthago, “Qart Hadath” (auf Phönizisch – bedeutet die Neue Stadt, 814 vor Chr.) Elissa wurde die erste Königin von Karthago. Sie verlangte vom örtlichen Berber Häuptling ein Stück Land so gross wie ein Ochsenfell, schnitt das Ochsenfell in die dünnsten Streifen und erwarb somit einen grösseren Teil des Bodens, als sie anscheinend verlangt hatte, woher der Ort später den Namen “Byrsa” bekam, was auf Griechisch Ochsenfell bedeutet. Im Hafen von Tyrus, Libanon, singen die Fischer bis heute “Ela-eee-sa, Ela-eee-sa”, während sie ihre Netze einholen. Sie können nicht sagen, warum, vielleicht ist es für Glück, oder vielleicht ist es eine Klage für ihre Prinzessin, die ihre Heimat verlassen hatte und nie zurückkehrte.
* König Salomon hat Zedernholz aus dem Libanon für den Tempelbau für die Tempelausstattung und Tempeldekoration in Jerusalem importiert.
* Im Libanon gibt es 18 anerkannte christliche und islamische Religionsgemeinschaften.
* In Beiruts historischem Stadtzentrum gab es die erste römische Rechtsschule bis zum Erdbeben 551 nach Christus.
* Libanon wurde 16 Mal besetzt: Pharaonen, Assyrer, Babylonier, Perser, Hettiter, Griechen, Römer, Byzantiner, Araber, Ägypter, Kreuzritter, Osmanen, England, Frankreich, Israel, Syrien.
* Im Libanon gibt es zwei Sonnenaufgänge und zwei Sonnenuntergänge an einem Tag; den ersten kann man in der Bekaa Ebene, danach fahren Sie über das westliche Gebirge in Richtung Küste und sehen den zweiten an der Küste.
* Im Winter kann man am Vormittag auf dem Libanongebirge in einigen Skigebiete Skifahren und am Nachmittag im Mittelmeer baden gehen. Es schneit jeden Winter im Libanon.
* Die höchste Bergspitze im Libanon ist im Norden (Dahr el-Qadeeb) ist 3.091 Meter hoch, höher als die Zugspitze in den deutschen Alpen, 2.962 Meter hoch. Es gibt ewiger Schnee in den Bergen in Nord Libanon.
* Die Libanesen sprechen weitgehend drei Sprachen; arabisch, englisch und französisch.
* Libanon ist der einzige demokratische Staat in der arabischen Welt.
* Libanon ist das einzige arabische Land welches keine Wüste hat.
* Die Libanesen gehen am häufigsten ins Kino.
* Das Buch Der Prophet des libanesischen Dichters, Philosophen und Malers, Gibran Khalil Gibran (1883-1931) wurde in über 40 Sprachen übersetzt.
* Es leben ungefähr 4.5 Millionen Libanesen im Libanon und zirka 15 Millionen im Ausland.
* Der libanesische Geschäftsmann Carlos Slim Helou (geb. 28.01.1940) in Mexico City, ist einer der reichsten Männer der Welt.
* Die Libanesinnen tragen die kürzesten Miniröcke und die kürzesten Hosen und die engsten und kürzesten Bustiers und T-Shirts mit tiefsten Ausschnitten. Per Gesetz ist es verboten, aber im Libanon kann man nicht alle Gesetze vollstrecken.
* Die Libanesinnen machen die meisten Schönheitsoperationen an Nasen, Lippen, Zähne und Brüste.
* Die beste schmeckende Pizza, der beste Espresso, der beste Cappuccino, das beste Essen, das beste Brot, das beste Eis, der beste Wein, das beste Bier, der beste Arak, das beste Trinkwasser der Welt kann man im Libanon geniessen.
* Die libanesische Gastfreundlichkeit steht ganz oben.
* Das Luxushotel Grand Hills im Libanon, eingebettet in das bekannte Bergdorf  Broummana, ist ca. 20 Km von der Stadt Beirut und dem internationalen Flughafen Beirut entfernt. Es bietet einen atemberaubenden Blick auf die Berge mit ihren Pinienwäldern und die goldene Küste des Libanon. Die Royal Residence ist nach Guinnes World Record die grösste Hotel suite der Welt. Sie ist exquisit eingerichtet und hat eine Fläche von 4.131 Quadratmetern.

“SYRIEN”: Palmyra: Oasenstadt in der syrischen Wüste, die Ruinen des antiken Palmyra sind Weltkulturerbe.
Afamia oder Apameia: Römische Ruinen in Nord Syrien.
Tote Städte: in Nord Syrien.
Krak des Chevaliers: ist eine massive Kreuzfahrerfestung in Syrien, die während des Ersten Kreuzzugs an einem strategisch wichtigen Punkt 40 Kilometer westlich von der Stadt Homs gebaut wurde. Krak des Chevaliers erbaut auf dem 650 Meter hohen Hügel, der die umliegende Landschaft dominiert.
Die Zitadelle von Aleppo: ist eine der ältesten und grössten Festungen der Welt.
Aleppo: die Antike Stadt, die sich durch ihre grossen Villen, engen Gassen, überdachte Souks und alten Karawansereien auszeichnet, wurde 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
Haus des Heiligen Ananias: auch Kapelle des Heiligen Ananias genannt, ist eine alte unterirdische Struktur in Damaskus, die angeblich die Überreste des Hauses von Ananias von Damaskus ist, wo Ananias Saul getauft hatte, der Apostel Paulus wurde. Die Kirche befindet sich am Ende der Strasse, die Gerade Strasse genannt wird, die in der Bibel, in der Nähe des Bab Sharqi erwähnt wird, d.h. das südliche Tor.
Norias: die römischen Holzgiganten Wasserräder von Hama, (ناعورة) Wahrzeichen der Stadt Hama. Die Wasserräder des Orontes-Flusses haben einen Durchmesser bis zu 22 Meter und gelten als die weltgrössten Wasserräder.

“ÄGYPTEN”: uraltes Kulturland:
Der Leuchtturm auf der Insel Pharos bei Alexandria und die 70 ägyptischen Pyramiden sind zwei von neun Weltwunder.
Milde lächelnd blickt der Kopf der SPHINX neben ihnen aus dem Sand.
Luxor: die Stadt in Oberägypten mit dem weltgrössten Freilichtmuseum.
Magische Ausstrahlungen, Türkisblaue Kuppeln.
Cleopatra: Königin von Ägypten, berühmt für ihre Schönheit. Und Heimat der ägyptischen Königin Nofretete, Lieblingsfrau des Pharaos, Echnaton.
Tempel der Isis auf der Insel Philä.
Nil: der längste Fluss Afrikas und der Erde, 6.671 Km.

In mir erwachen viele Erinnerungen seit meiner Kindheit und meiner langjährigen Aufenthalte in paar arabischen Länder. Viele Erinnerungen sind schön und manche sind negativ. Die arabische Kultur für viele Leute der westlichen Welt wird vielleicht wie folgt verstanden:  “Tausendundeine Nacht, Harems, Scheherezade, Semiramis, Bauchtanz, Fladenbrot, Hommos, Falafel, Wasserpfeifen, Souks, Kamele, Karawanen, Sandwüsten, Zelte, Beduinen, Turbane, Frauenschleier, Salam Aleikum (Frieden für Euch), Ahlan wa Sahlan (Willkommen), Ma’a Salama, (auf Wiedersehen)”.  Die arabische Kultur und die vorarabischen Kulturen im Nahen Osten und Nord Afrika gaben der Menscheit die schönsten und ausdrucksstärksten Kulturgüter. Die Schönheit und Vielfältigkeit der arabischen Kultur, so vielfältig wie die arabischen Länder und die Menschen in dieser Gegend, ist das Andere für die westliche Welt. Diese alte und moderne arabische Kultur sollte man kennenlernen. Auch die reiche Sprache, Literatur, Philosophie, Kunst, Musik, Theater, Tanz und die einzigartige arabische Architektur werden Sie entführen in eine andere, unbekannte Welt. Die Kunstfertigkeit der Musiker und Musik, aus 1/4-, 3/4- und 5/4- Tönen ist herrlich. Die Melodien, vielfach mit einer hohen Note beginnend. Wer hört nicht gern die Kurzhalslaute (Uud), trapezförmige Brettzitter, mundstücklose Bambusrohrflöte (Nay)!

Die talentierten, intensiv ausdrucksvollen Tanzaufführungen des orientalischen Tanzes der Bauchtänzerinnen, auf der Grundlage des traditionellen ägyptischen Tanzes, von Samia Gamal, Tahiya Karioka, Naima Akef und anderen Tänzerinnen sind so faszinierend, so dass kein Schmetterling, kein Adler, keine Schwalbe sie nachahmen können. Die sehr weibliche arabische Mode, die sehr gutschmeckende und reiche arabische Küche, die lebendige Neugierde der Menschen in der arabischen Welt für das Fremde und die überraschend entgegengebrachte Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft, sind die schönsten Merkmale arabischer Kulturgüter.

Ich bin kein Reporter, kein Dichter, kein Schriftsteller, kein Politiker. Interessiere mich für Geschichte, Archäologie, Geographie. Einen kleinen Beitrag möchte ich den schwäbischen Templern  (sie sind Deutsche die nach Palästina auswanderten, um auf die zweite Rückkehr Christi, um die Jahrhundertwende 1900 zu empfangen, haben ihre Häuser und Kolonien gebaut, wo ich mit meiner Mutter und meine drei Geschwister und meine Grossmutter und meine zwei Tanten interniert waren, ehe die Templer von Isreal 1948 ohne Entschädigung vertrieben wurden)  und die mit uns internierten Deutschen, während unserer Internierung von Mai 1941 bis Oktober 1946 in Sarona und Wilhelma, widmen:

Die Templer haben beste Arbeit geleistet. Mutig machten die pietistischen Deutschen sich ans Werk, in eine türkische Proviz, heruntergekommen durch Misswirtschaft und Korruption, setzten gerade Alleen mit sauberen, haltbaren Häusern. Sie bohrten im trockenen nach Wasser. Die Türken legten den unbeliebten Christen viele Steine in die Wege und erhoben hohe Steuern. Ohne Bakschisch lief bei den Türken nichts. Die Beduinen verwüsteten viele Plantagen mutwillig. Das Klima des Nahen Ostens hat den Templern sehr geplagt und manche Familien zum Aufgeben gezwungen. Templer und ihr Schicksal sind verschwunden unter einer Schicht schrecklicher Naziverbrechen. Etwa 80 Jahre nach den mutigen Anfängen einer kleinen Siedlergruppe war es vorbei wie ein Spuk. Spuren sind doch geblieben; segnende Sprüche über den Haustüren, mit deutscher Sütterlinschrift geschrieben, gerade, breite Strassen und schöne schwäbische Häuser.  Die schwäbischen Pietisten schufen Mustersiedlungen in Palästina. Die fleissigen Templer kamen mit Schiffe nach Palästina und so ging ein Teil von ihnen auch übers Wasser, vom Heiligen Land, nach der alten Heimat Deutschland zurück, und ein Teil von ihnen auch per Schiffe nach der neuen Heimat, ins Land der Kängeruhs, Australien, von wo sie die Eukalyptusbäume  (insgesamt 1.300)  nach Palästina, auch übers Wasser schickten und sie in ihren Kolonien pflanzten”.

Orangen für das Dritte Reich

Die erste Privatbank in Palästina wurde 1924 von deutsche Geschäftsleute, mit Sitz in Jaffa gegründet.

 

Nach der Beschlagnahmung der zwei deutschen Templer Kolonien durch den neuen israelischen Staat, bekam Sarona den Namen “Kirya”, (bedeutet: Dorf) und Wilhelma  bekam den Namen “Bnei Atarot”, (bedeutet: Söhne von Atarot). Alle ehemalige zwei-stöckige Templer Häuser wurden bestens von den neuen Bisitzern restauriert und Sarona steht heute inmitten Tel Aviv, aus einer anderen Welt und anderen Zeit!
Obwohl wir nicht von der Templer Sekte sind, hatten wir gute Beziehungen zu ihnen gehabt. Die Templer haben uns gut behandelt und sie waren immer hilfsbereit und grosszügig zu uns. Auch die Lagerkommandanten und ihr Personal in den zwei Internierungslagern haben uns und die Templer gut behandelt.

Ich bin heute (2015) – 80 Jahre alt. Was ich sehr gerne wieder sehen möchte sind die zwei ehemaligen Templerkolonien, wo wir unsere Kindheit von Mai 1941 bis Oktober 1946 verbracht haben; wie sie heute aussehen, ob ich noch einige Templerhäuser erkennen kann, speziell wo wir wohnten und gespielt haben. In Wilhelma; wo wir mit unsere Klassenkameraden mit Nägel, scharfe Steine, Glasscheiben, unsere Namen in die glänzenden Eukalyptusbäumestämme eingraviert haben und unsere Luftdrachen, die ich gebastelt habe im Feld steigen gelassen haben.

Seit unsere Groβeltern im Land der Zedern ab 1890 lebten, hat es groβe Ereignisse in Libanon gegeben: zwei Weltkriege, zwei Bürgerkriege, einige israelische Invasionen, halb Libanon wurde besetzt, schreckliche Zerstörungen, einige Erdbeben, Entführungen von 90 unschuldige ausländische Personen, inklusive 7 deutsche Staatsbürger. Mit dem ersten organisierten Convoy der deutschen Botschaft schickte mein Vater meine zwei Schwestern und mein älterer Bruder (damals 9 Jahre alt) in November 1940 auf dem Landweg nach Stuttgart. Mein Vater und seine zwei Brüder sind Anfang 1941 nach Deutschland, mit dem zweiten organisierten Convoy der deutschen Botschaft nach Deutschland gereist. Er kam nur einmal nach Libanon mit meinem Auto in 1973 für einen Aufenthalt von 6 Monate und reiste dann zurück nach Deutschland und blieb dort bis er 1981 gestorben ist. Meine Grossmutter und ihre Tochter Klara, meine Mutter mit vier Kinder, sind in Beirut geblieben und wir sechs  (ohne Grossmutter) wurden per Gewalt, meine jüngste Schwester zirka 40 Tage alt, von Mai 1941 bis Oktober 1946 in Palästina interniert. Meine zwei ältesten Schwestern (Bertha und Charlotte) und mein älterer Bruder (Rudolf) kamen 1954 zurück nach Libanon, um mit ihren Geschwistern wieder zusammengeführt zu werden und natürlich, auch mit unsere Mutter. Die zweite Generation ist in Beirut bis Ende der 1950ger Jahre und Mitte der 1960ger Jahre geblieben. Dann haben sie das Land in kurzen Intervallen für Studium, Heirat oder Arbeit verlassen. Mein jüngster Bruder Wolfgang reiste nach Deutschland 1959 wegen Studium. Meine älteste Schwester Bertha reiste mit ihrem Deutschen Ehemann und ihre zwei Töchter nach Deutschland 1960. Mein ältester Bruder Rudolf reiste nach Deutschland 1961 mit seiner Familie, weil er keine Zukunft für seine Familie in Libanon sah. Meine jüngste Schwester Hilde reiste 1964 nach Ghana mit ihrem libanesischem Ehemann und später nach U.S.A. Meine Schwester Charlotte reiste mit ihrem deutschen Verlobten nach Schweiz 1964. Meine Schwester Anita reiste mit ihrem deutschen Verlobten nach Deutschland 1965. Ich bin in Libanon mit meiner Mutter geblieben (bis ihrem Tode 1985) und lebe hier bis heute mit meiner Familie.

Unschuldige deutsche Staatsbürger, die in Libanon während des libanesischen Bürgerkrieges entführt wurden:


Rudolf Cordes  : entführt in Beirut am 17. Januar 1987. Entlassen September 1988.
Alfred Schmidt: entführt in Beirut am 17. Januar 1987. Entlassen September 1987.
Ralph Schray: geboren in Beirut 1957, entführt in West Beirut am 27.01.1988. Entlassen am 3. März 1988.
Petra Schnitzler: 26 Jahre alt wurde in Sidon, Süd Libanon, am 16. May 1989 entführt. Wurde am selben Tag entlassen. Milizionäre fanden sie im Kofferraum eines Autos eingesperrt.
Thomas Kemptner: entführt am 16. Mai 1989. Entlassen Juni 1992.
Heinrich Strübig: entführt am 16. Mai 1989. Entlassen Juni 1992.

Name der siebten Person ist mir nicht bekannt.

Unsere Familie hatte ein sehr schwieriges Leben gehabt. Wie ich in meinem Bericht erwähne, wurde die Familie grausam von meinem Vater wegen des Krieges getrennt. Meine Mutter und 4 Kinder (ich eingeschlossen) blieben in Libanon und wurden 5 Jahre und 5 Monate in Palästina inhaftiert. Die anderen 3 Kinder wurden nach Deutschland geschickt, als sie noch sehr jung waren (die älteste Bertha 14 Jahre alt), um bei unbekannten Familien zu leben, ohne die Liebe und Zuneigung einer echten Mutter oder echten Vater zu haben. Während mein Vater allein in Deutschland lebte fern von jedermann.

Heute, meine Geschwister und ich leben jeweils in verschiedenen Teilen der Welt, jeder von uns trägt die schweren – wenn auch unterschiedlichen – Erinnerungen unserer Kindheit. Ich bin der einzige, der schließlich im Libanon geblieben ist, obgleich wenn wir alle hier geboren sind. Wir sehen uns noch gegenseitig, wenn auch selten, erleiden noch die Wunden unserer Trennung. Die Familien der dritten Generation, als Folge, sind leider kaum – wenn nicht sogar nie – in Kontakt mit den jeweils anderen. Jedes Mal, wenn wir uns treffen, unterhalten wir uns immer über unsere Geschichte, als wir getrennt wurden. Wir halten immer noch eine freundliche Beziehung zwischen der jeweils anderen, wenn auch mit der Zeit und Trennung, wurden wir ziemlich Fremde miteinander, mit der Trennung die einzige Bindung/Tragödie, die wir leider immer noch alle gemeinsam haben. Ich glaube, ich bin derjenige, der am meisten in Kontakt mit meinen Geschwistern zu bleiben versucht  (was immer noch nicht so viel ist wie es in der Regel sein sollte zwischen Geschwistern),  weil ihre Anwesenheit in meiner Erinnerung unvergänglich ist.

Ich habe einige verbale Warnungen während des Bürgerkrieges ab 1975 von der Deutschen Botschaft Beirut erhalten, Libanon zu verlassen, in ein Land zu leben wo es sicherer ist, oder nach Ost Beirut umzuziehen wo die Sicherheitslage besser war als in West Beirut. Aber ich bin mit meiner Familie hier geblieben, bleibe hier, trotz alle Strapazen, Krisen, Gefahren, Unruhen bis zum Ende, wie Libanons Zedern, Gottes Zedern, die die schlimmsten heiβen, kalten Temperaturen, Schnee- und Windstürme seit paar Tausend Jahre überlebt haben und beten unter dem schönsten blauen Himmel, mit 300 Tage Sonne im Jahr und abends Mond- und Sternenhimmel.  Hier ist der beste Ort, um näher zu unserem Schöpfer zu sein!

 

Zederbaum in Al-Arz, Libanon

Libanesische Flagge

Libanesische Flagge.

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Das Wort Zeder ist 75 Mal in der Bibel ewähnt. Maria wird im Koran deutlich häufiger erwähnt als in der Bible.  (Maria, eine Gestalt, die Christen und Muslimen verbindet. Der Vers 42 der Koransure 3″: “Damals, als die Engel sprachen:  Maria! Siehe Gott hat dich erwählt und rein gemacht – er wählte dich vor allen Frauen in der Welt”).

Arabisch:  مريم, شخسية توحّد المسيحيين والمسلمين. الآية 42 من القرآن 3: “عندما كان الملائكة يتحدثون, ها مريم, اللّه اختارك و جعلك نطيفا – اختارك امام جميع النسأ في العالم

Das Hohelied Salomos:
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1  Siehe, meine Freundin, du bist schön, schön bist du! Deine Augen sind wie Taubenaugen hinter deinem Schleier. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, die herabsteigen vom Gebirge Gilead.
2  Deine Zähne sind wie eine Herde geschorener Schafe, die aus der Schwemme kommen; alle haben sie Zwillinge, und keines unter ihnen ist unfruchtbar.
3  Deine Lippen sind wie eine scharlachfarbene Schnur, und dein Mund ist lieblich. Deine Schläfen sind hinter deinem Schleier wie eine Scheibe vom Granatapfel.
4  Dein Hals ist wie der Turm Davids, mit Brustwehr gebaut, an der tausend Schilde hangen, lauter Schilde der Starken.
5  Deine beiden Brüste sind wie junge Zwillinge von Gazellen, die unter den Lilien weiden.
6  Bis der Tag kühl wird und die Schatten schwinden, will ich zum Myrrhenberge gehen und zum Weihrauchhügel.
7  Du bist wunderbar schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir.
8  Komm mit mir, meine Braut, vom Libanon, komm mit mir vom Libanon, steig herab von der Höhe des Amana, von der Höhe des Senir und Hermon, von den Wohnungen der Löwen, von den Bergen der Leoparden.
9  Du hast mir das Herz genommen, meine Schwester, liebe Braut, du hast mir das Herz genommen mit einem einzigen Blick deiner Augen, mit einer einzigen Kette an deinem Hals.
10  Wie schön ist deine Liebe, meine Schwester, liebe Braut! Deine Liebe ist lieblicher als Wein, und der Geruch deiner Salben übertrifft alle Gewürze.
11  Von deinen Lippen, meine Braut, träufelt Honigseim. Honig und Milch sind unter deiner Zunge, und der Duft deiner Kleider ist wie der Duft des Libanon.
12  Meine Schwester, liebe Braut, du bist ein verschlossener Garten, eine verschlossene Quelle, ein versiegelter Born.
13  Du bist gewachsen wie ein Lustgarten mit edlen Früchten, Zyperblumen mit Narden.
14  Narde und Safran, Kalmus und Zimt, mit allerlei Weihrauchsträuchern, Myrrhe und Aloe, mit allen feinen Gewürzen.
15  Ein Gartenbrunnen bist du, ein Born lebendigen Wassers, das  vom Libanon fliesst.
16  Steh auf, Nordwind, und komm, Südwind, und wehe durch meinen Garten, dass der Duft seiner Gewürze ströme! Mein Freund komme in seinen Garten und esse von seinen Früchten.

Der Name Libanon ist vier Mal und die libanesischen Berge Hermon, Amana und Senir sind je einmal in diesem Hohelied erwähnt. In der Bibel ist das Land Libanon, als das Land wo Milch und Honig fliessen erwähnt.

Quasi cedrus exaltata sum in Libano. Übersetzung: von lateinisch auf deutsch. Du bist in den Himmel gestiegen wie Libanons Zedern. Arabisch: و ارتفعت في السمأ كأرز لبنان –

Gloria Libani Data Est Ei.  Übersetzung: von lateinisch auf deutsch – Die Herrlichkeit des Libanon wurde Ihm gegeben. (Isaiah 2:35) Arabisch:  مجد لبنان أعطي له –

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Mit den besten Wünschen liebe Freunde, liebe Leserinnen und liebe Leser hoffe ich, dass es Ihnen beim Lesen unserer authentischen Familiengeschichte nicht langweilig sein wird.

Ihr
Paul Heinz Kleinknecht

Beirut, Libanon

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